Vanuatu
Vanuatu September 2008
In Rauschefahrt segeln wir die 500sm nach Tana, immer 130sm in 24 Stunden und so muessen wir in der letzten Nacht sogar bremsen, um nicht im Dunkeln anzukommen.
Der aktive Vulkan Mt. Yasur zeigt uns in der Dunkelheit den Weg, wir koennen den roten Lischtschein schon auf 50sm Entfernung ausmachen und am Morgen sehen wir dann auch die dicke Rauchwolke ueberm Vulkan. Der Anker faellt in Port Resolution und schon kommen die ersten Kanus angepaddelt. Wir staunen die Leute wohl mehr an, als sie uns. Die Bewohner Vanuatus sind zum groessten Teil Melanesier und wir muessen uns beherrschen um nicht zu lachen. Die Leute sehen aber auch zu lustig aus. Dunkle Haut, dicke Nasen und Lippen, aber am Besten sind die Haare, die in alle Richtungen zu Berge stehen. Ich muss immer an Strom denken. Die Leute sind freundlich, aber ziemlich fordernd und so wird es nach dem achten Kanu was laengseits kommt doch etwas anstrengend. Wir beschliessen an Land zu gehen und den Berg hinter uns zu erkunden. Denn dort zischt und blubbert es aus vielen Ecken und ich habe heisse Quellen zum Baden und Waeschewaschen im Sinn. Es sind wirklich heisse Quellen, aber Baden kann man dort nicht, 90 – 100 Grad sind doch nur zum Kochen geeignet und das machen die Leute auch. Am Strand, wo es bei Niedrigwasser aus einem grossen Felsloch blubbert, sitzen die Frauen und kochen Gemuese in Bananenblaetter gewickelt und auch ein ganzes Huhn wandert in diesen natuerlichen Kochtopf. Hier fuehlen wir uns wohl und kommen mit den Einheimischen ins Gespraech. Ein Teil der Leute spricht Englisch, einige Franzoesisch und alle Pidginenglisch, was auch wieder fuer viel Gelaechter sorgt. Mit den Kindern gibt es wie immer keine Verstaendigungsschwierigkeiten und unsere Wasserkanister werden von vielen kleine Haenden ins Dinghi befoerdert.
Wir werden zum Schweinebraten am naechsten Abend eingeladen. Ausser uns noch alle anderen Segler, denn die Dorfbewohner wollen auch mal was vom Touristenkuchen abhaben. Also entrichtet jeder Segler ca.10 Euro, und dafuer schlachtet das Dorf dann ein Schwein. Dazu gibt es LapLap, wir finden nicht raus was das eigentlich ist und verschiedene, in Kokosmilch gekochte, Gemuese. Richtig gut schmeckt uns nur das gegrillte Spanferkel, auch auf ein Schaelchen Kava Kava verzichten wir nur zu gerne. Schon in Kanton hat Norbert sich, nur mit Muehe einige Schalen dieses Abwaschwassers angetan. Das Grillfest ist ganz nett, aber irgendwie bleibt uns immer ein schlechter Nachgeschmack. Das erstemal im Pazifik fuehlen wir uns nicht als Gaeste und Freunde, sondern als Touristen, die man schon mal schroepfen sollte. Einerseits koennen wir verstehen, das die Menschen hier auch Geld verdienen wollen und muessen, andererseits haben wir die Erfahrung gemacht das es auch anders geht. Die Bewohner Tana’s leben in traditionellen Haeusern, die Kinder gehen kostenlos zur Schule, es werden fast alle Nahrungsmittel selbst angebaut, aber das Handy muss aufgeladen werden, der CD Player ist schon nach einem Monat kaputt, obwohl die Raten noch garnicht abbezahlt sind, das geschenkte Solarpanel hat die Batterie kaputt gemacht, weil kein Regler dabei war, der Generator braucht Benzin…… und da kommen wir auf den Plan. Geld muss ran, egal wie. Als dann noch die Teilnehmer einer Regatta auf ihren Luxuscatamaren aus Neu Kaledonien anlanden, werden die Dollarzeichen in den Augen der Leute immer groesser und uns wird immer unbehaglicher zumute. Sollte hier der urspruengliche Pazifik schon zu Ende sein, ist die Entfernung nach Australien und zur Zivilisation schon zu kurz. Sicherlich spielt es eine Rolle, das jede zweite Woche ein Kreuzfahrtschiff in Port Vila, der Hauptstadt Vanuatus ankommt und die Touristen dann hunderte von Dollar zahlen um mit dem Flugzeug fuer eine Nacht nach Tana zu fliegen. Vulkan besuchen, im Baumhaus uebernachten- fertig- ab nach Hause, alles gesehen.
