maris-navigaris

1.5.2005

9.3. Brasilien

Abgelegt unter: 009.3 Brasilien — admin @ 10:20

Geschichten aus Brasilien

Wir segeln nach Camamu und zu den Abrolhos


Norbert und ich machen die “Antje” segelklar, wir wollen die Bahia verlassen und 60sm weiter nach Camamu segeln. Wir starten frueh am Morgen und kommen auch gut voran, obwohl wir zwei Kreuzschlaege machen muessen. Trotzdem ist es dunkel, als wir die Einfahrt der Bahia de Camamu erreichen. Aber die “Tanoa” ist noch im Hellen eingelaufen und Micha macht uns ueber UKW Mut, alle Wegpunkte waren richtig und wir koennen die Einfahrt wagen. Da es auch noch regnet, ist die Sicht sehr schlecht und wir tasten uns wirklich nur anhand der Wegpunkte im GPS in die Bucht. Micha zeigt uns im Scheinwerferlicht den Ankerplatz und um 21 Uhr liegen wir sicher vor Anker.
Am naechsten Tag regnet es und wir machen garnichts, ausser Kartenspielen auf der “Tanoa”. Wir beschliessen morgen mit den Dinghis nach Camamu zum Markt zu fahren, um ordentlich Fleisch fuer eine Grillparty zu besorgen. Bei strahlendem Sonnenschein starten wir frueh und rasen quer ueber die Bucht, 15sm in die Stadt. Wir kennen den Weg nicht und auch die Seekarte ist nicht sehr aufschlussreich, aber es sind viele Boote unterwegs zum Markt, wir brauchen ihnen nur hinterher fahren. In Camamu angekommen, zieht es uns gleich zum Fleischstand. Das Filet Mignon haengt einfach so in der Sonne, aber da es sehr frisch aussieht und auch so riecht, beschliessen wir es zu wagen. Zum Beweis der Frische liegt neben dem Stand, der Kopf des Ochsen, ein Stueck Fell ist abgezogen, sodass man das Blut sehen kann, ein Zeichen das er erst heute nacht sein Leben lassen musste. Ein Kilo Filet kostet 9 Real (2,70 Euro) und so nehmen wir gleich den ganzen Strang, das sind 1,9 kg. Trotzdem haben Norbert und Beate Sorge, das es nicht reichen koennte fuer 5 Leute und so kaufen wir auch noch alle Zutaten fuer Salat und andere Leckereien.
Wir schlendern durch die Stadt,gehen Bier trinken und dann gehts zurueck zu den Booten. Die Rueckfahrt ist nicht so toll, da die Welle jetzt von vorn kommt und uns ordentlich durchschuettelt. Und wir haben Niedrigwasser, so kommen wir nicht mehr auf dem gleichen Weg zurueck, sondern muessen unterwegs aussteigen und das Dinghi ueber die Sandbank tragen. Wieder zurueck an Bord, laufen die Vorbereitungen fuer das abendliche Grillen auf Hochtouren. Und es wird auch richtig lecker, Grillmeister Micha gibt sein bestes und auch die Salate sind super. Und es reicht natuerlich auch, obwohl wir alle kraeftig zu schlagen. Am besten scheint es Beate zu schmecken, die sonst eher nicht so fuer das Einkaufen an Strassenstaenden zu haben ist.
Zwei Tage spaeter kommt die “Just do it” nach Camamu und wir fahren gemeinsam mit der “Tanoa” die wahnsinnige Strecke von 1sm zum naechsten Ankerplatz, der erweisst sich als nicht so toll, wir liegen mitten in den Mangroven und werden abends von Moskitos aufgefressen. Beim abendlichen Kartenspiel auf “Tanoa” kratzten wir uns alle wie die Affen und so segeln wir dann am naechsten Tag weiter den Fluss hinauf. Vom neuen Ankerplatz aus sind es nur 30min zu Fuss zum Meer. Beate mault zwar, das sei kein “Track” wie im Segelfuehrer beschrieben, sondern “Dreck”, denn wir muessen uns durch den Mangrovensumpf kaempfen, aber das Schwimmen im Meer entschaedigt uns. Norbert versucht nach Langusten zu tauchen, aber der Wirt der Strandkneipe meint, so wird das nichts. Man muss bei Ebbe kommen, dann liegt das Riff frei und man braucht die Langusten nur absammeln. Leider haben wir momentan mitten in der Nacht Ebbe und so muessen Micha und Norbert doch mit dem Dinghi nach Marau fahren, um ein Huhn zum Abendessen zu besorgen. Wir grillen wieder bei “Tanoa”, dort ist es am gemuetlichsten, weil auf dem Katamaran am meisten Platz ist. Mit 7 Leuten wuerde es auf unseren Einruempfern richtig eng werden.

