9.7.Brasilien
Ilha dos Lencois, hier finden wir wieder “unser” Brasilien
Am naechsten Morgen, koennen wir am Horizont eine riesige Sandduene erkennen, die Ilha dos Lencois liegt vor uns. In der Nacht haben wir noch einen Schlag hinaus aufs Meer gemacht, denn wir wollen nicht im Dunkeln ankommen. Micha war etwas mutiger und liegt nun schon vor Anker. Mit Hilfe von C-Map und der Karte von Sergio, tasten wir uns in die Einfahrt und dann sind wir ueberwaeltigt. Genau vor unserem Ankerplatz erstreckt sich ein weisses Gebirge aus Sand. Die Sonne strahlt auf die Duene und man kann ohne Sonnenbrille garnicht hinsehen. Wir liegen sicher wie auf dem Ententeich, um uns herum viele Fischerkanus mit bunten Segeln. Das ist wieder eine ganz andere Welt. Die Fischer gruessen freundlich, kommen laengseits, fragen ob wir Garnelen haben moechten, freuen sich ueber das angebotene Getraenk und die Kekse und wir ahnen schon, hier werden wir so schnell nicht loskommen.
Und so ist es auch, die ersten 3 Tagen liegen wir mit der “Tanoa” auf diesem herrlichen Platz, essen jeden Abend gemeinsam Garnelen, dann segeln Micha und Sylvia ab in Richtung Franz. Guayana und wir sind ganz allein. Norbert und ich erkunden die Umgebung, gehen ins Dorf, wo wir von allen Seiten freundlich begruesst und bestaunt werden. Das Dorf besteht aus ca. 60 Haeusern, die komplett aus Palmwedeln gebaut sind. 400 Menschen leben hier, die meisten vom Garnelenfischen. Es gibt eine Schule und einen Gesundheitsposten, der einmal die Woche von einer Krankenschwester aus der naechst groesseren Stadt, betreut wird. Man schlaeft in der Haengematte, die am Tag ordentlich zur Seite gebunden wird. Die Fenster sind offen, d.h. der Vorhang aus geflochtenen Palmblaettern wird nach oben gerollt, so hat man freien Blick auf die Dorfstrasse und verpasst nichts. Es gibt eine kleinen Laden, indem man das Notwendigste und seltsamerweise Sylvesterraketen kaufen kann. Ein Generator versorgt den Ort von 18 bis 21 Uhr mit Energie fuer die Beleuchtung, danach ist Feierabend, Schlafenszeit. Wir erfahren wie das mit der Muellentsorgung geht. Also man bringt seinen Muell an die dafuer vorgesehene Stelle und zuendet ihn an. Aber fuer uns macht man auch eine Ausnahme, wir brauchen unseren Sack nur hinstellen, anzuenden tut ihn jemand anderes. Auch Wasser gibt es in diesem Wuestendorf, man hat ueberall im Ort Brunnen gegraben, in denen sich das Grundwasser sammelt. Das sei aber nur zum Waschen, das Trinkwasserloch ist in der Duene, werden wir informiert. Spaeter finden wir es dann auch, mit einem Eimer kann man sich hier Trinkwasser holen, es schmeckt zwar etwas sandig, aber krank werden wir davon nicht. Es ist schon toll was man alles aus Sand rausholen kann. Fuer die Menschen aber, ist es sehr muehsam, muessen sie doch alles Trinkwasser in Eimern zum Haus schleppen.
Wir erfahren, das es im Dorf, auf der gegenueberliegenden Insel, einmal die Woche frisches Obst und Gemuese zu kaufen gibt und wenn man Glueck hat, auch mal ein Huhn.
Norbert und ich bleiben fast 3 Wochen an diesem herrlichen Ort, wir unternehmen eine Duenenwanderung, die uns wirklich an einen Wuestentrip erinnert, dummerweise haben wir unsere Sonnenbrillen vergessen, so sind wir dann richtig froh, als wir ueber den Berg sind und wieder das Meer vor uns haben. Wir begegnen keinem Menschen, das ist richtig ungewoehnlich fuer Brasilien, es ist als waeren wir allein auf der Insel.
Mit dem Dinghy erkunden wir die Fluesse, die alle Inseln und Inselchen miteinander verbinden. Wieviele Insel es hier gibt, bekommen wir nicht raus, wahrscheinlich weiss es keiner so genau, aber auf allen gibt es unzaehlige Ibisse, die leuchtendrot im Schlamm stehen und die Krabben rauspicken, die ihnen die rote Farbe verleihen. Sie sind sehr scheu, wenn wir uns naehern um ein Foto zu machen, fliegen sie davon.
Wir wandern stundenlang am Strand entlang und sammeln Muscheln und jeden Abend fahren wir zum Sonnenuntergang auf unsere Duene, sitzten im warmen Sand und geniessen den Ausblick. Meistens kann Norbert es nicht lassen, er rollt sich die Duene runter, direkt ins Wasser. Das muss auch sein, denn ueberall ist Sand, Sand, Sand.
