5.2. Alvor
Geschichten aus Alvor - Treffpunkt Alvor
Das schönste und interessanteste an einem langen Aufenthalt an einem Ort, sind die Menschen die man trifft. Wir haben viele nette Leute kennengelernt und mit einigen Freundschaft geschlossen.
Da ist zuerst einmal Armando, ein Einheimischer, den wir natürlich auf der Sandbank treffen. Armando ist viele Jahre als Fischer zur See gefahren und spricht deshalb gut englisch, sodaß die Verständigung super klappt. Nun führt Armando ein schönes Leben, wie er uns immer wieder versichert. Er geht jeden Tag für 3 Stunden auf die Sandbänke und sammelt 20kg Muscheln. Die verkauft er dann an Restaurants oder in Portimao im Meeresfrüchteladen. Davon kann er gut leben, er ist sein eigener Boß und kann Urlaub machen, wann er will. Seine Arbeitszeit wird ihm nur von den Gezeiten vorgeschrieben. Das gefällt ihm gut, denn er schläft gern lange und geht auch gern mal die ganze Nacht nach Praia de Rocha in die Disco. Armando ist uns ein guter Freund geworden, wir haben oft ein Barbeque zusammen gemacht und uns unterhalten. Oder er ruft an, Antje komm zur Sandbank, ich habe Makrelen und Sardinas für euch. Einandermal bringt er uns Kartoffeln, Kohl, Limetten und Granatäpfel. Und wenn Armando bei uns eingeladen ist, hat er immer eine Flasche Wein und zum Nachtisch eine Melone dabei.
Armando fährt mich mit seinem Auto jederzeit nach Portimao, ob zum Seekarten kopieren, oder zum einkaufen. Er findet unser Vorhaben, den Atlantik zu durchsegeln, verrückt. Als Fischer hat er schweres Wetter erlebt und mag das Meer nicht. Aber er versteht unsere Abenteuerlust und hilft uns wo er kann. Wir sind traurig, als wir uns von einander verabschieden müssen.
Dann sind da Klaas und Cobi, wir haben sie ebenfalls auf der Sandbank kennengelernt. Die beiden sind aus den Niederlanden und mit ihrem Boot “Buik” unterwegs. Der Name bedeutet Stein und das passt auch, denn die “Buik” ist aus Ferrozement und sieht trotz ihres Alters und einer überstandenen Weltumsegelung noch tipitopi aus. Klaas und Cobi sind nicht auf “Circum navigation” die haben sie vor 9 Jahren beendet. Damals waren sie 6 Jahre unterwegs und erzählen noch heute begeistert von ihren Erlebnissen. Jetzt liegt die “Buik” in Portimao und die beiden segeln im Urlaub an der Algarve umher. Wir haben viel Spaß miteinander, Klaas verrät Norbert, wie er mit Epoxi ein Schwert für unser Dinghi selber laminieren kann und lernt mit ihm Englisch. Cobi und ich unterhalten uns über Gott und die Welt und bringen der ganzen Lagune viel Spaß, als wir gemeinsam mit dem Dinghi versuchen zu segeln. Noch 2 Tage später ist diese Aktion Thema in der Lagune. Nach gemeinsamen 2 Wochen bringen wir Klaas und Cobi zum Flughafen, sie müssen wieder nach Hause. Jetzt halten wir Kontakt per E-Mail und haben eine Verabredung zum Tango tanzen in Argentinien. Wenn wir dort sind, wollen die beiden uns besuchen, darauf freuen wir uns schon sehr.
