Amanu
Amanu, Tuamotus, Franzoesisch Polynesien - Juni 2007
“Antje” liegt ruhig vor Anker, strahlender Sonnenschein und nur ein leichter Wind aus Suedost.
Das sah 300 Meilen weiter suedlich, in Gambier noch ganz anders aus.
Bei der Abfahrt aus Gambier wurden wir durchgeschaukelt. Schwell, der um die Gambier Gruppe herumlief traf sich noerdlich, genau da wo wir segeln wollten.
Auch Simon und Julia, die wir in Rikitea kennengelernt haben, waren erstaunt wie ihr Boot auf den Kreuzseen tanzte.
4 Tage spaeter liegt Amanu im Morgengrauen scheinbar nur Zentimeter ueber dem Meeresspiegel vor uns.
Erst als wir naeher kommen loesen sich einige Palmen aus der flachen gruenen Linie. Noch naeher und es sind kleine weisse
Straende zu sehen. Auch der Pass zeigt sich etwas unheimlich, da dass Wasser auslaeuft und Stromwellen am Passausgang bildet.
Wir warten bis 9 Uhr, dann ist Niedrigwasser und es gibt einige wenige Augenblicke ohne Stroemung. Wir gleiten langsam in die Lagune.
Nur eine vage Oberflaechenstroemung zeigt, dass der Pass rechts abbiegt. Wir folgen der Spur und sind sicher in der Lagune. Entspannung.
Am Ufer laufen aufgeregt einige Kinder, aber wir wollen auf den Ankerplatz der 6 Meilen weiter im Sueden liegt und der bei den derzeitigen SO Windenbesser geschuetz ist.
Glasklares Wasser, Sandpatches zwischen den Korallen mit ihren unzaehligen Bewohnern und die “Monja” heissen uns willkommen.
Der Anker faellt in drei Meter tuerkises Wasser und wir gleich hinterher.
In den naechsten Tage erkunden wir alle kleinen Motus die in Reichweite liegen.
Korallengaerten liegen verlockend im glasklaren Wasser und
wir koennen der Versuchung nicht wiederstehen und erkunden immer neue Plaetze. Alles scheint, obwohl es eine verlassene Perlfarm gibt,
vollkommen unberuehrt.
Endlos erstreckt sich das Aussenriff bei Niedrigwasser. In den Wassergraeben der felsigen flachen Abschnitte patrolieren Schwarzspitzenriffhaie.
Das Ende des Atolls laesst sich nur durch einige hochgespiegelte Palmen erahnen, deren Koepfe in der Hitze flimmern.
Unmoeglich alle Motus zu erkunden!
Kleine Paesse, die es laut Karte geben muss, versprechen gesunde Korallen und Fischreichtum. Weit weg vom Dorf, vielleicht war noch nie jemand dort?
Wir pendeln zwischen dem aufregenden Aussenriff mit der endlosen Brandung und der ruhigen Lagune.
Phantasie und Realitaet verschwimmen. Wir suchen Strandgut. Kleine Muscheln, Holzstuecke von den Wellen glattgeschliffen, natuerlich wie ueberall Plastik.
Wir fuehlen uns vollkommen frei in dieser Weite. Zeit und Zivilisation scheint es nicht mehr zu geben. Zum ersten Mal seit wir unterwegs sind,
befinden wir uns auf einem Ring-Riff. So haben wir uns die Suedsee immer vorgestellt.
Amanu ist ca 11 Meilen lang und 6 Meilen breit. Frueher hat es hier etwas militaerische Aktivitaet gegeben, da Hao, die Nachbarinsel, ein franzoesischer Militaerstuetzpunkt war.
In der Lagune gibt es viel Fisch, allerdings sind wir etwas aengstlich wegen der Ciquatera- Vergiftungs- Gefahr. Aber hier, weit weg von allem,
sind wir wieder Kinder und alte Instinkte, besonders bei mir und Herwig, sorgen dafuer, dass wir schon bald auf die Jagt gehen.
Aber nachdem ich mich mit vier Schwarzspitzenriffhaien, erfolglos, um einen Fisch gestritten habe, gibt es aber erst mal wieder Eingewecktes.
Leider hat die Restaurant-Industrie von Tahiti dafuer gesorgt, das nun auch auf den Atollen Fisch in Fischfallen gefangen wird.
So eine Fischfalle ist sehr effektiv und es ist leicht, den Fischbestand, wie schon in Tahiti geschehen, auszurotten.
Die sorglose Zeit ist bald vorbei, denn ein Tiefdruckgebiet bringt Nordwestwind und wir liegen in der Lagune auf der falschen Seite.
Das Paradies gibt es ploetzlich nicht mehr. Die Ankerkette hat sich um eine Koralle gelegt, in den Wellen bockt das Schiff und nur 20 Meter hinter uns ist das sichere Aus fuer unsere Reise in Form von Korallen. Der Spuk dauert 3 Tage und ich beschliesse, dass darf nicht noch einmal passieren. Wir werden den Wetterbericht beim naechsten Mal ernst nehmen und den Ankerplatz rechtzeitig wechseln.
Nach 2 Wochen verlassen wir Amanu, da wir ein neues aufregendes Ziel haben: Tahanea.
Norbert an Bord der “ANTJE” in Bundaberg, Queensland, Australien.