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4.1.2005

7. Kapverden

Abgelegt unter: 007 Auf zu den Kapverden — admin @ 22:44

Weiter geht`s zu den Kapverden
Am 4.Januar 2005 ist es endlich soweit, wir werfen in Playa Blanca/Lanzarote, die Leinen los, um zu den Kapverdischen Inseln zu segeln. Vorher haben wir Weihnachten und Silvester, gemeinsam mit meinen Eltern, in der Marina Rubicon in Playa Blanca verbracht.Wir hatten uns seit Mai nicht mehr gesehen, da war die Freude ueber unseren Besuch natuerlich riesig. Leider war es fast die ganze Zeit ueber eiskalt, an manchen Abenden nur 12°C, aber trotzdem haben wir schoene gemeinsame Tage genossen. Wir sind gewandert und haben die Insel mit dem Auto erkundet. Wir kochen uns leckere Sachen an Bord, am Heiligabend gibt es zb. Tintenfisch und gratinierte Muscheln und am 1. Feiertag Filet Mignon. Eine Nacht verbringen wir auch vor Anker in Papagayo und lassen so meine Eltern mal ein wenig an unserem normalen Leben auf dem Ankerplatz teilhaben, denn in der Marina koennen wir nur liegen, weil Mutti und Vati die Kosten uebernehmen. Am letzten Abend gehen wir dann nochmal schoen essen in Playa Blanca, Norbert und Vati goennen sich Dorade im Salzteig. Das Wetter haette aber wirklich besser sein koennen, besonders da meine Eltern sich ja auf die Waerme gefreut hatten. Nachdem ich am 3.1 Mutti und Vati zum Flughafen gebracht habe, sie wollen erst nach Tenneriffa fliegen und von dort aus nach La Palma in ihr Ferienhaus fahren, gehts gleich weiter mit den Vorbereitungen zur Weiterfahrt. Einkaufen, verstauen, vorkochen und, und und. Es ist schon verrueckt, wieviel immer zu tun ist.

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Diesmal schaffen wir es, alles am Vorabend fertig zu haben, sodass wir am Dienstag den 4.1. ausgeruht starten koennen. Das ist auch noetig, denn lt. Wettervorhersage haben wir in den naechsten 48 Stunden mit Starkwind zu rechnen. Aber vorher heisst es mal wieder Abschiednehmen, von Ruediger und von der ” Kira von Celle” mit Detlef und Beate an Bord. Die beiden werden wir hoffentlich in der Karibik wiedertreffen, wir druecken Beate ganz doll die Daumen, das sie wieder gesund wird und wir unser Wiedersehen feiern koennen.

Gegen 11 Uhr sind wir dann endlich auf dem Meer und segeln erstmal gemuetlich mit dem Parasail zwischen den Inseln. 900sm liegen vor uns und wir sind beide aufgeregt, aber auch froh wieder unterwegs zu sein. Von den Kapverden versprechen wir uns ganz neue Eindruecke, denn jetzt verlassen wir Europa endgueltig, und vorallem freuen wir uns auf die Waerme. 2 Monate auf den herbstlichen Kanaren sind wirklich genug.
Als die erste Nacht hereinbricht, frischt auch der Wind auf. Wir bergen den Parasail und setzten die Arbeitsfock(28qm). Da wir den Wind genau von hinten haben, kommt auch unser Weihnachtsgeschenk zum Einsatz. Wir haben uns naemlich in Rubicon einen Spibaum gekauft und koennen nun das Segel ausbaumen. Es klappt gleich auf Anhieb, ein Glueck, hatten wir doch vorher keinen Spibaum an Bord, weil wir Angst vor der Handhabung auf dem wackeligen Vordeck hatten. Aber mit ein bisschen ueberlegen und ueben, gehts es unerwartet gut. Gut ausgebaumt gehts dann durch die Nacht und ich bin mal wieder seekrank. Anscheinend muss ich mich damit abfinden, das es mich immer wieder auf`s Neue erwischt.

