Kanton 3 Projekte
Was haben wir eigentlich die ganze Zeit gemacht?
Ein halbes Jahr Zeit!!! Ein halbes Jahr keine Wettervorhersage beobachten, keine Routenplanung machen, ein halbes Jahr nicht segeln, ein halbes Jahr Zeit, um all die Sachen zu machen fuer die man sonst keine Zeit hat. Herrlich und doch verinnen die Tage schnell. Norbert hat soviele Plaene gemacht, was alles an Bord zu tun ist, aber letztendlich sind ja hier um mit unseren Freunden etwas zu erleben. Und so verbringen wir viel mehr Zeit an Land als an Bord.
Als erstes muss mal der Garten gebaut werden. Wir haben neben Tomatensamen, auch allerlei Kraeuter aus Samoa mitgebracht und so verbringen wir die ersten Wochen mit dem Ziehen von Tomatenpflanzen und dem Beschaffen von Erde. Das ist auf einem Atoll garnicht so einfach, besteht der Boden doch zum groessten Teil aus Korallenschutt und Sand. Wir sammeln unsere Kuechenabfaelle, holen uns, von der verlassenenen britischen Seite, Erde aus den alten Gaerten und fragen im Dorf zur Belustigung der Bewohner nach Schweinedung. Norbert erklaert drei Wochen lang, wie man Erde gewinnen kann, alle lauschen ihm andaechtig und sagen oft AYA, was soviel heisst wie Ahja?. Dann findet er in einem alten Lagerhaus eine einlaminierter Plakat, welches die Herstellung von guter Gartenerde mit zahlreichen Bildern und in Kiribati!!! erklaert. Unsere Freunde wissen also nur zu gut, wie man es macht, sind nur zu hoeflich uns darauf hinzuweisen. Spaeter wird die Geschichte die Runde machen und immer wieder grosse Heiterkeit ausloesen. Wir lachen heute noch ueber unsere Naivitaet.
Als die Tomatenpflanzen soweit gewachsen sind, das wir sie planzen koennen, stellt sich das naechste Problem. Wir haben genug Erde gewonnen, muessen aber die kleinen Pflaenzchen vor Wind, Hermitcrabs(Einsiedlerkrebse), Katzen und Kokonussratten schuetzen.
Aber Schrott gibt es ja wahrlich genug auf Kanton und so finden wir auch bald einen grossen, verrosteten Drum in den wir unsere Trockenmilchkuebelpflanzen stellen koennen. Und jetzt heisst es zweimal taeglich giessen, etwas duengen, ausgeizen und die Blueten befruchten. Duch die fachmaennische Fernberatung unserer Muetter, zeigen sich nach drei Monaten die ersten Fruechte, welche jeden Tag von den Kindern und Norbert gezaehlt werden. Als wir dann nach ca. 5 Monaten die ersten reifen Tomaten ernten koennen, erwacht auch das Interesse der Bewohner. Wir haben am Anfang jeder Familie angeboten Pflanzen zu ziehen, aber erst als sie unseren Erfolg sehen, sind sie interessiert. So wird eins unserer Abschiedsgesschenke Tomatenpflanzen fuer alles sein.
Nachdem der Garten fertig ist, braucht Norbert ein neues Projekt. Gemeinsam mit Ioane dem Zimmermann baut er ein Raeucherhaus. Das Material findet sich leicht. Norbert spendiert Naegel und Inoxschrauben aus Bordbestaenden und schon bald qualmt es aus dem Schornstein. Brandon und Bwamete beliefern uns mit Kokonussschalen zum Anheizen, wir revanchieren uns mit geraeuchertem Fisch. Mit einigen Kostproben koennen wir die Bewohner, besonders Naniseni, vom Raeucherfisch ueberzeugen und auch andere Segler nutzen das Raeucherhaus.
Spaeter raeuchern wir Schinken, den wir aus unserem Schweinefleischanteil zaubern. Dank unseres Wurstbuches wissen wir wie man poeckelt und am Ende koennen wir unseren Speiseplan um einiges aufwerten. Unsere Kantonfreunde moegen nun zwar geraeucherten Fisch, aber Schweinefleisch bevorzugen sie doch aus dem Erdofen.
Auf der britischen Seite entdecken wir eine alte Schmiede, sie ist total zusammengefallen, aber die Schamottsteine sind noch zu gebrauchen. Jedesmal wenn wir am Wochenende rueberfahren, um doch einmal allein zu sein, bringen wir ein paar Steine mit. Und bald sind es genug, um einen Backofen zu bauen. Irgendwie brauchen wir immer mehr Platz an Land, Ioane tritt uns grosszuegig einen Teil seines Grundstuecks ab.
