maris-navigaris

1.5.2005

9.2. Brasilien

Abgelegt unter: 009.2 Brasilien — admin @ 10:17

Geschichten aus Brasilien

Jan und Simone besuchen uns in Brasilien


Am Montag stehen wir supi aufgeregt am Flughafen und warten auf die Ankunft von Jan und Simone. Wir stehen am falschen Ausgang, aber dann finden wir die beiden doch und fallen uns gluecklich in die Arme. Sie waren auch nicht zu uebersehen, mit all dem Gepaeck und ihrer leuchtend weissen Hautfarbe. Wir plappern alle drauflos, das geht den ganzen Abend, obwohl die beiden ja seid 36 Stunden unterwegs sind. Am naechsten Morgen sitzen Jan und Simone, genau wie wir am ersten Tag, einfach nur da und schauen auf die Stadt. Norbert macht seinen beruehmten Obstsalat zum Fruehstueck und dann beginnt der Stress. Norbert hat heute einen Schweissauftrag und Simone und ich fahren zum Grosseinkauf in den Supermarkt. Jan entschliesst sich auf dem Boot zu bleiben, denn er hat aus Deutschland eine Erkaeltung mitgebracht, die er auskurieren muss. Als wir um 15 Uhr zurueckkommmen, ist Simone fix und fertig. Das Einkaufen so stressig ist, haette sie nie gedacht. Und auch nicht, wie oft sie jedes Teil in die Hand nehmen muss. Also in den Einkaufskorb legen, dann an der Kasse rausholen, dann wieder in den Korb. Vom Korb ins Taxi, vom Taxi zum Steg, vom Steg ins Dinghi, vom Dinghi ins Boot und dann noch alles vestauen. Ich habe mich ja schon an diese aufwendige Art der Proviantbeschaffung gewoehnt, aber Simone schuettelt nur den Kopf. Und wieviel man braucht! Aber wir wollen ja jetzt 14 Tage in der Bahia segeln und auf den Inseln ist es manchmal nicht so einfach Nachschub zu bekommen. Aber ich muss auch zugeben, das ich schon einen Hamstertrieb entwickelt habe. Am Abend steigt dann noch die Geburtstagsparty von Martin auf der “Just do it”, insgesamt sind wir 11 Personen, da Rolf und Jacinta und die “Tanoa” mit Silvia, Beate und Michael auch eingeladen sind. Es ist ein toller Abend, Martin freut sich ueber die Goldbaerchen und den Dijonsenf den Jan und Simone aus Deutschland mitgebracht haben. Es wird viel getrunken und gelacht, aber irgendwann schwaecheln unsere Touristen, sie sind immer noch kaputt von der Reise und wir brechen auf.

Eine Woche bleiben wir in Salvador, gehen shoppen, in unsere Sambakneipe tanzen, fahren nach Calcada zum Markt und haben jede Menge Spass. Manchmal denken wir, das Jan und Simone ueberfordert sind, kommen sie doch aus einer ganz anderen Welt und haben leider nicht soviel Zeit sich einzugewoehnen wie wir. Deshalb geniessen wir auch die Ruhe, als wir in Itaparica ankommen. Leider ist das Wetter wieder schlechter geworden und wir muessen unseren Plan aufgeben, zum Wasserfall nach Tororo zu segeln. Da aber der Ankerplatz in Itaparica diesmal sehr schwellig ist, beschliessen wir zur Ilha do Frade zu fahren. Dort liegen wir dann wieder sehr ruhig. Nach unser Ankunft fahren wir nach Bom Jesus um ein Huhn zu kaufen. Dort erleben Jan und Simone die Gastfreundschaft der Brasilianer. Als wir uns wegen des Regens unterstellen, werden wir von einem Fischer zum Bier eingeladen. Er hat wohl gerade Lohn bekommen, denn als er hoert, das wir aus Deutschland kommen und “Papa” ( der Papst) ja auch ein Deutscher ist, versiegt der Bier Nachschub gar nicht mehr und wir koennen ihn nur mit Muehe davon abhalten, uns auch noch zum essen einzuladen. Am naechsten Tag kommt die “Tanoa” zur Ilha do Frade, auch sie haben die Nase voll, von dem unruhigen Ankerplatz in Itaparica. Norbert, Jan und Simone machen einen Ausflug in den Dschungel und kommen mit grosser Beute zurueck. Mangos, Kokosnuesse( die Simone von der Palme geholt hat) und eine Bananenstaude, von denen die beiden leider keine mehr essen koennen, da sie erst nach ihrem Abflug reif werden. Wir kaufen Fisch von den Fischern, leider haben sie diesmal keine Langusten, und grillen zum Abendbrot. Erinnerungen an Alvor, wo Jan und Simone uns ja auch besucht haben, werden wach.