Am Morgen nimmt der Wind weiter zu und wir segeln nun mit 3 Reff`s im Gross und unserer Sturmfock(13qm). Die Wellen sind mittlerweile ganzschoen hoch geworden und wir wackeln vorm Wind ziemlich hin und her. Die Tuer muessen wir geschlossen halten, denn immer mal spuckt uns eine besonders fiese Welle ins Cockpit. Wir haben Windstaerke 7-8 und das geht die naechsten 48 Stunden auch so weiter, 12 Stunden sogar mit 9 Bft. Das koennen wir trotz fehlenden Windmessers genau sagen, denn ab 9 Bft dreht der Windgenerator durch und gibt ganz komische Geraeusche von sich. Ein Gutes hat der dolle Wind ja, wir haben genug Strom und lassen das Radargeraet Tag und Nacht laufen. So brauchen wir nur mal ganz kurz zum Rundumblick nach draussen, aber selbst der kurze Moment reicht manchmal zum nass werden. Aber der Radar ist wichtig, denn hier vor Afrikas Kueste herrscht reger Schiffsverkehr. Auf Sal sehen wir dann auch einen Segler, der sein Rigg verloren hat, weil er einen Frachter gerammt hat. Gluecklicherweise ist niemandem etwas passiert, aber der Riggschaden reicht ja auch.

Wir verbringen die Tage liegend im Salon, lesen , oder wer frei hat, schlaeft in der Sturmkoje. Da ich uns Huehnerfrikasse vorgekocht habe, brauchen wir nun im Sturm nicht zu kochen. Ich bin nach 3 Tagen zwar nicht mehr seekrank, aber der Balanceakt Kochen, waere wohl im Moment doch etwas zuviel.

Nach ca. 4 Tagen laesst der Wind dann endlich nach ( 24 Stunden Starkwind waren angesagt) und wir koennen unsere Segelflaeche wieder vergroessern. Und am Sonntag dann sogar den Parasail setzten. Jetzt laeuft unsere “Antje” wie auf Schienen, Norbert und ich kriechen wieder aus dem Bau. Eimerduschen mit Haarewaschen und anschliessender Suesswasserspuelung wecken unsere Lebensgeister, zumal sogar die Sonne hevorkommt. In den letzten Tagen war es naemlich immer sehr diesig, obwohl es jeden Tag ein wenig waermer geworden ist. Ein Blick in die Segel verraet es dann auch, wir haben Harmattan, das ist ein Wuestenwind aus Afrika, der jede Menge roten Staub mitbringt. Die Sicht ist auf 1sm begrenzt und ueberall, wirklich ueberall klebt roetlicher Staub. Da vorher die Segel und Leinen usw. mit Salzwasser besprueht wurden, klebt der Staub nun schoen schmierig daran. Man kann sich nirgendwo anlehnen oder anfassen, und abspuelen mit Salzwasser reicht auch nicht. Der Dreck ist hartnaeckig. Da wuerde wohl nur ein kraeftiger Regenschauer helfen, wir haetten ja nie gedacht, das wir uns sowas mal wuenschen.