Wir haben keinen Zement an Bord (irgendwo muss ja auch mal Schluss sein), kein Problem. Paeniu hat noch einen Sack ueber vom kathol. Maneababau. Und so nimmt auch das naechste Projekt seinen Lauf. Als der Ofen fertig ist, laden wir alle zu einem Backtag ein. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten( Tamala verbrennt die Ofentuer, die nur aus Holz ist und macht sich grosse Sorgen deswegen) wird der Ofen ein Erfolg. Gemeinsam haben wir grossen Spass an unseren Backtagen. Das Problem ist nur, nachdem alle eine Kostprobe hatten, ist nichts mehr uebrig fuer den naechsten Tag. Wir nutzen den Ofen immer zum Brotbacken, auch so macher Kuchen und diverse Pizzas werden dort gebacken. Denn wir sind nicht sicher ob unsere beiden Gasflaschen fuer die 6 Monate reichen und Auffuellen geht auf Kanton nicht.
Das groesste und fuer Norbert schoenste Projekt ist es, ein Kanu zu bauen. Wie soll denn auch eine Insel, umgeben vom Meer, ohne Boot auskommen? Das hat Naniseni sich auch schon gedacht und Material gesammelt. Das laesst er dann auch, in einer Wahnsinnsaktion an der Warf, zur „Norbertwerft“ transportieren. Da Naniseni, Riino, der als einziger ein Motorrad und einen Anhaenger besitzt, nicht fragen will, schickt er seine Enkeltoechter Tekareree und Manuia ins Wasser. Die beiden bringen mit Brandons Unterstuetzung, all die gesammelten Holzbalken, durchs flache Wasser der Lagune bis zum Warf. Als sie dort, das Holz zusammengebunden und immer vor sich herschiebend, eintreffen, sind wir sprachlos. 6Km am Ufer der Lagune enlang, immer im seichten Wasser watend, hat der Holztreck doch nicht den Spass verloren und wir hoeren als erstes Singen und lautes Gelaechter. Natuerlich helfen wir beim Anlanden und Lagern der Holzes und spendieren erstmal Tee und Kekse fuer alle.
Norbert macht sich an die Arbeit, er zeichnet die Plaene und bespricht alles mit Naniseni. Das Kanu soll zur Stabilisierung einen Ausleger bekommen und gross genug sein um auch Bwete zu tragen. Ausserdem soll man einen Motor anbringen koennen. Vier Wochen lang wird gesaegt, gehaemmert, geschraubt und am Ende mit Teer abgedichtet. Wir haben noch eine Dose Farbe ueber und so bekommt das Kanu auch noch einen Anstrich. Leider haben wir kein Epoxi unm das Kanu wirklich dicht zu bekommen. Aber Naniseni ist zufrieden, die Probefahrt mit unserem geborgten Motor macht ihm riesigen Spass. Auch eine Fahrt ueber die beiden Paesse zur britischen Seite uebersteht das Kanu und hat somit die Feuertaufe bestanden. Kurz darauf steht Naniseni, gemeinsam mit Bwete fein angezogen, am Ufer und bittet an Bord kommen zu duerfen. Natuerlich gerne und nach einigem Smalltalk bedankt Naniseni sich ausfuehrlich fuer das Kanu. Im Leben eines jeden Kiribati gibt es zwei wichtige Dinge zu leisten, ein Haus und ein Boot bauen. Anschliessend uebergibt Bwete mir 4 wunderschoen geflochtene Tischmatten aus Pandanussblaettern, welche wir dankend annehmen. Als Naniseni dann aber einen Umschlag mit 250 austr. Dollar zueckt, lehnen wir vehement ab. 2 Stunden muessen wir diskurieren und am Ende ist es wohl unserer Argument, das man in unserer Kultur niemals Geld von einem Freund nehmen darf, das ihn ueberzeugt. Aber nicht ganz, er noetigt uns 100 AUD auf, die wir aber nur unter der Bedingung annehmen, Benzin fuer weitere gemeinsame Fischzuege auf dem Meer, vom Versorgungsschiff zu kaufen und Bonbons fuer alle Kinder. Es faellt uns schwer unsere Ablehnung in richtige Worte zu fassen, denn wir wollen Nanisenis Stolz auf keinen Fall verletzten und sein Ansehen im Dorf nicht schmaelern. Wir glauben es ist uns gelungen, denn am Ende seines Besuches ist unser Freund nicht mehr so ernst und macht schon wieder Scherze.
Schon lange bastelt Norbert an der Idee einen Windgenerator fuer Kanton zu bauen. Batterien haben ja alle und die meisten auch einen Generator um diese zu laden. Nur der Sprit ist immer alle!
