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20.9.2007

Kanton

Abgelegt unter: 030 Ankunft in Kanton — admin @ 09:06

Kanton, Phoenix Islands, Kiribati  November 2007- April 2008

Dem Einfluss der SPCZ koennen wir auf diesem Toern entgehen und so kommen wir ganz gut voran. Zwar haben wir wechselnde Winde, aber von einer ausgedehnten Flaute bleiben wir verschont. Nur die letzten 30sm ziehen sich hin, Wind mit 20-30kn genau auf die Nase und auch der Strom ist gegen uns. Wir kreuzen 12 Stunden, um an den Eingang zur Lagune zu gelangen. Der Pass von Kanton ist zwar tief und auch ziemlich breit, da er aber der einzige Zugang zur Lagune ist, ist die Stroemung stark. Bis zu 10kn sind moeglich und da sollte schon zur richtigen Zeit einlaufen. Entweder bei Stillwasser, also in den ca. 15Min des Gezeitenwechsels, oder kurz nach Beginn des Einlaufenden Stroms. Durch unser Gekreuze sind wir knapp dran, aber es klappt noch. Nur ca. 4Kn Strom schieben uns durch den Pass und nach einigen Runden faellt der Anker.

Wir sind da!!! Und schauen uns ertsmal um, das wird unser Ausblick in den kommenden 6 Monaten sein. Ein Atoll wie wir schon einige gesehen haben, nur scheint dieses voll mit alten Gebaeuden, verlassenen Lagern, riesigen verrosten Tanks und allen Arten von Schrott zu sein. Kanton war waehrend der zweiten Weltkriegs ein Basislager der Amerikaner und der Briten. Anders als die Briten, haben die Amerikaner das Atoll erst Mitte der 70er Jahre verlassen und anscheinend alles einfach stehen lassen. Die Offiziershaeuser im Dorf dienen heute den Bewohnern als Unterkunft, die alten Lagerhallen als Ersatzteillager und den Kindern als Spielplatz. Auch fuer Norbert wird Kanton zum Abenteuerspielplatz werden.
Dann koennen wir am Warf einige Menschen aussmachen, die uns zu winken, nun haelt uns nichts mehr an Bord. Wir wollen unsere neuen Freunde kennenlernen. An Land treffen wir als ersten Ioane und seine Familie. Er ist der Zimmermann der Insel und wird demnaechst Rentner und wartet deshalb am Warf schon auf seine Rueckreisemoeglichkeit mit dem naechsten Versorgungsschiff. Von Ioane erfahren wir, das die anderen 4 Familien im ca. 3Km entfernten Dorf wohnen und das momentan 28 Menschen auf Kanton leben. Seit der Unabhaengigkeit Kiribati’s werden die Leute nach Kanton, den einzigen bewohnten Atoll der Phoenixinseln geschickt, um diesen abgelegenen Teil des Landes zu bevoelkern. Jede Familie hat einen Job und bekommt Geld aus Tarawa, der Landeshauptstadt. Da waeren ausser Ioane dem Zimmermann noch Marotita der Polizist und Schatzmeister, Donna die Lehrerin, Naniseni der Medical assistent, und Riino der Postmeister und Radiooperator. Alle jeweils Lebenspartner und Kindern. Muessen nicht immer die eigenen sein. Schon unser erster Besuch bei Ioane und Raiti, seiner Frau macht uns grossen Spass. Die Kinder sind zwar noch etwas schuechtern, aber wir haben den Eindruck uns schon lange zu kennen. Auch als am naechsten Tag Riino und Marotita zu uns an Bord kommen um uns willkommen zu heissen und die Einklarierungsformalitaeten zu erledigen geht es sehr entspannt und lustig zu. Wir fragen den beiden Loecher in den Bauch und sie uns. Babywalker und Co. werden freudig in Empfang genommen und auch sofort bezahlt. Nun schwimmt “Antje” schon ein kleines Stueck hoeher.
Was unser Cyclondomizil angeht haben wir ein gutes Gefuehl, auch wenn der Ankerplatz ein bisschen zu rollig fuer unseren Geschmack ist. Aber Riino, der auch der Wettermann der Insel ist, meint es wuerde nicht immer so blasen. Zur Zeit 20-25 kn jeden Tag, die Welle kann sich zwar nicht sehr hoch aufbauen, aber so manchen Ueberfahrt mit dem Dinghi endet voellig durchnaesst.