Taeglich bekommen wir Besuch von den Fischern und wir koennen uns an Garnelen satt essen. Da wir nur noch wenig bras. Geld haben und dafuer vor der Abfahrt Obst und Gemuese kaufen wollen, tauschen wir alles moegliche gegen Garnelen. So finden unsere Cockpitpolster hier genauso einen dankbaren Abnehmer, wie etliche Hemden und T-Shirts. Langaermlige Hemden stehen hoch im Kurs, denn die Fischer muessen sich vor der Sonne schuetzten, sind sie doch den ganzen Tag auf dem Meer unterwegs. Am Strand, wo Jorge den Fang aufkauft, die Garnelen auf Eis legt und in die naechste Stadt transportiert, kommen wir ins Gespraech. Ein Fischer verdient ca. 300 Reais im Monat (ca.100 Euro), davon muss er meist eine mehrkoepfige Familie ernaehren. Aber das scheint ganz gut zu gehen, denn die Menschen sind zufrieden mit ihrem Leben, hier im Einklang mit der Natur. Gegessen wird vorallem Fisch, Reis und Bohnen. Als Jorge erfaehrt das ich Krankenschwester bin, meint er wir sollten doch hier bleiben. Die alte Krankenschwester aus der Stadt tauge sowieso nichts, ich solle mal den Gesundheitsposten uebernehmen. Wir koennten dort auch wohnen und die Dorfbevoelkerung wuerde schon dafuer sorgen, das wir immer genug zu essen haetten. Ja und Norbert koennte ja Fischer werden, das machen hier alle. Alles sei ueberhaupt kein Problem. Das hoert sich verlockend an, aber erstmal wollen wir dann doch weiter segeln und noch etwas von der Welt sehen. Aber wer weiss, vielleicht auf dem Rueckweg???
Als fuer zwei Tage der Wind kraeftig auffrischt und uns die halbe Duene auf das Boot weht, ist Betrieb in der Bucht. Einige grosse Fischerboot suchen hinter der Duene Schutz, draussen in den Flachs ist es jetzt zu rauh zum Fischen. Die Mannschaft hat frei und so kommen 3 Fischer zu uns ruebergeschwommen. Wir unterhalten uns, sie kommen aus Sao Luis und sind 15 Tage auf See, um an der Kueste zu fischen. 8 Mann seien auf dem Boot und die Arbeit sei hart, aber der Lohn gut. Als wir ihnen Wasser aus dem Wassermacher anbieten, greifen sie gern zu, koennen es aber nicht fassen, das wir dieses aus dem Flusswasser gewonnen haben. Sie fragen immer wieder nach, das Wasser schmeckt doch suess, und das Flusswasser sei salzig. Was es alles gibt!
Spaeter entern sie ein Kanu und kommen, diesmal ordentlich angezogen zu Besuch. Und sie bringen uns zwei grosse Makrelen, als Gastgeschenk. Wir sitzen den ganzen Abend ueber zusammen und haben jede Menge Spass, der sich auch aus Verstaendigungsschwierigkeiten ergibt. Der Kapitaen legt seinen Fischerkahn genau neben uns, um auch an der Party teilzunehmen. Er bekommt von Norbert eine Schiffsfuehrung und ist sehr an den techn. Details interessiert. Es ist ein schoener Abend, hier finden wir wieder die freundlichen, aufgeschlossenen Leute, wie wir sie aus Bahia gewohnt sind.
Tja und dann machen wir uns bereit auszulaufen, denn der Mond nimmt zu und wird uns nachts den Weg zeigen und das Wetter passt und ueberhaupt, wir sind doch schon 8 Monate in Brasilien. Aber vorher gilt es noch eine Huerde zu nehmen. Wir wollen fuer unsere letzten 30 Reais Obst und Gemuese fuer die Reise kaufen. Ein Besuch im Laden zeigt uns jedoch, das der Versorgungsdampfer schon laengere Zeit nicht da war. Nur einige vergammelte Zwiebeln sind zu haben. Wir fragen nach, wann es wieder frische Sachen gibt und wir werden auf morgen oder uebermorgen vertroestet. Nach zwei weiteren, vergeblichen Einkaufsversuchen, weiss das ganze Dorf, das wir Obst und Gemuese kaufen wollen. Und als dann das Versorgungsschiff mit der frischen Lieferung an unseren Boot vorbeifaehrt, rufen alle von Bord “Fruta, Fruta, fresca, fresca” und machen uns so klar, das wir jetzt zum Einkaufen kommen koennen. Als wir im Laden ankommen, ist die Freude auf beiden Seiten gross, der Ladenbesitzer hat endlich was zu verkaufen und wir unsere Fruechte. So werden wir dann auch bevorzugt bedient und duerfen uns direkt aus den Saecken bedienen. Ich sage vorher an, wieviel Geld wir noch haben, aber das soll erstmal nicht das Problem sein. Als es ans Bezahlen geht, fehlen 3 Reais, ich will etwas zuruecklegen, werde aber gedraengt alles einzupacken. Die fehlenden 3 Reais werden uns grosszuegig erlassen, man ist doch unter Freunden. Ja, das ist sicherlich in einem europaeischen Geschaeft nicht mehr moeglich. Fast das ganze Dorf verabschiedet uns mit viele guten Wuenschen fuer die Reise, vielleicht sieht man sich ja mal wieder.
Am naechsten Tag geht der Anker hoch, er wird fuer die naechste Zeit nicht mehr in brasilianischem Boden liegen, denn jetzt verlassen wir unser geliebtes Brasilien entgueltig. Aber wir kommen zurueck, da sind wir uns ganz sicher. Wir haben in den 8 Monaten hier soviel erlebt, viele liebe Menschen getroffen und Freunde gefunden. Brasilien hat unsere Erwartungen uebertroffen, das Lebensgefuehl der Menschen, die Gastfreundschaft,die Landschaft, das Klima.
Brasil, Ate` logo, wir kommen wieder!!!