Kanton 1 Party´s
Partytime
Gefeiert wird in Kanton gern und oft, Willkommens oder Farewellparty fuer neue Familien und Gaeste, Schuljahresende, erste Monatsblutung der jungen Maedchen, Ostern, Weihnachten oder der Unabhaengingkeitstag…. ein Grund findet sich allemal. Vielleicht haengt es damit zusammen, das die Geburtstage mit Aussnahme des ersten und des 21. nicht gefeiert werden. Wir haben jedenfalls jede Menge Partys erleben koennen.
Der Ablauf ist meist der Gleiche, gefeiert wird in der Maneaba, dem Versammlungshaus. Es gibt drei davon in Kanton, eine kleinere fuer die Allgemeinheit(hier finden die Willkommens und Abschiedsfeiern und die Dorfversammlungen statt), eine fuer die Protestanten und eine fuer die Katholiken.
Die Vorbereitungen zur Weihnachtsfeier beginnen schon am Vortag, das Schwein wird geschlachtet, jede Familie bekommt einen Teil des Fleisches und die Frauen eilen in die Kuechen um alles zu verarbeiten. Denn einen Kuehlschrank hat hier niemand.
Am Morgen der Party gehen die Maenner nochmal Fischen, der muss dann auch zubereitet werden. Ausserdem versucht jeder noch aus mit den vorhandenen Vorraeten etwas zu zaubern. Brot wird gebacken, Brotfruechte gekocht und einmal gibt es sogar Pandanuesse in Kokosmilch gegart. Die Kinder schmuecken die Maneaba und Lilly und Bwete kuemmern sich um die Kostueme der Taenzerinnen.
Wir brauchen erst um 10 Uhr zu erscheinen, denn auf dieser Feier sollen wir die Gaeste sein, schliesslich brauchen unsere Freunde ja jemanden dem sie vorsingen und vortanzen koennen.
Gemeinsam mit Steffi und Kaspar vom Katamaran Celuann, die beiden sind vor 14 Tagen unverhofft am Horizont aufgetaucht, haben wir unsere Boote gepluendert und fuer jede Familie ein Weihnachtspacket zusammengestellt. Wir haben auch einen Weihnachtskranz gebastelt, der gleich nach unserer Ankunft einen Ehrenplatz bekommt. Die Kinder bestaunen die Kugeln aus Alufolie und sind mittlerweile ganicht mehr schuechtern. Und natuerlich fehlt auch der Kuchen nicht, den ich eigentlich zu jeder Party backen soll. Ausserdem haben wir auch, wie jede Familie fertige Speisen(heute mal Schweinekopfsuelze, haben wir selber gemacht, aus unserem Anteil vom Schwein )mitgebracht, alles wird auf den grossen Tisch am Rande der Maneaba gestellt und erstmal abgedeckt.
Heute sitzten wir wieder mit dem Ruecken zum Meer denn wir sind ja die Gaeste. Mittlerweile haben Norbert und ich unsere eigene Pandanussmatte, ein Geschenk von Ratakia, der Schwiegertochter von Riino und natuerlich wissen wir auch das man sein eigenens Geschirr mitbringen sollte.
Los gehts mit einer kurzen Ansprache von Paeniu, es wird gebetet und dann beginnt der Spass. Die Kleinen eroeffnen den Reigen, sie tanzen und singen in ihren Kostuemen. Was wohl frueher Roecke aus Pandanussblaettern waren, sind heute-modern eben- Roecke aus alten Videobaendern, raschelt auch schoen.
Alle Kantonesen singen lauthals mit und Brandon begleitet sie auf der Gitarre. Fuer den Tanz der aelteren Kinder wird noch Europalette rangeschleppt, das ist die Trommel.
Wir geniessen die vielen verschiedenen Taenze und den Gesang. Jedes Lied erzaehlt eine Geschichte, meist geht es um das taegl. Leben, z.B wie die Fischer aufs Meer hinaus segeln und dann mit reichem Fang wieder zurueck kommen. Oder es erzaehlt von den Urahnen die als erste Kiribati erreichen. Es geht um die Sonne, die Lagune und das Meer mit seinen Bewohnern. Jeder gibt sich ganz grosse Muehe, auch wenn die Sitten sich gelockert haben, wird dem Tanz immer noch grosse Bedeutung beigemessen und das Ansehen einer Familie steigt mit dem Koenner ihrer Taenzer.
Aber wie immer in Kanton kommt auch der Spass nicht zu kurz, patzt mal jemand(merken wir meist gar nicht) wird gelacht und Zwischenbeifall gegeben. Auch wir sparen mit dem Applaus nicht, es ist wirklich toll anzusehen, wie die Maedchen und Jungen sich in den Hueften wiegen und all die komplizierten Handbewegungen koordinieren . Dazu kommt noch der schoene, melodische(fuer mich besonders faszienierend) Gesang. Bevor die erwachsenen Frauen tanzen, zeigen die Jungs noch einen Kriegstanz. Vor lauter Gelaechter wirkt der aber nicht sonderlich furchteinfloessend.