Dann wird das Wetter besser und wir starten gemeinsam mit der “Tanoa” nach Tororo. Ein bisschen mehr wollen wir Jan und Simone ja doch noch zeigen von der Bahia. Die Jungs entwickeln sportlichen Ergeiz und so werden auf der “Antje” die Segel gesetzt und wir kreuzen. Als wir Delphine springen sehen, bricht auch der Jagdinstink durch und wir werfen die Angel raus. Wo Delphine sind, ist Fisch. Und so haben wir auch nach kurzer Zeit einen schoenen Bonito am Haken. Simone holt professionell die Angel ein, aber kurz hinterm Boot reisst der Fisch ploetzlich ab und verschwindet in der Tiefe. Norbert heult fast und auch wir hatten schon auf eine gute Fischmahlzeit gehofft. Norberts Gejammer hoert nicht auf und zwei Tage lang, darf das Wort Bonito an Bord nicht ausgesprochen werden. Als der Anker vor Tororo faellt, ist es zwar schon dunkel, aber wir gehen trotzdem noch alle duschen unterm Wasserfall . Am naechsten Morgen kaufen wir Garnelen von den Fischern und da wir noch einige Zutaten brauchen, fahren wir ins Dorf zum Einkaufen. 4 Leute essen eben doch mehr als zwei. Der Einkauf im Dorf ist schnell erledigt, so gross ist die Auswahl nicht und dann sitzten wir mitten unter der Dorfbevoelkerung beim Bier. Am Abend gibt es lecker Scampis in Knoblauchoel. Wir muessen uns auch staerken, denn am naechsten Morgen fahren wir direkt vor den Wasserfall und fallen dort trocken. Diesmal wollen wir wirklich neues Antifouling auftragen, haben wir doch jetzt tolle Hilfskraefte dabei. Aber das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung, als das Unterwasserschiff sauber und bereit zum streichen ist, faengt es an zu regnen. Naja, dann gehen wir eben duschen. Da unsere doofe Fusspumpe fuer Seewasser undicht ist, haben wir es nicht nur aussen nass, sondern auch in der Bilge. Als wir wieder schwimmen, lege ich alles trocken und Jan und Simone machen einen Ausflug mit dem Dinghi. Abends steigt eine Party auf der “Tanoa”, es gibt Rum mit Cola und ich muss mich bald verabschieden, aber alle anderen feiern noch weiter, Beate leidet den ganzen naechsten Tag. Und dann ist es auch schon wieder so weit, der Urlaub von Jan und Simone geht zu Ende und wir segeln zurueck nach Salvador. Das kurze Stueck ueber die Bucht hat es in sich, grosse Wellen, Regen und Starkwind, sodass Simone und ich uns in die Koje verziehen. Auch in Salvador regnet es weiter, aber trotzdem ziehen wir am Abend gemeinsam mit “Just do it” und “Tanoa” los, um beim Rodizio de Carne, Abschied zu feiern. Beim Rodizio bezahlt man umgerechnet 5 Euro und kann dann essen bis zum umfallen. Es gibt ein Buffet mit verschiedenen Salaten und Beilagen und dann kommen die Kellner mit riesigen Fleischspiessen herum und saebeln die gewuenschte Sorte auf den Teller. Getraenke sind extra, aber trotzdem ist es richtig billig. Wir schlagen uns alle den Bauch voll und gehen danach noch in eine Kneipe weiterfeiern. So koennen sich Jan und Simone ausgiebig verabschieden und geniessen ihren letzten Abend in Brasilien. Nachdem Fruehstueck am naechsten Tag, als die beiden packen, gibts nochmal was zu lachen. Die festen Schuhe der beiden, sind von Schimmel ueberzogen und Jan ist auch durch gutes Zureden nicht zu ueberreden, diese nochmal anzuziehen, obwohl wir den Schimmel entfernt haben. Aber kein Problem, wir ziehen los und Jan kauft neue Rueckreiseschuhe und dann kommt der Abschied. Wir sind alle traurig, ich kann meine Traenen nicht zurueckhalten. Aber wir sehen uns ja bald wieder, denn mein Flugticket nach Deutschland habe ich schon in der Tasche. Unsere Freunde und meine Familie haben Geld gesammelt, damit ich zur Taufe meines Patenkindes Paul, das Baby von Katrin und Robert, im August nach Deutschland fliegen kann. Und dann sehe ich alle Freunde und Verwandte wieder und darum nehmen wir Jan und Simone nur ganz fest in den Arm und hoffen, das ihnen ihr Urlaub gefallen hat. Und das sie uns bald wieder besuchen.

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