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26.5.2005

8. Über den Atlantik nach Salvador/Brasilien

Abgelegt unter: 008 Über den Atlantik — admin @ 09:47

Ueber den Atlantik nach Salvador/Brasilien
Unsere bisher laengste Strecke liegt vor uns, wir muessen den Nordatlantik durchsegeln, den Aequator ueberqueren, (hoffentlich fallen wir nicht auf der anderen Seite runter) und bis auf den 13. suedl.Breitengrad runter, um nach Salvador zu kommen. Insgesamt 2000sm liegen vor uns. Durch Auszuege aus dem Logbuch, moechten wir euch, an unseren Erlebnissen teilhaben lassen. Jetzt, wo wir Salvador sind, kommt uns alles schon wieder so unwirklich vor, die Strapatzen sind vergessen und in der Erinnerung ist die Fahrt schoen und garnicht so anstrengend. Aber das Logbuch gibt Aufschluss, ueber unsere Gedanken und Gefuehle in der jeweiligen Situation. Also viel Spass beim Lesen.

Tag 0: Samstag 29.1.05
Nachdem wir uns entschlossen haben, den unruhigen Ankerplatz in Faja de Aqua zu verlassen, an dem wir uns noch 2 Tage erholen wollten, gehen wir nach einigen Vorbereitungen um 18 Uhr Ankerauf und segeln erstmal nach Westen, in den Sonnenuntergang. Ich bin total aufgeregt, hoffe aber das alles gut geht und wir Brasilien gluecklich erreichen. Aber erstmal wackeln wir unter Parasail dahin, wir haben es mit drehenden Winden unter Fogo und Brava zu tun. Aber auch nach 30sm kann sich der Wind nicht entscheiden, aus welcher Richtung er kommen will. In meiner ersten Wache geht es gerade noch vorwaerts, aber haeufige Kurskorrekturen sind notwendig. Als um 23 Uhr der Mond aufgeht, stuerze ich an`s Radar, denn durch eine Wolke, sah der Mond aus wie ein hellerleuchtetes Schiff, welches ganz nah ist. Das der Mond mir mal einen Schreck einjagt, haette ich nicht gedacht. Um 2 Uhr laesst der Wind nach und kommt jetzt eindeutig oestlicher. Wir setzen die Genua und das Grosssegel und dann laeuft es auf Am Wind Kurs erstmal ganz gut.

Tag 1: Sonntag 30.1.05
Tag 1 hat begonnen und Norbert faengt als erstes eine kleine Golddorade, da ist also das Abendessen schon mal gesichert. Ansonsten kommen wir ganz gut vorran, auch wenn der Wind weiterhin unbestaendig ist. Wir sind eigentlich ganz zufrieden, haben aber beide leichte Anzeichen von Seekrankheit. Wir sind jetzt fast auf Suedkurs, um den Aequator bei 25°W zu ueberqueren. Michelle und Daniel, 2 Franzosen die wir seit Arrecife kennen, haben uns das empfohlen, denn sie hatten bei 30°West fuenf Tage SO Winde und konnten den Kurs nach Salvador nicht halten und sind in Recife gelandet. Wir sind uns nicht sicher, welches denn nun die richtige Taktik ist, ob es ueberhaupt eine gibt. Wir muessen abwarten und den Kurs segeln, der sich am besten anliegen laesst. Heute koennen wir keine E-Mail und Wetterberichte empfangen. Da wir in Furna die Zeit massiv ueberzogen haben, sind wir jetzt fuer 2 Tage gesperrt. Mist, hoffentlich klappt es morgen. Um 18 Uhr koennen wir unser erstes Etmal eintragen, 113sm, garnicht so schlecht fuer den Anfang. Norbert und ich teilen uns ein kleines Bier, jetzt haben wir nur noch 8 Flaschen. Auf den Kapverden war das Bier sehr teuer, sodass wir nichts gekauft haben. Bei dem Wetterbericht von Intermar haben wir gehoert, das unser Plan Sued zu machen garnicht so schlecht ist, denn bei 30°W gibt es eine Passatstoerung mit wenig Wind aus SO. Nach dem lecker Abendbrot hat Norbert nochmal eine Golddorade am Haken, aber diesmal gewinnt der Fisch.