Auch Chantal und Jan Gerrit, aus den Niederlanden, haben wir auf der Sandbank näher kennengelernt. Am Vortag waren sie in die Lagune gesegelt und hatten eine aufgeblasene Welt ( ein Wasserball) im Cockpit hängen. Nun stellt sich heraus, das sie hier und heute ihre 2jährige Weltumsegelung mit ihrer Segelyacht “Pinical” beendet haben. Da gibt es dann natürlich beim abendlichen Treffen viel zu erzählen und Norbert und ich sind froh über Informationen aus erster Hand. Chantal und Jan Gerrit machen uns Mut, viele “Story`s” kann man glatt vergessen. Sie haben keine wirklich schlechten Erfahrungen gemacht und würden jederzeit wieder zu einer Reise starten. Denn 2 Jahre sind viel zu wenig, sagen sie. Aber nun müssen sie nach Hause, zurück in den kalten Norden, zurück ins normale Leben. Die Beiden sind traurig und wollen auf jedenfall irgendwann wieder los. So fahren sie dann auch eher halbherzig aus der Lagune und drehen ihren Bug gen Norden. Als wir das letztemal von ihnen gehört haben, waren sie in Nordspanien. Wir haben E-Mailkontakt und werden hören wie es weitergeht.
Dieter haben wir nicht auf der Sandbank getroffen, denn dort geht er nur hin, wenn er Muscheln als Angelköder braucht. Dieter ist Deutscher, in Tehran geboren, in Thailand aufgewachsen, in Deutschland gearbeitet und Geld gemacht, lebt er nun schon 11 Jahre in Portugal. Seit einigen Monaten auf seinem neuen Motorboot, er kommt ins Schwärmen, wenn er vom Kauf seiner “Drallen Deern” erzählt. Dieter ist der Angelkönig in der Lagune, Norbert hat viel von ihm gelernt. Und seid wir Dieter kennen, ist die Versorgung mit Fisch überhaupt kein Problem mehr. Er ist jederzeit für eine Angeltour zu haben und Norbert ja sowieso. Manchmal muß ich die beiden richtig bremsen, aber jeden Tag Riesenportionen Fisch muß ja auch nicht sein. Zumal Dieter Fisch lieber angelt als isst und somit keine Hilfe bei der Essensbewältigung ist. Zum Abschied hat uns Dieter seinen besten Köder geschenkt und dem haben wir es auch zu verdanken, daß wir auf der Überfahrt zu den Kanaren die 3 schönen Goldmakrelen gefangen haben. Wir werden Dieter`s Geschichten über den Blue Marlin, seine Zeit als Schatzsucher in Portugal und sein Seglerleben in Thailand nicht vergessen. Bei jedem Fisch den wir fangen, denken wir an ihn.
Mit Tom und Tatjana von der “Breakpoint” lagen wir ja schon 4 Wochen gemeinsam im Limfjord, nun treffen wir uns hier in Alvor wieder und genießen gemeinsam den Süden und die Sonne. Tom und Tati sind ja erst durch den Caledonischen Kanal gesegelt, um eigentlich an der Westküste Irlands zu fahren. Aber das Wetter hat mal wieder nicht mitgemacht, so sind sie dann zwischen England und Irland gen Süd gesegelt. Über die Biskaya und in kurzen Sprüngen immer an der Küste runter, nach Alvor. Wir sitzen oft zusammen und erzählen, machen gemeinsam mit unserer Freundin Maren einen Ausflug zur Westküste und mit anderen Seglern, eine Beachparty. Tom und Tatjana werden wir immer wieder treffen und so kommt dann auch keine zu große Trauer auf, als die beiden die Lagune verlassen, um nach Madeira zu segeln.
Dann treffen wir noch Inga und Sören von der “Show”, sie sind auch durch den englischen Kanal gefahren und haben kurze Sprünge an der portugiesischen Küste, südwärts gemacht. Die beiden wollen über die Kanaren und Kapverden in die Karibik segeln und dort für ein Jahr bleiben. Sören ist begeisterter Taucher und so fahren dann auch alle mal mit Dieter raus, um einen verloren gegangenen Anker zu bergen und zu angeln. Wir machen gemeinsam mit “Breakpoint” und “Show” ein Barbeque am Strand und haben viel Spaß. Und wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen mit den Beiden auf La Graciosa.