Schon ist wieder eine Woche rum und der naechste Markttag, diesmal in Marau lockt uns weiter. Hier bekommen wir leider kein Filet und muessen uns mit Alcatra begnuegen. Aber mittlerweile sind wir richtige Fleischexperten und so machen wir neben Hackepeter, auch noch einen Schmorbraten fuer alle. Nach dem Einkaufen auf dem Markt gehen unsere drei Schiffe Ankerauf und wir fahren den Fluss weiter hinauf zum Wasserfall Tremembe. Anke und Martin waren schon vorher hier und haben die Strecke ausgelotet, denn sie wollen jetzt mit ihrem Segelboot direkt an den Wasserfall fahren, um ein paar tolle Fotos zu schiessen. Wir anderen trauen uns nicht und ankern im Fluss. Nach der Fotosessio wird erstmal ausgiebig geduscht und die naechste grosse Waesche geplant. Zurueck an Bord bekommen wir alle Besuch von einheimischen Kindern. Sie fahren mit ihrem Einbaum zu jedem Boot und bekommen von allen etwas geschenkt. Aber sie sind nicht zu bewegen an Bord zu kommen und sagen auch nicht viel. Muehsam ziehen wir ihnen die Namen und das Alter aus der Nase. Sie begnuegen sich damit, im Einbaum zu sitzen, sich am Boot festzuhalten und uns anzugucken. Nachdem wir lange versucht haben sie in ein Gespraech zu verwickeln, geben wir auf und gehen unseren Taetigkeiten nach, Vorbereitung der Fleischvertilgung. Als wir dann am Abend alle auf “Tanoa” grillen, es ist schon dunkel, sitzen die Jungs immer noch im Einbaum und fahren auch nachdem sie etwas zu essen bekommen haben, nicht los. Sieht so aus als wollten sie hier uebernachten.
Am naechsten Tag gibt es nach dem Wasserfallbesuch und der Dusche mal richtiges deutsches Sonntagsessen. Schmorbraten mit Rotkohl und Salzkartoffeln. Lecker, aber mittlerweile hat die Erkaeltung, mit der Micha angefangen hat, auch Beate und Norbert im Griff und sie haben keinen grossen Appetit. Alle schnieffen und husten und die Taschentuecher werden knapp. Nach dem Essen gehen wir Ankerauf und fahren zurueck nach Camamu.

