maris-navigaris

1.5.2005

9.4. Brasilien

Abgelegt unter: 009.4 Brasilien — admin @ 10:22

Geschichten aus Brasilien

Wieder zuhause, in Salvador


Wir segeln in genau 60 Stunden die 300sm nach Salvador. Da wir auf der gesamten Strecke Starkwind aus suedoestlichen Richtungen haben, brauchen wir an den Segeln nichts machen. Die Fock und das 3mal gereffte Grosssegel stehen die ganze Zeit. Nachts haben wir viele Squalls( die bloeden Wolken mit Winddrehungen um 90° und Regen), aber da unsere Aries steuert, brauchen wir auch den Kurs nicht aendern. Das ist auch ganz gut so, denn der Seegang ist unmoeglich, Riesenwellen aus Suedost und alter Schwell aus Nordost. Es ist ziemlich anstrengend, zumal wir beide krank sind. Norbert hat noch Restschnupfen und bei mir ist eine Bronchitis im vollen Gange. Aber wir haben trotzdem ein Highlight, und zwar eine 30kg schwere Golddorade. Wir muessen das Vorsegel bergen, um sie anlanden zu koennen. Nach einer Stunde Kampf, haben wir den Fisch dann soweit an Bord, das ich ihn mit dem Gaff ranholen kann. Ploetzlich dreht das Biest sich, und ich halte nur noch den Griff vom Gaff in der Hand und der Fisch schwimmt mit dem Hacken im Bauch davon. Aber da er auch noch an der Angel haengt, koennen wir ihn wieder ans Boot ziehen. Das an Bord hieven sieht dann folgendermassen aus. Auf der Badeplattform, wo die beiden Aussenborder fuers Dinghi befestigt sind, stehen Norbi und ich nackig und halten diesen Riesenfisch, der immer noch zappelt, im Arm. Fehlt nur noch ein kalter Fischkuss. Ich muss mich dann aus dieser glitschigen Umarmung winden, ins Cockpit klettern und dann koennen wir den Fisch endlich ins Cockpit hieven. Da zappelt er dann auch nochmal richtig, aber wir haben ihn sicher an Bord. Tja, so ist die Futterversorgung erstmal wieder gesichert.

Und dann sind wir wieder zuhause, an unser Stammmooring in Salvador, wir fallen in die Kojen und hoeren nicht als uns die “Tanoa” ueber UKW ruft, wir wollten uns doch fuer die naechtlichen Ankerplatzzuweisungen von Micha revanchieren und ihnen eine freie Mooring zeigen. Aber sie finden sie natuerlich auch allein und am naechsten Tag, nachdem sich alle ausgeruht haben, essen wir gemeinsam unseren lecker Fang. Sogar Beate, die eigentlich keinen Fisch mag, schlaegt ordentlich zu. Wir schenken Rolf und Jacinta ein paar Filets, die beiden freuen sich, das wir wieder da sind. Ausserdem gibt es lecker Raeucherfisch und ich koche noch 2 Glaeser ein, die aber leider spaeter aufgehen und ihre letzte Ruhe im Meer finden.
Wir geniessen nochmal Salvador, gehen tanzen, ziehen mit Micha, Silvia und Beate durch die Altstadt. Sie laden uns in ihr Lieblingsrestaurant ” Mama Bahia” ein, wir lassen uns ein Riesensteak schmecken, das wir diemal nicht selber kaufen und grillen mussten, auch mal sehr nett.
Gemeinsam segeln wir nach Tororo und schaffen es diemal wirklich, unser Unterwasserschiff mit neuem Antifouling zu versehen. Auch Micha und Sylvia arbeiten fleissig an ihrem Schiff und als Ueberraschung gibt es abends sogar wieder eine Filetmignongrillparty. “Tanoa” muss am naechsten Tag nochmal trockenfallen, sie haben ja zwei Ruempfe zu streichen, aber dann gehts zurueck nach Salvador.
Hier ruesten Norbert und ich dann endgueltig zum Aufbruch, wir wollen weiter nach Norden. Das Ausklarieren geht wieder problemlos vonstatten und als ich mich im Hafenbuero abmelde, werde ich mit Kuesschen verabschiedet. Der Abschied faellt uns sehr schwer, “Tanoa” treffen wir in Cabadelo wieder, dorthin kommen Sylvia und Micha, nachdem sie mit Beate Rio besucht haben und Beate auf dem Heimflug ist. Aber von vielen Freunden muessen wir uns wahrscheinlich fuer immer verabschieden und das faellt uns natuerlich wieder sehr schwer. Vorher spendiert uns Micha noch seine Ersatztoilettenpumpe, denn unsere hat nach vielen Reparaturen nun wirklich den Geist aufgegeben. Gluecklicherweise hat Micha das gleiche Klo und eine Ersatztpumpe an Bord. Ich hab uns schon auf dem Eimer sitzten sehen, bis ich aus Deutschland eine neue Pumpe mitbringen kann.

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