9.5. Brasilien
Geschichten aus Brasilien
Weiter gehts nach Norden, wir segeln nach Cabadelo
Am Samstag loesen wir uns von der Mooring und segeln hinaus aus der Bahia de Todos os Santos. Draussen erwartet uns nur leichter Wind aus NO, genau aus der Richtung in die wir wollen, und so sehen wir noch den ganzen Tag die Skyline von Salvador und koennen unseren Abschiedsschmerz so richtig auskosten.
Wir brauchen 6 Tage und 5 Naechte fuer die 500sm nach Cabadelo. Die Ueberfahrt ist durchwachsen, erst haben wir wenig Wind aus der falschen Richtung, wir muessen kreuzen, aber das Wetter ist schoen, dann ein halber Tag wunderbarer Halbwindkurs, dann wieder Rueckenwind mit der ueblichen Wackelei und die letzten 20 Stunden Sturm und Regen, so dass man die Hand vor Augen nicht mehr sehen kann, geschweige denn die Frachter. Trotz intensivem Ausguck, kommt ploetzlich in der letzten Nacht ein Containerschiff von hinten aus dem Regen und passiert uns in geringem Abstand. Wir reden uns ein, das er uns gesehen hat, aber einen Schreck bekommen wir trotzdem. Gluecklicherweise hat Norbi noch in Salvador, die Fernbedienung fuer unseren Autopiloten installiert, sodass wir bequem vom Cockpit aus den Kurs aendern koennen und nicht bei Wind und Wetter nach hinten zur Aries turnen muessen.
Irgendwie finden wir beide die Langstreckentoerns nicht so toll, es ist fuer uns immer sehr anstrengend. Wir muessen uns wohl damit abfinden, das diese Strecken gesegelt werden muessen, ohne das wir besonderen Spass daran finden koennen. Wir hatten gehofft uns irgendwann mal daran zu gewoehnen und die langen Touren auch zu geniessen. Aber es sieht nicht so aus. Es ist einfach nur anstrengend. An dieser Stelle Einspruch von Norbert. Natürlich ist es sehr anstrengend aber wir geniessen auch die Momente in denen das Boot seine Bahn durch den tiefblauen Atlantik zieht und mit etwas Glueck von Delphinen begleitet wird.
Wir wieder ausreichend Fisch auf der Ueberfahrt, Norbert faengt einen Gelbflossenthunfisch und eine kleine Golddorade. Am besten schmeckt uns der Fisch mittlerweile roh, nur mariniert mit Knobi, Zwiebeln und Limettensaft. Lecker, lecker!!!
Hier in Jacare liegen wir wie auf dem Ententeich vor Anker und muessen erstmal wieder alles trocknen und aufraeumen. Es gibt immer viel zu tun, vor der Abfahrt und nach der Ankunft.
Wir erkunden unsere neue Heimat fuer die naechsten 2 Monate, denn von hier aus fliege ich nach Deutschland und Norbert bleibt auf dem Boot. Eine Arbeitsliste hat er schon. Zum Strand sind es nur 10min zu Fuss ueber die Duenen und genau am Ankerplatz gibt es viele Strandrestaurants mit Livemusik. Leider keine Samba mehr hier oben im Norden, sondern so eine Art Volksmusik, Forro genannt. Mir gefaellst, aber Norbert vermisst die Samba. Abends, zum Sonnenuntergang, wird der Bolero gespielt, und die Gaeste der Strandrestaurants klatschen, wenn die Sonne hinter dem Fluss versinkt. Es ist schon eine schoene Atmosphaere hier, ganz anders zwar als in Salvador, viel ruhiger und ordentlicher. Die Menschen sind auch freundlich, aber zurueckhaltender.
Wir lernen Siggi und Klaus von der ” Contessa” kennen und gelangen so auf den Kuechentrip. Siggi hat tolle Kochbuecher und so erfahren wir wie man Leberwurst macht, Sauerkraut herstellt und wie einfach es ist selbst Quark zu machen. Diese Tips werten unseren Speiseplan so richtig auf, auch wenn natuerlich nicht alles auf Anhieb klappt. So sieht unsere Leberwurst nicht so aus, wie wir sie kennen, sondern eher wie Hundesch…. Aber sie schmeckt, nur leider koennen wir nur 2 Glaeser aufessen, denn irgendwie hat es mit dem Einkochen nicht geklappt und nach einer Woche sind alle Glaeser wieder auf und stinken erbaermlich. Das Sauerkraut zu fermentieren gelingt gut, aber ich habe zuviel Salz genommen und wir koennen es nur in Verbindung mit Kartoffeln zu uns nehmen. So lernt man nie aus, aber wir ueben weiter.
Einige Tage sind wir mit Eberhard mit dem Auto unterwegs. Eberhard ist Schwabe, lebt aber seid Jahren in Daenemark und ist hier im Urlaub. Und da er vor 10 Jahren auch mal mit dem Segelboot in Jacare geankert hat, weiss er wie schwierig es manchmal ist ohne Auto und so hat er sich gedacht, das er mal zum Ankerplatz faehrt und vielleicht einem Segler mit seinem Auto was Gutes tun kann. Das ist natuerlich ganz toll fuer uns, wir machen einige Ausfluege in die Umgebung, fahren einkaufen und Eberhard und Norbert segeln sogar auf einem Jangada. Eigentlich nimmt Robinson (so heisst der Fischer wirklich) keine Touristen mit, aber als er hoert, das wir mit dem Segelboot von Deutschland aus hierher gesegelt sind, duerfen die beiden mitfahren. Der Spass hat aber kurz darauf ein Ende, da Norbert den Grossbaum zerbricht, weil er nicht versteht, was Robinson ihm zuruft, naemlich er soll loslassen. Aber das ist nicht wirklich schlimm, Robinson besorgt sich einen neuen Holzstamm, den wir ihm natuerlich bezahlen.
Eberhard faehrt mit uns nach Itamaraca, das ist 2 Autostunden von hier. Dort gibt es ein Projekt der IBAMA, die Seekuehe einsammeln und aufziehen, um sie dann wieder in die Freiheit zu lassen. Aehnlich wie die Robbenaufzucht in der Nordsee. Es gibt nur noch 500 Seekuehe in Brasilien und es ist wirklich aufregend diese riesigen, gutmuetigen Tiere aus der Naehe zu sehen.
Rudi von der “Pelikan” organisiert eine Grillparty mit allen Yachten die hier vor Anker liegen. Das ist mal wieder international, es sind Yachten aus Irland, Suedafrika, Belgien, den USA, England, Niederlande, und natuerlich Deutschland dabei.
Ja und nun zaehle ich die Tage bis zu meinem Heimaturlaub, bis Mitte August bin ich in Deutschland. Danach wollen Norbert uns dann wieder auf den Weg machen und nach Sao Luis segeln und dort das Ende der Hurrikansaison in der Karibik abwarten, bevor wir nach Trinidad segeln.
Wir wollen weiter ueber unsere Reise berichten, ich werde mich auch bemuehen die Abstaende zwischen dem einzelnen Reiseberichten etwas kuerzer zu halten. Obwohl das schwer ist, wir erleben soviele schoene Dinge, das manchmal die Zeit, diese aufzuschreiben, knapp ist. Jetzt hoffen wir erstmal, das euch unsere Geschichten aus Brasilien gefallen haben und wir euch vermitteln konnten, wie sehr uns dieses tolle Land und seine Menschem faszinieren. Wir wuerden uns ueber ein paar mehr Eintraege in unser Gaestebuch sehr freuen, denn damit steigt natuerlich unsere Motivation zu schreiben.