Tag 2: Montag 31.1.05
Die Nacht war, was die Segelei anbetrifft, relativ ruhig, aber die Schiffsbewegungen sind ganz schoen anstrengend. Jeder Gang will gut ueberlegt sein, am besten ist es wenn man liegt. Bisher haben wir nur ein Schiff, weit am Horizont gesehen. Heute ist es bewoelkt, aber das soll ja in Aequatornaehe normal sein. Beim Vormittagsanbiss geht der Fisch verloren und Norbert benutzt nun wieder unseren bewaehrten Doppelhaken. Der Tip mit dem Einzelhaken von John, war nicht so toll!
Heute koennen wir wieder E-Mails empfangen, wir empfangen die guten Wuensche unserer Eltern, es ist schoen, hier draussen, ganz allein auf dem Meer, von zuhause zu hoeren. Und wichtig ist natuerlich das Wetter, sieht ganz gut aus fuer die naechsten 3 Tage. Norbert und ich haengen den ganzen Tag irgentwie rum, keiner hat ueberschuessige Energie. Als ich in meiner Freiwache in der Vorderkoje versuche zu schlafen, ist es mir zu warm und zu stickig. Also oeffne ich die Luke - das Resultat, ein grosser Schwab Salzwasser in der Koje - Toll Antje! Norbert` Spruch des Tages: “Kannst Du schon Land sehen?” bringt wieder ein bisschen Leben in uns, wir versuchen uns mit klugen Spruechen zu uebertrumpfen und lachen bis zum Umfallen. Auch unser Etmal baut uns auf, 127sm haben wir in den letzten 24 Stunden zurueckgelegt.

Tag 3: Dienstag 1.2.05
In der letzten Nacht sind wir nicht viel zum Schlafen gekommen. Erst muessen wir immer mal was an den Segeln veraendern und 2x die Selbststeuerung umruesten und dann sehen wir gegen 3 Uhr tatsaechlich einen Fischtrawler genau vor unserem Bug. Gluecklicherweise ist Norbert durch das Geruettel wachgeworden und ist nach draussen gegangen. Um 6 Uhr dann gleich noch ein Frachter auf Parallelkurs, also man muss doch Wache gehen. Eigentlich tun wir das auch immer, aber wenn man 3 Tage kein Schiff gesehen hat, laesst die Moral eben nach.
Mir geht es heute nicht so gut, ich bin seekrank und muede. Ich habe keine Energie etwas zutun, was nicht unbedingt sein muss, Norbert geht es gluecklicherweise besser. Er hat sogar ein lecker Brot gebacken und eine kleine Dorade gefangen. Den Bohneneintopf, den wir vorgekocht haben und nun schon seit 3 Tagen essen, kann ich nicht mehr sehen, er fliegt ueber Bord. Das Wetter sieht lt. Intermar weiterhin gut aus, Jochen und Anne von der “Leoa” sind 300sm vor uns und geben jeden Tag, auch unsere Position an Intermar weiter, sodass wir individuelle Wetterinfos bekommen. Die Beiden haben heute Regen und Wind von 20kn. Da war es bei uns wohl doch besser. Unser Etmal heute: 123sm