Bei den Frauen gibt es drei Arten von Taenzen, einmal in der Gruppe, wobei alle Bewegungen synchron ablaufen. Dann den Einzeltanz, wobei die Bewegungen eher spaerlich sind und nur ganz gezielt eingesetzt werden. Der dritte Tanz ist den aelteren verheirateten Frauen vorbehalten, er wird sitzend vorgefuehrt, nur Haende und Kopf kommen zum Einsatz. Jede Insel hat zudem noch ihre eigenen Taenze und Lieder und so kriegen wir bei jedem Fest etwas anderes zu sehen.
Nach den Tanzvorfuehrungen sind erstmal alle hungrig und das Bueffet wird gestuermt. Es gibt wieder alle Arten von Fisch, das auf verschiedene Weise zubereitete Schweinefleisch und die ueblichen Beilagen. Es gibt reichlich zu essen, nur Norbert beschwert sich, das er nie etwas von meinem Kuchen abbekommt. Aber ich kann ihm ja an Bord einen backen, wenn ich mal Zeit habe(:
Nach dem Essen kann man relaxen, dazu sollte man sich ruhig lang auf seiner Matte ausstrecken. Witze machen die Runde und Norbert muss sich mal die Beine vertreten. Im Gegensatz zu mir kann es nicht lange im Schneidersitz auf der Matte sitzen. Ich habe damit kein Problem, muss nur immer aufpassen, dass der Lavalava richtig sitzt. Einmal hat Tarome meinen Slip gesehen, als ich den verrutschten Lavalava richten wollte. Sie ist gleich zu Lilly, ihrer Oma gelaufen. Lilly hat mich dann diskret zur Seite genommen und mich darauf hingewiesen, das man in Kiribati niemals seine Unterwaesche zeigt. Ich habe mich entschuldigt und ihr erklaert, das wir das in DL normalerweise auch nicht machen.
Die liebevolle Zurechtweisung von Lilly macht mich froh, sie zeigt mir, das wir wirklich in den Kreis der Dorfgemeinschaft aufgenommen wurden. Gaeste duerfen sich hier naemlich alles erlauben.
Alle haben sich ausgeruht und die Party geht weiter, es werden ein paar Reden geschwungen, immer wieder unterbrochen von schallendem Gelaechter. Die groessten Witzbolde sind Naniseni, seine Frau Bwete tritt ihm immer mal zwischendurch ans Bein und Ioane. Wir nutzen die Gelegenheit und halten auch eine Rede. Kaspar fuer seine Familie in English und ich meine fuer uns in Kiribati. Lilly hat mir geholfen sie in der Landessprache zu schreiben und ich trage sie nun vor. Den Kindern bleibt fast die Spucke weg, sollte ich etwa Kiribati koennen? Nee keine Angst ich habe nur alles in unserer Ausprache aufgeschrieben und auswendig gelernt. Donnernder Applaus ist mein Lohn, doch dann verliere ich wieder ein paar Punkte, als ich „Stille Nacht, heilige Nacht“ auf englisch singe. Ich kann eben ueberhaupt nicht singen und sogar Norbert hat grossen Mitleid mit mir, haette er mal lieber mitgesungen. Auch Kaspar und Steffi machen nicht mit und so zieht sich mein Gejaule peinlich hin.
Egal, dafuer kommen dann unsere Weihnachtspakete umso besser an.
Und dann beginnt die Disco, wir haben das Benzin fuer den Generator geliefert und Paeniu schmeisst den CD-Player an. Moderne Kiribatihit’s schallen durch den Raum und es haelt keinen mehr auf der Matte. Das ganze Dorf tanzt, jeder kann jeden auffordern und keiner kann nein sagen. Zum Auffordern verbeugt man sich vor dem gewuenschten Tanzpartner, der schraubt sich dann je nach Alter schneller oder langsamer von der Matte und los geht’s. Norbert hat noch nie zuvor in seinem Leben soviel getanzt, jede Runde muss er mitmachen. Es macht riesigen Spass.
Das Fest klingt mit einer ordentlichen Zockerrunde aus. Lilly, Bwete, Ioane und ich spielen Canasta. Ioane hat es mir beigebracht und ist nun dazu verdonnern als mein Partner zu spielen. Am Anfang haben wir immer verloren, aber ich lerne dazu und nun gewinnen wir -manchmal-
Norbert stoebert derweil mit den Kindern zusammen im alten Warehouse rum, er baut die Lichtmaschine aus einem alten Toyota Pickup aus. Denn er hat da so ein Projekt fuer einen Windgenerator fuer Kanton im Kopf.
Als die Sonne untergeht machen wir uns gemeinsam mit Kaspar und Steffi auf den Weg zum Warf. Die ganzen drei Kilometer lang lassen wir dieses ungewoehnliche Weihnachtsfest Revue passieren. Wir sind sind uns einig, so schoen war Weihnachten noch nie.
Gemeinsam mit unseren Kiribatifreunden verbringen wir auch das Neujahrsfest, Ostern und die Schuljahrsabschlussparty. Es gibt immer jede Menge Spass und Norbert wird wohl nie wieder soviel tanzen wie auf Kanton.
Antje an Bord der “ANTJE” in Bundaberg, Queensland, Australien