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22.9.2007

Kanton 2 Verpflegung

Abgelegt unter: 030.2 Kanton 2 — admin @ 18:28

Verpflegung in Kanton, dass war in vielerlei Hinsicht ein Abenteuer.

Waehrend wir im grossen Samoa haenderingend nach Schweinefleisch gesucht hatten,war das auf dem winzigen Kanton ploetzlich kein Problem mehr.
Es waren in unseren 6 Monaten bestimmt 10 arme Schweine, die dran glauben mussten. Zwei davon waren  ganz alleine fuer uns beide bestimmt.
Jede Familie hatte einige Schweine, die aber auch taeglich gefuettert werden mussten. Und zwar hauptsaechlich mit Kokosnuessen. Diese Schweine fressen aber nicht einfach die ganze Nuss, sondern dass zarte Innere der Nuss wird aufwendig und kraftraubend herausgezaubert. Nicht selten wird die Arbeit von juengeren Familienmitgliedern verrichtet. Zweimal taeglich.
Wir waren hin und hergerissen, von unserem Wunsch gute Stuecke zu ergattern und unserer Bescheidenheit. Umso schwerer ist es, da jeder, einmal laut geaeusserte Wunsch sofort erfüllt wird und nicht mehr zurückzunehmen ist.

Wie gut, dass wir uns revanchieren koennen, in dem wir immer einmal wieder mit  Brandon, Naniseni, Paeniu oder Bwamete zum Fischen herausfahren.
Aber zurück zum Schwein.
Monate auf Kanton. Keine Möglichkeit sich zu versorgen. Wir sehnen uns nach Frischem, sei es Fleisch, Gemüse oder gar Käse.
Die erste Schlachtung fand zu einer Familienfeier im Hause von Riino statt. Meine Abneigung von Feierlichkeiten musste zugunsten, leckeren im Erdofen zubereiteten Schweinefleisches, zurückgestellt werden.

Mit bloßen Händen wurde das Schwein von Tareree, Taonateti, Marotita, Kautoa bezwungen. Wobei sich Taonateti(die Tochter von Ioane) erst, als die Maenner nicht klar kamen, mit einem kühnen Sprung über den Stacheldrahtzaun dazugesellte und das Schwein in die Knie gezwungen wurde.  Ein beherzter Schnitt in die Hauptschlagader und kurz danach Ruhe.
Keine Selbstschussanlage. Keine Hochspannung.
Die Borsten werden mit Palmwedelfackeln abgesengt.
Es folgt der für uns interessante Teil des Aussnehmens. In der Hoffnung es irgendwann alleine zu können schauen wir beim erstenmal genau zu. Wir sind scharf auf die Leber, immerhin keine Giftstoffe siehe oben.  Aber Vitamine.
Als Volker und Michaela mit der „ La Gitana“ eintreffen, können wir auch einmal Rippen bekommen, die wir lecker zubereiten und gemeinsam vernaschen.

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Viel einfacher ist das Fischen. Auf Kanton sollte man keinen Haken gedankenlos über Bord baumeln lassen.
Obwohl alle Korallen wahrscheinlich in einem El Nino Jahr durch Erwärmung abgestorben sind, scheint dass dem Fischbestand überhaupt nichts auszumachen.
40 Kilo schwere Black-Jacks werden direkt mit der Handleine von der alten Kaikante gefangen. Aber auch große Napoleonfische oder Grouper. In jedem Fall riesig.

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Auf der Britischen Seite, wo sich „unser“ Wochendhaus befindet, gleiten im Minutentakt Mantas direkt am Strand vorbei. Wenn man dort einen Köder durchs Wasser zieht, beißt entweder ein Hai oder ein großer Grouper an.