Tag 4: Mittwoch 2.2.05
Die Nacht war ruhig, das Schiff lief mit ca. 5kn vorran und wir haben beide in unser Freiwache gut geschlafen. Ich will es ja nicht beschreien, aber es geht mir besser. Hoffentlich war es das jetzt mit der Seekrankheit fuer diesen Toern. Wir haben gestern mit Mat, auch ein Freund aus Arrecife, ueber Kurzwelle gesprochen. Ist schon toll, wenn man sich auf See unterhalten kann. Nur mit Arnim in Rostock klappt es leider nicht. Am Vormittag hat Norbert dann einen richtig grossen Fisch an der Angel. Der zieht mit einer Hoellengeschwindigkeit die ganze Sehne von der Rolle, alles wird heiss, um sich dann doch noch zu befreien. Schade, aber wer weiss, was das fuer ein Riesenvieh war.
Es ist sehr heiss, unter Deck 32°C, aber trotzdem kann ich mittags eine Stunde schlafen. Norbert hat es nicht so gut, ihm ist es in seiner Freiwache unter Deck auch zu warm. Wir goennen uns eine Eimerdusche, aber wirklich erfrischend ist das nicht, das Wasser hat bestimmt auch 24°C. Zum Abendbrot gibt es paniertes Doradenfilet und Moehren-Weisskohlsalat. Genau das richtige bei der Hitze. Heute haben wir 111sm geschafft.

Tag 5: Donnerstag 3.2.05
Wir sind mit ca. 4kn durch die Nacht gefahren, nicht gerade schnell, aber auf der Biskaya haetten wir uns darueber gefreut. Es ist aber ganz angenehm. Norbert und ich konnten gut schlafen. Am Tag ist es jetzt wirklich zu heiss um unter Deck zu schlafen, da muss man sich in der Nacht erholen. Wir naehern uns langsam aber sicher dem Aequator, die “Leoa” muesste es heute schaffen, sie berichten schon seit 2 Tagen von wenig Wind, Flauten, Gewitter und Regen, also Kalmenwetter. Na mal sehen, was uns erwartet.
Gegen mittag raffen wir uns auf und setzten das Grosssegel ganz, denn der Wind kommt etwas oestlicher. Eine schweisstreibende Angelegenheit, das naechstemal gehen wir dafuer wohl doch besser in den Wind. Als um 14 Uhr der Wind wieder auf noerdl.Richtung dreht und auch etwas nachlaesst, entscheiden wir uns fuer den Parasail. Nun laeuft es wieder etwas besser.
Angelergebnisse - ein abgebissener Haken - kein Fisch. Norbert hat heute naemlich auf das Stahlvorfach verzichtet, um eine Thun zu fangen. Das wurde anscheinend von den Fischen gleich ausgenutzt. Etmal nur 96sm.

Tag 6: Freitag 4.2.05
Bis gestern abend 22 Uhr stand der Parasail, dann wurden wir bange, denn der Wind dreht wieder oestlicher und die Luft ist schwuel. Ganz weit weg, sieht man ein Gewitter. Und darum setzten wir die Genua, mit dem Ergebniss, das wir mit nur 3-3,5kn durch die Nacht wackeln. Aber wir haben wirklich Angst vor ploetzlichen Regenboen, zumal man nachts fast garnichts mehr sieht, der Mond nimmt ab und zeigt sich erst ab 3 Uhr schwach am Himmel. Morgens setzten wir dann nochmal den Parasail, aber um 13 Uhr ist Schluss mit lustig. Null Wind und eine schwarze wolkenwand naht. Wir starten den Motor, sichern den Parasail und dann gibt es auch schon die erste Suesswasserdusche. Schnell einseifen und abregnen lassen. Ist auch mal schoen, vorallem wird das Deck schoen sauber. Nach der Wolke versuchen wir es nochmal mit der Genua, aber die schlaegt auch nur sinnlos hin und her. Also doch den Motor an, aber komisch, trotz unser bewaehrten 2000 Umdrehungen, mit denen wir sonst 3kn laufen, schaffen wir jetzt nur 2 und spaeter sogar nur noch 1,1kn. Haben wir Bewuchs oder Gegenstrom. Leider arbeitet unser Log nicht, sodass wir nicht wissen wieviel Fahrt durchs Wasser wir machen. Norbert hat noch 2 Doraden gefangen und der Wassermacher laeuft und die Batterien werden geladen. Versuchen wir mal das beste aus der Flaute zu machen. Unser Etmal sieht dann auch entsprechend aus, nur 70sm.