Naja wir koennen es nicht aendern und versuchen uns nicht zu sehr von diesem unguten Gefuehl beeinflussen zu lassen. Wir legen nochmal jeder 27 Euro auf den Tisch und machen als Touristen verkleidet einen Auflug zu Mr. Yasur, dem aktivsten Vulkan in der suedl. Hemispaehre. Und wie er spuckt und brodelt, in der Dunkelheit schiesst die Lava nur so aus seinem Bauch und Brocken gluehender Lava, gross wie Findlinge, werden aus dem Krater geschleudert. Gluecklicherweise nicht in unsere Richtung, denn wenn der Wind dreht, darf man nicht an den Kraterrand, denn es sind schon Menschen von Lavabrocken erschlagen worden. Uns passiert nix, wir stehen am Rand und koennen genau in den rotgluehenden Grund sehen. Es knallt und zischt, die Erde bebt ein bisschen und jedes Feuerwerk verblasst gegen dieses Funkengewitter. Nach einer Stunde machen wir uns total durchgefroren auf den Rueckweg und Mr. Yasur wird wohl nicht mehr zu toppen sein. Auch als wir uns auf den Weg nach Efate, Port Vila machen, schickt er uns grosses Getoese und Rauchwolken hinterher.
In Port Vila besorgen wir uns unser Visa fuer Australien, auch mal wieder was Neues, das wir im Vorfeld ein Visa brauchen, kaufen uns eine SIM Kart blong ju( was Pidginenglisch ist und persoenliche SIM karte heisst) trinken ein Bier in Cafe namba wan (Number one) und versuchen jedes Werbeplakat zu entziffern.
Pidginenglisch macht Spass. Wir segeln eine Bucht weiter nach Mele, dort soll man schoen schnorcheln koennen. Aber mit einer ganzen Bootsladung Touristen im doch trueben Wasser rumzuschwimmen haben wir keine Lust und auch den Wasserfall fuer nur 15 Euro zu besichtigen koennen wir uns schenken. Als das Kreuzfahrtschiff aus Australien eintrifft, erleben wir wie die Preise um 300 Prozent ansteigen und beobachten weissbesockte, weisshaeutige, immer behuettete Aussies im Souvenirkaufrausch. Die sacken den Ramsch ein wie wir Kartoffeln, anscheinend wird es im Kilo billiger. Und was man nicht schleppen kann wird gleich angezogen. So laufen dann einen Tag lang, dicke Leute mit Bastroecken und Kokosnussschalen BH’s durch die Strassen und uns reicht es. Wir klarieren aus und segeln nach Lelepa, eine Efate vorgelagerte Insel.
Dort ankern wir, endlich wieder allein, in glasklaren Wasser, geschuetzt durch ein vorgelagertes Riff. Einmal woechentlich wird auch hier eine Ladung Touristen am Strand ausgesetzt, aber nur fuer 2 Stunden. Danach haben wir wieder die ganze Insel fuer uns und kraxeln ueber die steilen Klippen, schnorcheln am Riff entlang, wandern ueber die Insel und grillen den selbstgefangenen Fisch am Strand. Endlich wieder Robinsonleben wie wir es moegen und ein guter Einstieg in die kommenden Wochen, welche wir auf den Riffen Huon und Chesterfield verbringen wollen. Bei herrlichem Sonnenschein finden wir den Weg aus unserem kleinen Riff und machen uns wieder auf die Reise.