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Von Ioane erfahren wir, dass es Sinn macht draußen auf dem offenen Meer zu trawlen. Ich verabrede mich Bwamete. Morgens um 7 starten wir mit dem Dinghi. Es ist noch kalt.
Wir trawlen 30 Minuten erfolglos. Plötzlich rauscht meine kleine Angel aus. Unendlich lange, unendlich tief. Die geflochtene Leine ist lächerliche 0,35mm dick.
Trotzdem, Stück für Stück holen wir die Leine auf. Ein ca 1,40m Wahoo.
Unbeschreiblich. Ich schaue zum Ufer sehe das Riff, dann den Ozean unter uns, schwarzblau, darin der silberne, im Wasser riesig wirkende Wahoo.
Etwas später geht meine grosse Angel bei Bwamete los. Er ist in Panik, da er es nicht versteht, warum die Leine ausrauscht. Ich beruhige ihn und versuche die Spannung mit Hilfe des Motors zu halten.
Noch etliche Male flüchtet der Fisch, aber schliesslich ist auch der zweite Wahoo im Boot.
Genug für fast das ganze Dorf.  Kompliziert wird der Fisch verteilt.
Keiner soll benachteiligt werden.
Dazu muss man sagen, niemand im Dorf hat ein Boot. Also gibt es Fisch von draußen nur, wenn ein Yachtie rausfaehrt. Welch angenehme Aufgabe.
Aber Naniseni und Brandon waren selbst einmal Fischer, damals als es in Tarawa noch Fische gab.
Deshalb lernen wir von ihnen, wie man mit der Handleine fischt. Der Leinensalat im Dinghi spricht  gegen diese Technik. Der Erfolg ist aber groß. In Sekunden landet der Thuna, wir haben uns inzwischen zum unbestrittenen König der essbaren Fische aufgearbeitet, im Dinghi.

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Naniseni ist 70 und kein Fan von modernen Angelgeräten. Er strahlt jedes mal vor Stolz, wenn er einen Fisch und ich mal wieder Nichts an der Angel habe.
Unsere letzte Angeltour soll unsere Freundschaft vertiefen und wir bleiben ca. 5 Stunden auf dem Meer. Ich verfahre ca. 20 Liter Benzin und es gibt großen Ärger als wir erst im Dunkel zurückkommen. Aber was für ein Tag. 6 große Thunfische und 2 Wahoos, das Dinghi ist randvoll.
Schnell haben alle Dorfbewohner vergessen, das wir uns schlecht benommen haben und alle freuen sich  auf frischen Fisch. Die Kinder stürzen sich auf die rohen Herzen der Thunfische.
Diese spontane Reaktion zeigt mir, wie gut der menschliche Körper weiß, was er benötigt. Das hat nichts mit Tradition zu tun.
Wieder einmal wird mir bewusst wie weit wir uns in unserer Zivilisation von allem Natürlichen verabschiedet haben.

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Während es den Kantonesen auf ihrem kargen, aber fischreichen Atoll prima geht, verlieren wir zunehmend an Gewicht. Nichts schmeckt mehr. Bei Fisch darf es nur noch Thuna sein. Ich leide an Wundinfektionen, Fieber, keine Abwehrkräfte mehr.
Die selbst gezogenen Tomaten sind ein Segen, aber es reicht nicht. Monate später auf einem anderen einsamen Platz, esse ich spontan den rohen Rogen einer Makrele. Ich will nicht noch einmal krank werden. Einbildung oder nicht. Ich habe das Gefühl es tut mir gut.
In diesen Monaten haben wir unendlich viele Erlebnisse inmitten einer Natur, die zwar alles andere als unberuehrt ist, die Folgen des zweiten Weltkriegs und  das Wirken der NASA in den 60ern sind unuebersehbar, aber die Natur hat ohne Zweifel die Oberhand gewonnen.
Das Erlebniss, sich fast selbst zu versorgen, bleibt haften und der Wunsch einmal richtig Robinson zu spielen oder wenigstens Tom Neale, hat sich eingenistet.
Auf der anderen Seite der Lagune sind wir ganz einsam weitab vom Dorf.
Wir stellen uns vor, in dieser Wueste zu ueberleben. Die Kokosplamen sehen schlecht aus hier. Es gibt nicht genug Grundwasser. Ein anderer Segler hat es ein Jahr hier ausgehalten. Sein Haus steht noch.
Woher kommt bloss diese magische Anziehungskraft.
Letztendlich schrecken wir zurueck. Wir wuerden es nicht schaffen. Wenn wenigstens die Palmen besser aussehen wuerden.  Aber zum Traeumen reicht es allemal, und dann sind wir doch immer wieder froh unsere Freunde im Dorf zu sehen.

Norbert an Bord der “ANTJE” in Bundaberg, Queensland, Australien

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