Tag 7: Samstag 5.2.05
Nachts um 2 Uhr machen wir den Motor aus, aber es ist kein Wind. Wir versuchen waehrend unserer Wachen jeden Windhauch zunutzen, aber um 9 Uhr finden wir uns damit ab, wir zurueckgetrieben sind. Ohne Wind und Segel treiben wir naemlich mit 1,6 - 2kn nach NW. Mist!!!! Wir verbringen den Tag mit schlafen und lesen, Norbert raeuchert noch Golddorade. Er hat gestern abend, nach 2 Stunden Kampf, ( wir dachten eher an einen Thun oder Hai) eine grosse Dorade angelandet. Also zu essen haben wir genug und unseren Wasservorrat konnten wir, dank der Motorenstunden, auch auffuellen. Lt. Intermar haben wir bis Montag weiterhin mit schwachen, bis garkeinen Winden zu rechnen. Na toll! Nachdem wir ab 18 Uhr mal wieder ein bisschen an den Segeln gespielt haben, der Versuch die genua auszubaumen ist gescheitert, steht ab 19 Uhr der Parasail. Aber wir laufen nur 130°, also nach SO, naja so holen wir vielleicht den Versatz durch das Duempeln nach Westen, wieder raus. Mal sehen wielange das Segel steht. Etmal 6!sm, ohne Worte.

Tag 8: Sonntag 6.2.05
Nachdem wir uns die ganze Nacht unter Parasail gemueht haben, voran zu kommen, wir mussten ihn 2x bergen, weil der Wind weg war, versuchen wir um 6 Uhr, in einer Regenboe, nochmal die Genua auszubaumen. Diesmal klappt es und wir koennen sogar einen besseren Kurs laufen, als unter Parasail. Aber vorallem faellt die Genua nicht ein und man muss nicht die ganze Zeit, mit dem Finger am Pinnenpiloten stehen, um den Kurs zu korrigieren. Und viel langsamer sind wir auch nicht geworden. Norbert und ich sind muede und geschafft. Es nervt ganz schoen, aber wenigstens treiben wir momentan nicht rueckwaerts.
Um 16 Uhr zuckeln wir langsam, sehr langsam, voran. Wir haben jetzt noch das Grosssegel zur anderen Seite ausgebaumt und wacklen vor uns hin. Wir haben beide ein wenig Schlaf bekommen und konnten uns erholen. Um 18 Uhr laeuft es dann wieder bescheiden, wenig Wind aus der falschen Richtung. Wir versuchen mit normaler Besegelung an den Wind zu gehen und erstmal laeuft der Kahn dann wieder. Bis 22 Uhr, dann ausbaumen und weiter. Etmal 19sm, wird doch!

Tag 9: Montag 7.2.05
Wir konnten die ganze Nacht segeln, langsam zwar, aber auf Kurs. Mit der ausgebaumten Genua sind wir eigemtlich ganz zufrieden, man muss eben immer probieren. Um 8 Uhr kommt dann dann ploetzlich aus einer Wolke zum erstenmal SO Wind. Also schnell Segelstellung aendern und auf Kurs. Nach der Wolke dann Ost, wir versuchen wieder Sued zumachen und segeln auf Halbwindkurs. Dann dreht der Wind auf Sued, wir gehen hart ran und versuchen unseren Kurs zu halten. Mittags koennen wir beiden nochmal schlafen, es ist wieder heiss geworden. Unter Deck 32°C , draussen 31°C. Ich mach Eimerbaden, Norbert hat sich im Regenschauer gewaschen. Zum Abendbrot gibt Fischfrikadellen, selbstgemacht aus Dorade, dazu Schmorkohl. Somit haben wir noch 2 Tomaten als Frischgemuese. Obst ist auch schon alle. Da muessen wir wohl bald an die Dosen. Traumhaftes Etmal von 66sm heute.