Inspiriert durch die gigantische Auswahl an alten Sachen und Schrott und vielen Mails in Fachchinesisch von unserem Freund Knut in DL, wuchten eines Tages sechs kraeftige Kantonesen einen riesigen alten Luefter an der Warf. Vorher stand er einfach 300m weiter rum, aber da gab es nicht genug Wind um das Ungestuem in Gang zu setzen. Gemeinsam mit Volker von der La Gitana bastelt Norbert nun tagelang an der Verbindung Lichtmaschine, Luefter, Gluehlampe und Batterie. Immer wieder fragt er Knut um Rat, denn wir wissen nicht genau wie die Toyotalichtmaschine angeschlossen werden soll. Knut recheriert im Internet und ich weiss nicht wie, aber am Ende kommt Strom raus und laedt eine Batterie.
Aber da unsere Kiribatifreunde ihre Batterie jeden Abend fuer Licht und DVD-Player brauchen, nehmen sie die Batterie immer vom Generator, ohne ihn anzuhalten und einige Tage nach unserer Abfahrt ist die Lichtmaschine durchgebrannt. Naja, diese Projekt war nicht so erfolgreich.
Aber egal, wir haben jeden Tag zu tun. Einmal in der Woche fahre ich ins Dorf zum Waeschewaschen, das dauert den ganzen Tag. Inbegriffen natuerlich auch die Schwaetzchen mit den Dorfbewohnern, die Canastarunde bei Bwete, der Tee bei Donna und Spielen und Singen mit den Kindern. Langeweile kommt niemals auf, manchmal muessen wir uns einen Tag frei nehmen und auf die brit. Seite fahren. Dort steht ein verlassenes Haus, der Mann der ehemaligen Krankenschwester ist dahin mit der ersten Frau von Marotita durchgebrannt. Das wird unser Wochenenddomizil. Morgens geht’s rueber, dann erstmal an Aussenriff zum Baden und Lobster fangen und am Nachmittag grillen wir am Haus. Wenn mal kein Lobster zu erwischen ist, angeln wir uns eben einen Fisch. Manchmal stoppen wir auf dem Rueckweg auf Birdieisland und sammeln ein paar Seeschwalbeneier, denn der naechste Kuchen steht an. Auch die Dorfbewohner freuen sich ueber die frischen Eier und schluerfen sie gleich aus. Ich komme nicht dagegen an, aber im Kuchen machen sie sich gut und Norbert goennts sich auch mal ein Ruehrei.
Kurz vor unserer Abfahrt gehen drei unserer vier Batterien kaputt. Jeweils eine Zelle ist defekt und so halten die Batterien die Spannung nicht mehr. Wir sind in Sorge, wie wir mit nur einer Batterie nach Samoa zurueckkommen sollen. Also bastelt Norbert einige Tage und als er feststellt, das jede Zelle separat gekapselt ist, hat er eine Idee. Er flext die defekte Zelle raus und ueberbrueckt sie mit dicken Kabel. So macht er aus drei kaputten Batterien zwei funktionierende und damit ist unsere Energieversorgung fuer die Rueckreise gesichert. Letztendlich funktioniert die ganze Sache sogut, das wir in Samoa erstlich ueberlegen, ob wir ueberhaupt neue kaufen sollen. Machen wir dann doch, muessen diese neuen Batterien aber nach nur einem Jahr schon wieder ersetzten. Wer weiss wielange sie schon in Apia rumgestanden haben.
Ausserdem baut Norbert mit Volker zusammen noch eine Sonnendestille, wir hoffen aus Salzwasser durch Destillation soviel Frischwasser zu gewinnen, das wir die Pflanzen bewaessern koennen. Aber das klappt nicht, man braucht zuviel Flaeche um eine ausreichenede Menge Suesswasser zu gewinnen, aber es ist schonmal gut zu wissen, das es funktioniert.
Am Boot machen wir auch einiges, z.b wechseln wir das Vorstag, lackieren Tuer und Fussboden und und und. Zu reparieren gibt es an Bord immer was, nur klappt das nicht immer. So verabschiedet sich einer unserer Laptops fuer immer. Schade, denn wollten Donna zum Abschied einen schenken, aber nun geht das nicht, denn wir brauchen die beiden noch verbleibenden.
Apropo Abschied, neben den Tomatenpflanzen schenke ich jedem weibl. Bewohner eine Muschel, gefuellt mit meinem Schmuck. So sind wir um einiges leichter und nun blitzt und funkelt es an jedem Ohr und jedem Finger in Kanton.
Antje an Bord der “ANTJE” in Bundaberg, Queensland, Australien