Da der Wetterbericht auch fuer die naechsten 3 Tage Nordostwind verspricht, wollen wir morgen frueh zu den Abrolhos segeln. Diese 5 Inseln liegen 50sm vor der Kueste und sind 250sm von Camamu entfernt. Die Abrolhos stehen unter Naturschutz und man darf nur auf einer Insel, mit einem Guide, an Land gehen. Von Juni bis September kommen Wale aus der Antarktis hierher um ihre Jungen zu gebaeren und aufzuziehen. Wir sind zwar etwas frueh dran, wollen uns aber trotzdem die vielgeruehmete Unterwasserwelt nicht entgehen lassen. Wir brauchen 3 Tage und zwei Naechte fuer die Strecke, das Wetter hatte von Flaute bis Starkwind wieder alles fuer uns dabei. Es ist dunkel als wir ankommen, und da der Wind stark aufgefrischt hat, ist die Ansteuerung der Hauptinsel Santa Barbara ganz schoen aufregend. Aber “Tanoa” leuchtet uns wieder den Weg und wir lassen den Anker in der Suedbucht der Insel fallen. Der Wind blaest kraeftig ueber die kahlen Felsen und wir fuehlen uns wie auf den Kapverden. In der Nacht kommt dann auch die “Just do it” an und so ist unser Trio wieder komplett.
Am naechsten Tag machen Norbert, Micha, Beate und ich einen Schnorchelausflug und versuchen durch das truebe Wasser, etwas zu sehen. Es gibt viele Fische, die auch sehr zutraulich sind und dicht an uns herankommen. Das ist auch gut so, denn die Sicht ist durch Wind und Stroemung sehr aufgewuehlt und wir koennen hoechstens 3m sehen. Aber trotzdem geniessen wir es mal wieder ausgiebig zu schnorcheln und zu schwimmen.
Als wir zurueck an Bord sind, kommen zwei Leute der IBAMA (bras. Umweltbehoerde) zu uns, um uns etwas ueber die Abrolhos zu erzaehlen und uns auf die strengen Regeln im Naturschutzgebiet hinzuweisen. Und um uns zu warnen, der Wind soll auf Suedost drehen und dann ist diese Bucht nicht mehr sicher. Also ziehen wir alle auf die andere Seite der Insel und ankern in der Nordbucht. Dort ist es ziemlich eng, da ausser uns noch 4 Tauchboote hier ankern. Ausserdem ist der Ankerplatz sehr schwellig, hatten wir doch die letzten Tage dem Wind aus NO. Am Abend dreht der Wind mehr auf suedliche Richtungen und nun haben wir ausser dem NO-Schwell auch noch Sued-Welle in der Bucht. Am Horizont sind Blitze und Wetterleuchten zu sehen, ein gruseliges Schauspiel. Die Nacht ist sehr unruhig und nachdem unser Anker gesplippt ist und wir ein neues Ankermanoever in Dunkelheit und Regen fahren mussten, ist an Schlaf garnicht mehr zu denken. Wir machen uns Sorgen, warum denn unser guter Buegelanker, der uns noch nie im Stich gelassen hat, diesmal nicht hielt. Zur Sicherheit verkatten wir einen zweiten Anker und bringen ihn aus.
Auch am naechsten Tag haben wir reichlich Wind und der Schutz Insel ist nicht so toll. Norbert und Micha machen einen Tauchgang und ruhen sich so mal 20min aus. Denn die Schaukelei ist wirklich nicht schoen. Man kann nichts stehenlassen, alles fliegt durch die Gegend. Am ruhigsten liegt noch die “Tanoa” und so treffen wir uns am nachmittag dort alle zu Kaffee und Kuchen.
Nach einer weiteren Nacht mit Ankerwache, versuchen wir es in der naechsten Bucht, nachdem Norbert zu den Fischern ruebergeschwommen ist, die hier auch Schutz suchen vor dem schlechten Wetter. Norbert bekommt zwei grosse Drueckerfische geschenkt und wir planen fuer den Abend ein gemeinsames Abschiedsfischessen bei uns. Aber auch diese Bucht bietet keinen Schutz und da es am Abend immer noch stuermt und gewittert, moechte keiner sein Boot allein lassen und so bleiben Norbert und ich auf dem Fisch sitzten, lassen es uns aber trotzdem schmecken.
Am naechsten Morgen haben wir dann wirklich die Nase voll, nachts hatte der Wind in einer Wolkenwand gedreht, sodass wir auf Legerwall ( wenn das Boot mit dem Hintern in Richtung Land liegt) lagen und wir wieder die ganze Nacht Ankerwache gehen mussten. Wir segeln zurueck nach Salvador, die “Tanoa” aendert auch ihre Plaene, eigentlich wollten sie bis Rio de Janeiro segeln, da Beate von dort aus nach Hause fliegt, aber nun wollen sie zurueck nach Salvador und dann mit dem Flugzeug nach Rio.
Bevor wir lossegeln, heisst es Abschiednehmen von Anke und Martin, sie segeln wirklich weiter nach Sueden, sie wollen ja durch die Magellanstrasse in die Suedsee. Werden wir uns wiedersehen? Und wann und wo? Keiner weiss es genau und so sind wir dann auch sehr traurig, als wir uns verabschieden. Wir werden auf jedenfall in Kontakt bleiben und wuenschen den Beiden eine schoene und sichere Reise nach Sueden.

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