Tag 10: Dienstag 8.2.05
Wie es scheint, haben wir den SO Passat erreicht, seit wir in der Nacht nochmal 3 Stunden motort sind, laeuft es eigentlich stetig. Den Batterien haben die Motorstunden zwar nicht viel genutzt, wir stellen fest, das wir nur mit 5 Ampere laden wenn wir 2000 Umdrehungen fahren, aber das Akku vom Laptop ist voll und wir haben 15l Frischwasser produziert. Ist doch schonmal was. Noch 29sm bis zum Aequator, ich werd mal den Cidre kaltstellen. Um 18 Uhr sind es dann noch 3,8sm bis zum Tellerrand, denn wir sind langsamer geworden. Aber es war trotzdem ein schoener Tag, Norbert faengt mal wieder eine Dorade, er kann es einfach nicht lassen, und dann das Voraequatorprogramm. Eine Gruppe von 150 - 200 Delfinen bringt das Wasser um uns herum zum kochen. Alles voll von ihnen, offenbar in Altersgruppen unterteilt. Die Aelteren gleiten neben dem Schiff ruhig auf und ab, die Jugendlichen springen aus dem Wasser und schlagen Salto`s. Die Kleinen schwimmen tiefer, sind aber im klaren Wasser gut zu sehen. Es ist unglaublich aufregend und faszinierend, Norbert geht ins Wasser und laesst sich mitten in den Delfinen hinterherziehen. Durch die Taucherbrille kann er sie genau beobachten. Wir sprechen noch lange ueber dieses Erlebniss.
Um 19.30 Uhr ist es dann soweit, wir ueberqueren den AEQUATOR und fallen nicht runter! Wir stossen mit Apfelwein an und ich taufe Norbert auf den Namen Doradendieter ( weil er immer nur Doraden faengt und mittlerweile so fanatisch ist, wie Dieter aus Alvor, der Norbert ganz viel ueber Angeln beigebracht hat) Jetzt sind wir auf der Suedhalbkugel unterwegs, merken aber noch keinen Unterschied zu oben. Unser Etmal steigert sich unmerklich, heute 68sm.

Tag 11: Mittwoch 9.2.05
Nach einer bescheiden schoenen Nacht, mit Flaute, Regen, Starkwind und Winddrehungen, koennen wir jetzt wieder segeln. Der 1. Tank ist leer, wir sind insgesamt bisher 25 Stunden seit Furna motort, aber dafuer haben die Batterien auch ein bisschen abbekommen. Neue Wetterinfo`s waren heute morgen bei Intermar nicht zu hoeren, aber irgendwie ist das Wetter sowieso immer anders als angesagt.
Norbert hat morgens das Grosssegel allein ausgerefft, weil er mich nicht wecken wollte. Das ist ja lieb gemeint, aber eigentlich haben wir eine Vereinbarung, das keiner allein das da Cockpit verlaesst und an den Segel arbeitet, wenn der andere schlaeft. Zu gross ist unsere Angst mal aufzuwachen und keiner ist mehr da. Wir sind beide fix und alle, fuer eine durchwachte Nacht, hat die Erhohlung wohl doch nicht gereicht. Am Tag laeuft es dann ganz gut, wir koennen uns ausruhen, aber nach dem Abendessen, diesmal Doradenfischstaebchen mit Kartoffelsalat, kommt auch schon die erste Wolke und der Wind frischt auf. Die Nacht kann ja wieder heiter werden, anscheinend muessen wir unseren Schlaf auf den Tag verlegen, aber wegen der Hitze ist das sehr schwierig. Norbert hat heute Angelverbot, denn nach 10 Tagen Fisch, reicht es jetzt wirklich.
Fast haetten wir die einhundert Marke erreicht, unser Etmal 99sm!

