Suwarow
Suwarow Noerdl. Cookinseln September 2007
Wir hatten Sehnsucht nach Tahanea. Weg von Supermaerkten und Zivilisation. Deshalb setzen wir alle Hoffnung auf Suwarow. Und wir sollten nicht entaeuscht werden!
Schon die Einfahrt in den Pass verhiess gesunde Korallen und Fischreichtum.
Viel hatten wir bei Tom Neal ueber dieses Atoll gelesen und ihn beneidet. Aber wir sind nicht wegen ihm gekommen, sondern weil Suwarow einen geschuetzten Ankerplatz auf einem unberuehrten Atoll mitten im Pazifik verspricht.
Gleich, nach dem der Anker gefallen ist, schnorchel ich zum naechsten Korallenkopf der hinter unserem Boot liegt und bin begeistert. Endlich nach den Gesellschaftsinseln wieder lebendige Korallen in glasklarem Wasser. Natuerlich gibt es immer Schaeden und und unberuehrt ist relativ. Es gibt zahlreiche Papageienfische, Barsche und Schwarzzpitzenriffhaie.
Spaeter sehen wir sogar in der Lagune Mantas, die ueber eine Sandbank schweben.
Alisson von der “Roxi” ist etwas aengstlich, und deshalb versprechen wir an einem Platz zu schnorcheln, an dem es nach unserer Erfahrung, nur nette Fische gibt.
Antje und Alisson schnorcheln etwas um das Dinghi herum, waehrend Simon und ich an die Steilwand schwimmen, die ca 30 m abfaellt. Ploetzlich schwimmt ein Grauhai direkt vor unsere Brillen. 3 Weissspitzenhaie assistieren. Wir sehen in das kalte Auge des Haies. Der scheint aber nicht sonderlich beunruhigt, und wir koennen unbehelligt den Rueckweg antreten.
John der mit seiner Frau und seinen vier Soehnen das Atoll bewacht, nimmt uns freundlich in Empfang. Die Kinder haben einen Riesenspass mit den Seglern. Jeramie, der Aelteste, fuettert gerne die Haie mit Fischabfaellen, und achtet darauf, das wir auch zusehen.
Die Lagune strahlt in blau und tuerkistoenen. Palmenkronen zeigen andere verheissungsvolle Plaetze, aber meine Frage, auf eine andere Insel segeln zu duerfen, wird freundlich, aber leider unwideruflich abgelehnt. Im Nachinein verstaendlich. John ist clever genug, um zu erkennen, das sein Arbeitsplatz auch daran haengt, wie er die Nationalpark-Regeln durchsetzt. Es wuerde auch nur Aerger unter den Seglern geben. Trotzdem, wir haetten gerne, wie in Tahaneha, auch andere Inseln besucht.
Immerhin erkunden wir zuammen mit John eine Insel und stellen fest, dass dort Kokoskrabben am hellichten Tag auf Baeumen krabbeln. Versteht sich von selbst, dass wir uns nicht bedienen duerfen.
Auf Anchorage ist einiges mehr erlaubt, und wir erkunden nachts die Insel nach Kokoskrabben. Unglaublich, aber es wimmelt nur so davon. Alison scheint es gepackt zu haben, und ist deshalb etwas unvorsichtig, nachts im dichten Gestruepp. Simon benoetigt eine halbe Stunde um sich wieder einen Weg zu seiner Frau zu bahnen. Letztlich haben wir 3 grosse Krabben.
Ein Festschmauss. Ein anderer Segler erzaehlt uns danach, Kokoskrabben gaebe es hier schon lange nicht mehr.
Auf flachen, felsigen Inseln brueten Seeschwalben und Toelpel. Wir hoffen, nicht allzusehr zu stoeren. Wenn man jedoch bedenkt, wie vor Jahren die Atolle des Pazifik durch Guanogewinnung, Perlenzucht und andere Aktivitaeten geschliffen worden sind, duerften wir doch keinen Schaden anrichten. Die Voegel auf den Inseln haben es uns angetan. Stolz jagen sie und verteidigen ihre Jungen. In Gruppen legen sie Strecken von mehreren hundert Meilen zurueck. Ganz anders als ihre angepassten Artgenossen in den Grosstaedten der Welt. Nie wuerde eine Seeschwalbe Essenreste der Menschen annehmen.