In der Nacht zu Montag segeln wir auch noch mit dem Parasail, aber am Vormittag nimmt der Wind wieder zu und wir wollen das Segel bergen. Doch der Wind ist anscheinend schon zu stark, Norbert kann die Bergeleine nicht halten, sie rauscht ihm aus den Haenden und vertoernt sich an der Schot. Unsere Versuche durch Schotenfuehrung den Druck aus dem Segel zu nehmen und wieder an die Bergeleine zu gelangen, scheitern. Wir entschliessen uns, das Fall zu loesen, um so den Parasail runter zukriegen, denn der Wind nimmt auch immer mehr zu. Dabei faellt das Segel natuerlich ins Wasser und muss per Hand an Bord gezogen werden. Was wir nicht bedacht haben, die Lueftungsschlitze wirken wie riesige Taschen und fuellen sich mit Wasser, sodass man neben den 90qm Stoff, auch noch 200 l Wasser mit an Bord hieven muss. Die Aktion geht beinahe ueber unsere Kraefte, wir schreien beide vor Schmerzen in den Haenden und Armen, aber keiner von uns laesst los. Und so gelingt uns das scheinbar unmoegliche, wir schaffen es den Parasail zu bergen und es ist auch alles heil. All die tausend Leinen und Fluegel sind noch dran. Wir sind total geschafft, erst nach 30min sind wir in der Lage, die Fock zu setzen und weiterzusegeln. Der Parasail veschwindet in der Segellast, den will ich erstmal nicht mehr sehen. Uns schmerzen die Unterarme und die Finger, mein Ringfinger scheint im Gelenk irgendwie verdreht, ich kann gerade noch den Ehering abnehmen, bevor der Finger total anschwillt. Aber mehr ist auch nicht passiert, ausser das wir beide wie bedeppert dasitzen und ueberlegen, was wir falsch gemacht haben. Wahrscheinlich haben wir zulange gewartet und den Parasail zu spaet geborgen. Naja wieder was dazu gelernt.

Und am Abend werden wir dann irgendwie belohnt, unsere Angel rauscht ploetzlich aus und meldet so FISCH! Norbert kaempft eine Stunde, ihm tun gleich wieder die Arme weh, und dann koennen wir einen herrlichen Streifenthunfisch anlanden. Die Waage zeigt 12kg, das kann sich doch sehen lassen.

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Norbert filiriert den Fisch dann auch gleich und diesmal probieren wir rohen Thun, mariniert mit Zitronensaft. Nach 2 Stunden in der Marinade hat sich die Konsistenz total veraendert und erinnert an Huhn und schmeckt auch ein bisschen so. Also das ich mal rohen Fisch esse, haette ich nicht gedacht.

Nun fiebern wir unserer Ankunft natuerlich noch mehr entgegen, haben wir doch jetzt lecker Fisch fuer unsere Freunde Anke und Martin von der “Just do it” im Gepaeck. Dank E-Mailempfang per Sailmail haben wir schon ausreichend Informationen ueber Sal, unsere erste Kapverdische Insel, erhalten und am Dienstag frueh, wagen wir auch an den heutigen Landfall zudenken. Die letzten Segelstunden sind dann mal wieder herrlich, wir experimentieren noch mit den Segeln umher, die Genau wird mithilfe des Grossbaums auf der anderen Seite ausgebaumt, und dann sind wir auch schon fast da. Sal zeigt sich zwar auch erst im letzten Moment im Dunst, aber dank GPS und Radar, wissen wir genau wo wir sind. Die letzten Stunden auf See nutzen wir zum aufraeumen und saubermachen, soweit es bei dem Staub geht. Auch die Mannschaft macht sich landfein und dann sehen wir die ersten Masten der Ankerlieger in Palmeira. Als wir in die Bucht einlaufen, treffen wir viele bekannte Boote, neben der “Just do it” sind auch die “Breakpoint” und die “Leoa” da. Man trifft sich also immer wieder und braucht garnicht so traurig sein beim Abschied. Nach dem Ankermanoever, wenn das Wasser ploetzlich wieder steht, gibt es den Ankunftssekt, welchen wir bei endlosem Geplapper mit Anke und Martin trinken. Jeder hat soviel zu erzaehlen und darum wird auch beim gemeinsamen Thunfischessen auf der ” Just do it” weiter geschwatzt. Bis wir nicht mehr koennen und in unsere Kojen fallen.

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Endlich wieder zu gleichen Zeit ins gleiche Bett, keiner braucht Wache sitzten.
Ankommen ist doch am Schoensten!

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