Tag 12: Donnerstag 10.2.05
Die relativ ruhige Nacht, wurde nur durch das gelegentliche Reffen der Genua unterbrochen, ich muss dazu leider Norbert wecken, da ich es allein nicht schaffe. Ausreffen kann ich aber! Und dann gab es in meiner Wache ploetzlich einen Knall. Ich war gerade unten am Radar und als ich rausschaue, liegt da im Cockpit, wo ich noch vor einer Minute gesessen habe, ein grosser Vogel in den letzten Zuckungen. Er ist schon vorher immer um das Boot herum geflogen, ich habe ihn immer mit der Taschenlampe vertrieben. Als er dann doch die Landung gewagt hat, ist er wohl gegen das Grosssegel geknallt und nun ist er tot. Armer dummer Vogel.
Nachdem wir den ganzen Vormittag flott gesegelt sind, herrscht ab 13 Uhr Flaute. Norbert konnte im Regenschauer 30l Wasser auffangen und unsere Tanks fuellen. Hoffentlich kommt bald wieder Wind. Und das tut es auch, um 16 Uhr geht es wieder voran. Um 16.15 Uhr koennen wir dann in unserer taeglichen Funkrunde mit “Leoa”, “Just do it” und “Breakpoint”, die alle auf dem Weg nach Salvador sind, mit unserem Etmal von 112sm prahlen. Hurra, endlich wieder ueber 100 Meilen!!!

Tag 13. Freitag 11.2.05
Der Wind haelt die ganze Nacht durch, nachdem wir die Fock gesetzt haben und das 1. Reff ins Gross gebunden haben, sprinten wir voran. Da kann mal wieder sehen, auf den Wetterbericht ist kein Verlass, der hatte naemlich Null Wind gesagt. Aber gut fuer uns, wir schaffen Meilen. Den Tag ueber laufen wir mit 6-7kn auf Halbwindkurs unter voller Besegelung. Uns geht es gut, wir konnten in der Nacht beide gut schlafen und zwar auf dem Fussboden. In der Vorderkoje war es zu schaukelig und in der Heckkoje zu heiss. Aber auf dem Fussboden ging es supi. Darum haben wir heuten dann auch die Luftmatratze rausgemoelt, fuer die kommenden Naechte. Man findet also doch immer noch ein besseres Plaetzchen. Heute durfte Norbert wieder angeln und nachdem ein grosser Wunderfisch wieder abgerissen ist, gabs dann doch noch eine kleine Dorade, gerade richtig zum raeuchern. Ich habe angefangen, mit Norbert`s Hilfe die brasilianische Gastlandflagge zu basteln. Man muss sich ja langsam auf den Landfall vorbereiten. Superetmal heute, 134sm.

Tag 14: Samstag 12.2.05
Kaum zu glauben, aber der Wind hat auch in der letzten Nacht durchgehalten und uns weitergeblasen. Norbert und ich haben gut geschlafen, wieder auf dem Fussboden, diesmal ganz bequem auf der Lumatra. Um 9 Uhr wird Norbert immer wach, obwohl er eigentlich bis 10 Uhr frei haette. Dann gibt es immer lecker Fruehstueck. Die Wurstreserven neigen sich auch dem Ende entgegen, aber heute mittag gibt es ja wieder Raeucherfisch. Heute hat Norbert kein Anglerglueck, richtig traurig bin ich darueber aber nicht. Dafuer hat Norbert wieder ein Brot gebacken, macht er richtig gut. Dank des Ofens, hatten wir dann auch 34°C im Salon. Es war ein schoener Tag, hoffentlich laeuft es weiter so. Zur Nacht goennen wir uns dann gekuehlte Pfirsiche aus der Dose, mit Rum. Leider isr der Rum jetzt auch alle. Bier haben wir ja schon lange nicht mehr. Nur noch 1,5l Rotwein sind da und natuerlich der Ankunftssekt. Wir kommen den ganzen Tag gut voran und koennen sogar unser gestriges Etmal ueberbieten, 139sm!!!!!