Karg ist Leben auf dem Atoll. So ist jedes Lebewesen und jede Pflanze die sich durchsetzt, ein kleines Wunder. Die Pflanzen auf den Atollen sind langsam wachsend und dauerhaft. Ganz anders als im Regenwald der hohen Inseln. Dort ist alles fruchtbar und die Prozesse laufen mit hoher Geschwindigkeit ab. Hier scheint es oft, als ob die Zeit steht. Wir wollen alles wissen und alles untersuchen, und das ist auf einem winzigen Motu auch moeglich.
Aber unter Wasser! Wir schnorcheln im Pass und sehen Grauhaie, Mantas und grosse Barsche oder Grouper. Aufregend und schoen zugleich.
Das Fischen ist erlaubt, und wir werfen das letzte Benzin an die Front um unser Abendbrot zu sichern. Antje ist begeistert und vom Angelfieber gepackt. Wir koennen einige Rainbowrunner in der Lagune ergattern. Allerdings nur wenn die zahlreichen Haie nicht schneller sind, denn dann bleibt nur der Kopf uebrig, der noch am Haken haengt.
Abends treffen sich die Segler oft bei John und es wird gemuetlich am Lagerfeuer bei selbstgefangenem Fisch und Gitarrenklaengen.
Immer wieder sind wir von dem Licht auf den Atollen verzaubert. Auf dem Aussenriff gehen wir mit den vier Jungens und Simon und Alison von der “Roxi”, Papagaifische stechen. Fuer mich fast dass schoenste Erlebnis. Die Jagt in der Gruppe, in der Unendlichkeit des Riffs, das Licht, die Reflexionen im Wasser. Wir fuehlen uns 1000 Jahre zurueckversetzt. Es ist anstrengend, wir haben nur einfache Speere, rennen Meilen ueber Felsen und wir erlegen gerade 4 Papagaifische, nicht genug fuer alle. Aber das ist vollkommen uns egal.
Wie traurig das abzusehen ist, dass bereits die naechste Generation nichts mehr von all dem erleben wird.
Die Korallen sterben durch Meereserwaermung und Verschmutzung. Sedimente in den Fluessen, die durch Erosion bei uebermaessiger Landwirtschaft in die kuestennahen Riffe gespuelt werden, oder durch Ueberfischung. Bereits 2012 wird mit dem Zusammenbruch des weltweiten Bestandes an Blauflossenthunas gerechnet. Kein Wunder, in 5 Meilen langen Netzen habe Fische, Schidkroeten und Delphine keine Chance.
Gerade weil wir das grosse Glueck haben alles noch einmal zu sehen, wird es besonders schmerzlich. Auch wir, die Segler sind daran Schuld. Nicht durch ein wenig Jagen, die neue Generation Segler betrachtet ja eher alles vom Cockpit, aber durch das massenweise Auftreten.
John hat die Erfahrung gemacht, das es bei 20 Yachten am Ankerplatz nicht mehr moeglich ist zu fischen, da die Fische dann das Weite suchen.
Wir versuchen die Korallen nicht zu schaedigen, in dem wir verantwortungsbewusst ankern. Eine um die Korallen gelegte Kette ist eben nicht nur eine Gefahr fuer das eigene Boot.
Zusammen mit der ” Roxi” verlassen wir Suwarow. Unsere Wege trennen sich, Alison und Simon segeln leider nach Niue und dann weiter nach Neuseeland.
Wir wissen noch nicht, dass wir mitten in die SPCZ segeln und so schallen noch eiige Meilen Sprueche von Boot zu Boot. Was wir auch noch nicht wissen ist, das wir “Roxi” wiedersehen und eine tolle wieder eine schoene Zeit zusammen haben werden.
Norbert an Bord der “ANTJE” in Bundaberg, Queensland, Australien