Die naechsten Tage vergehen wie im Fluge, wir ruesten das Boot fuer einen laengeren Aufenthalt vor Anker, erkunden per Dinghi die Umgebung, angeln schon mal einfach so vom Boot aus ein paar dicke Snapper und werden immer wieder an Land gewunken, wo uns Brandon, der Mann der Lehrerin oder Ioane erwarten. Da Brandon eine Art Dorfsprecher ist, ueberbringt er uns auch die Einladung ins Dorf zu unserer Willkommensparty. So backe ich den ersten Kuchen(es wird am Ende zu einen Backrekord meinerseits ausarten), wir packen unsere Willkommensgeschenke zusammen und machen uns auf dem Weg. Das freundliche Angebot von Ioane uns Fahrraeder zu besorgen, lehnen wir ab. Wir koennen doch auch laufen! Ja koennen wir, aber es dauert ewig und so kommen wir zu unser eigenen Party schonmal zu spaet. Aber das scheint niemanden wirklich zu stoeren. Die Bewohner sitzen auf ihren aus Pandanussblaettern geflochtenen Matten in der Maneaba
(Versammlungshaus) und schwatzen ganz entspannt, die Kinder springen mitten durch. Wir werden von allen mit einen freundlichen Lachen und einem lauten Mauri, Mauri!!!(Willkommen, Hallo, Guten Tag) begruesst. Nun sitzten auch wir auf einer Matte, den Dorfbewohnern gegenueber und die singen erstmal drei Lieder fuer uns. Dann heisst uns Marotita offiziell auf Kanton willkommen, durch die folgende Zeremonie wuerden wir in den Kreis der Gemeinschaft aufgenommen und werden zum Teil des Dorfes. Jedes Haus im Dorf steht uns offen und wir sind bei allen Bewohnern jederzeit willkommen. Bei kuenftigen Feiern sollen wir demnaechst auch mit dem Ruecken zur Lagune sitzen, nicht wie jetzt mit dem Ruecken zum offenen Meer, vondem wir ja kommen. Von den huebschesten Maedchen Kantons, Manuia(Enkeltochter von Bwete und Naniseni) und Tebikin( Grossnichte von Ioane) werden uns zwei wunderschoene Ketten aus Kaurimuscheln ueberreicht und dann klatschen alle. Uns kommen fast die Traenen. Aber geheult wird hier nicht, jetzt gehts ertsmal ans Essen. Da wir noch Gaeste sind, sollen wir zuerst zulangen und all die aufgetischten Speisen probieren. Fisch in allen Variationen, roh in Kokosmilch, bebraten, gekocht, als Frikadelle. Dazu Reis, Brot, chin. Instandnudeln, Papaya, Brotfruechte gekocht oder fritiert und jede Menge gruene Trinknuesse. Das Brandon vergessen uns mitzuteilen, das wir unsere eigenen Teller und Becher mitbringen sollen ist kein Problem. Unter ausgiebigen Gelaechter werden welche besorgt und nachdem wir uns die Teller gefuellt haben, bedienen sich alle anderen.
Nach dem Essen haelt noch jedes Familienoberhaupt eine kleine Rede, stellt sich und die Mitglieder seiner Familie vor und heisst uns willkommen. Dabei werden immer wieder Spaesse gemacht, damit wir sie auch verstehen, sprechen alle mit uns englisch.
Dann sind wir dran. Nach unserer Rede und der Uebergabe der Gastgeschenke geht der gemuetliche Teil los, es wird ncohmal gesungen und dann darf man auch die Matten wechseln und mit den anderen schwatzten. Naniseni versorgt mal nebenbei die Verbrennung des zweijaehrigen Boraia am Fuss, die Kinder toben um uns herum und werfen immer wieder einen teils lachenden, teils schuechternen Blick zu uns. Aber die mitgebrachten Bonbons haben das Eis schon geschmolzen. Wir unterhalten uns mit allen und lernen so die Bewohner kennen.
Als es dunkel wird, faehrt uns Taareree, der Sohn von Riino mit dem einzigen Motorrad der Insel zurueck zum Warf.
An diesem Abend sitzten wir noch lange im Cockpit und versuchen die vielen Eindruecke zu verarbeiten. Wir fuehlen uns von Herzen willkommen und sind sicher, es war die richtige Entscheidung hier zu ueberwintern.

Und so kommt es auch, das halbe Jahr in Kanton und seine Bewohner werden uns immer in Erinnerung bleiben. Niemals zuvor hatten wir so engen Kontakt mit den Einheimischen und fuehlten uns wirklich ein ein Teil der Gemeinschaft. Da ich garnicht alles aufschreiben kann was wir erlebt haben, hier nur ein paar Stichpunkte und dann hoffe ich, das die Bilder fuer sich sprechen werden.

Antje an Bord der “ANTJE” in Bundaberg, Queensland, Australien

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