Tag 15: Sonntag 13.2.05
Auch heute Nacht guter Wind! Wir haben wieder Schiffsverkehr, nachts die “Wappen von Bremen” mit Kurs Rio und ein anders Schiff auf dem Weg nach Tobago. Am Morgen noch 3 weitere Schiffe, jetzt sind wir nicht meht allein auf dem Meer. Und der Blue Marlin, der Fisch ueberhaupt, ist auch da. Mittags rauscht die Angel aus und Norbert sieht den Traum eines jeden Anglers aus dem Meer springen. Leider schaffen wir es nicht genuegend Fahrt aus dem Schiff zu nehmen, obwohl wir die Genua reffen. Und so passiert es dann, die Sehne reisst und weg ist der Fisch mit den grossen traurigen Augen. Norbert ist total traurig, er tut mir leid. Wir haetten einfach die Genua ganz weg nehmen muessen, dann waeren wir getrieben und Norbert haette eine Chance gehabt, den Marlin zu fangen. Aber der Fisch muss ja auch gewinnen koennen, wir hoffen, das der kleine Haken den er jetzt als Piercing mit sich rumtraegt, keinen Schaden anrichtet.
Am Abend hoeren wir, das “Leoa” die Ansteuerungstonne von Salvador passiert hat und heute noch Landfall macht. Wir freuen uns fuer die Anne und Jochen, sie haben es geschafft. Ich beneide sie, um die erste ruhige Nacht.
Etmal heute: 130sm

Tag 16: Montag 14.2.05
Gutes Segeln in der Nacht, in den Wolkenboen muessen wir manchmal etwas reffen, aber insgesamt war es doch ruhig. Die Meilen rattern so weg und wir kommen unserem Ziel naehern und erlauben uns erste Gedanken an die Ankunft. Die brasilianische Gastlandflagge ist fertig, sieht richtig gut aus, daran soll`s also nicht scheitern. Und am Nachmittag wird Norbert dann fuer den verlorenen Marlin entschaedigt. Er faengt einen 1m langen, 6kg schweren Barrakuda. Diesmal rollen wir die Genua ganz weg und koennen so den Fisch an Bord holen. Abends braten wir uns ein Stueck, sind aber nicht so begeistert. Das Fleisch ist sehr fest und trocken. Morgen probieren wir mal Barrakuda in Folie und in der Funkrunde habe ich von der “Tanoa” einen Tip zum Einkochen bekommen. Na wollen mal sehen, irgendwie kriegen wir den Fisch schon klein. Aber wirklich Appetit haben wir nicht mehr auf Fisch, ehe auf ein lecker Steak. Und ein kaltes Bier, denn es wird immer waermer. 33°-34°C Lufttemperatur und 27°C Wasser. Aber Atlantik haben wir ja genug um uns herum und so gibt es eine Eimerdusche nach der naechsten. Heute haben wir auch wieder 130sm geschafft.

Tag 17: Dienstag 15.2.05
In der Nacht dreht der Wind auf Ost, ab 23 Uhr muessen wir die Genua ausbaumen und um 2 Uhr dann das Gross auf die andere Seite nehmen. Jetzt geht die Rollerei vor dem Wind wieder los, nichts mehr mit schoenem Halbwind. An Schlafen ist kaum zu denken, wir werden von einer Seite auf die andere geschleudert. Morgens um 9 Uhr entschliessen wir uns, den Parasail zu setzen, wir versprechen uns davon etwas mehr Speed und ruhigeres Segeln. Als Spibaum ab, Genua einrollen, Parasailschoten legen, Grosssegel reffen, und Parasail hoch. Er steht genau 15min, dann gibt es einen Knall und das Segel liegt im Wasser. Oh nicht schon wieder! Oben am Segel ist etwas gerissen, denn der Bergesack haengt noch am Fall. Wir drehen bei und bergen den Parasail aus dem Wasser. Die Lueftungsschaechte sind natuerlich wieder prall gefuellt mit Wasser. Wir plagen uns sehr, um alles an Bord zu bekommen. Dort sehen wir dann die Ursache, das ganze Segel war vom Hersteller nur mit einen Baendsel an der Aussenseite des Blocks befestigt. Das musste ja mal reissen. Aber um 15 Uhr steht das Sensibelchen dann wieder, Norbert hat alles ganz allein repariert und wieder flott gemacht. Er ist der Beste!
Unser Etmal von 107sm kann sich trotzdem sehen lassen.

Tag 18: Mittwoch 16.2.05
Wir haben kaum geschlafen in der letzten Nacht. Gegen 23 Uhr nimmt der Wind zu, das Schiff laeuft aus dem Ruder, wir muessen den Parasail bergen. Das gelingt zwar gut, aber trotzdem ist es sehr anstrengend. Wir brauchen eine Stunde, bis die Fock dann ausgebaumt steht. Und gleich geht die Rollerei wieder los. Wir werden hin und her geworfen und trotz des Starkwindes, machen wir nicht viel Geschwindigkeit. Immer wieder Kurskorrekturen an der Selbststeuerung. Um 6 Uhr koennen wir dann unseren Kurs nicht mehr halten, wir muessen schiften. Bei dieser Gelegenheit setzten wir gleich die Genua. Auch dieses Manoever dauert 40min. Alles im Dunkeln. Wenn wir mit dem Deckslicht auf dem Vordeck arbeiten, sind immer Delfine um uns herum, die haben ihren Spass an unseren naechtlichen Segelmanoevern. Unter Deck koennen wir sie kichern hoeren. Wir segeln den ganzen Tag unter ausgebaumter Genua und Grosssegel. Der Wind bleibt die ganze Zeit stark und das Gewackel auch. Unser Etmal, 104sm.

Tag 19: Donnerstag 17.2.05
Trotz allem war die Nacht ruhig, keine Segelwechsel, wir konnten beide schlafen und fuehlen uns am Morgen besser. Wir naehern uns Salvador, um 9 Uhr haben wir noch 70sm vor uns. Wie es aussieht, werden wir wohl im Dunkeln ankommen, nicht schoen, aber von der “Leoa” haben wir gehoert, das sie auch mit C-Map reingefahren sind und die elektronischen Seekarten stimmen und die Ansteuerung bei Nacht kein Problem ist. Dafuer soll aber der Ankerplatz voll sein, na wollen mal sehen, zur Not gehen wir fuer eine Nacht in die Marina. Das koennen wir uns ruhig mal leisten nach 19 Tagen auf See. Aber erstmal muessen wir ankommen. Um 10 Uhr setzten wir den Parasail und wie zum Trotz, sgeln wir den ganzen Tag bei herrlichstem Segelwetter, genau auf Kurs. Und um 16.30 Uhr dann LAND IN SICHT!!!!!!!! Diesmal wirklich, obwohl Norbert das fast taeglich gerufen hat. Um 18 Uhr koennen wir die Skyline von Salvador ausmachen. Wir tanzen auf dem Vordeck umher und schreien unsere Freude aufs Meer hinaus. Und dann geht alles sehr schnell. Wir koennen fast bis in die Bucht hinein segeln, sodass der Ankunftssekt garnicht richtig kalt ist, da wir den Motor nur eine halbe Stunde benutzten. Um 24 Uhr faellt unser Anker vorm Centro de Nautico de Bahia, Norbert und ich liegen uns in den Armen. Wir haben es geschafft, wir sind ueber den Atlantik gesegelt und haben den suedamerikanischen Kontinent erreicht. Eine anstrengende Reise liegt hinter uns, aber wir freuen uns auf die neuen Eindruecke, die Menschen, die Erlebnisse und Erfahrungen die vor uns liegen. WIR SIND EINFACH NUR GLUECKLICH!

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