Eddi ist auch beim Strandbarbeque dabei, er ist einhand von Panama nach Alvor gesegelt, um sein Schiff von hier aus zu verkaufen. Vor 11 Jahren ist er mit seiner Lebensgefährtin und seinen beiden Kindern zu einer Weltumsegelung gestartet und dann an Panama`s Ostküste, also auf der Pazifikseite, “hängengelieben”. Er hat sich dort eine Existenz aufgebaut, indem er Land gekauft hat und ein Feriendorf gebaut hat. Aus seinen Erzählungen haben wir erfahren, das es ihm gut gefällt. Er und seine Familie haben ein neues zuhause gefunden. Und nun will sein Schiff verkaufen, er braucht es nicht mehr. Obwohl ihn bei der Überführungsfahrt wieder die Segelleidenschaft gepackt hat und er nun noch an der Algarve umhersegelt, bevor sich ein Käufer für das Boot findet. Wenn wir nach Panama kommen, werden wir ihn auf jedenfall besuchen.
Und dann kommen auch Anke und Martin mit ihrer “Just do it”. Wir haben die beiden im letzten Jahr in der dänischen Südsee kennengelernt und sind seitdem in Kontakt. Sie konnten erst Ende Juli starten, aber nun haben sie uns eingeholt. Auf unsere E-Mailbitte hin, haben sie 10l Spiritus aus England für uns an Bord. Kurz nach ihren Ankunft kommen unsere Freunde Jan und Simone aus Deutschland, und so haben wir dann zu sechst jede Menge Spaß. Muschelessen auf der “Antje”, eine durchtanzte Nacht in der Disco von Lagos, indisches Curry auf “Just do it” und gemeinsames Trockenfallen und Schiffsbodenschrubben auf der Sandbank. Es sieht toll aus, als unsere beiden Schiffe nebeneinander in der Morgensonne hoch und trocken stehen und ihren schmutzigen Bauch zeigen. Aber nicht lange, nach 3 Stunden sind beide Schiffe sauber, wir dafür aber voller Schlamm. Da Anke und Martin in Alvor noch auf einen neuen Kühlschrank warten müssen, sind wir eine Woche vor ihnen nach La Graciosa gestartet und warten nun hier auf die beiden. Wir wollen uns noch für das lecker Abschiedsessen revanchieren und sie hier gebührend willkommen heißen.
Anders und Troest mit ihrer kleinen Segelyacht “Thule” kommen aus Dänemark und es ist wirklich nett anzusehen, wenn morgens 2 braungebrannte Jungs, mit hellblonden Haaren und weißen Boxershorts aus dem Boot krabbeln, sich die Augen reiben und über die Reling ins Wasser springen. Simone ist auch begeistert, als ich sie an ihrem ersten Morgen, mit dem Ruf, “guck mal nach Dänemark”, auf dieses Schauspiel aufmerksam mache. Anders und Troest wollen für ein Jahr in die Karibik, erzählen sie mir beim gemeinsamen Muschelsammeln auf der Sandbank. Nachdem ich ihnen gezeigt habe wie es geht, sind die beiden ganz wild auf die Shell`s. 4 Tage hintereinander essen sie Muscheln, aber dann reicht es auch ihnen erstmal. Das letztemal wurden sie auf Madeira gesichtet, sie wollen auch hierher nach La Graciosa. Also werden wir sie wiedersehen.
Und dann ist da noch mein englischer Patient. Mit ihrem Boot “Tree Brothers” wollen Jeremoy und Marianne, zwei englische Waldorfschullehrer, ins Mittelmeer. Jeremoy hat sich ganz schlimm den Fuß verbrannt, als er Parrafin in eine brennende Lampe! füllt. Am schlimmsten war, das er auch noch einen Badeschuh bei dieser Aktion anhat, der natürlich Feuer fängt und am Fuß schmilzt. Der ganze Fuß ist von großen Brandblasen bedeckt und stark angeschwollen. Ich öffne die Blasen unter so sterilen Bedingungen wie es eben geht und dann versuche ich mit Antibiotikasalbe eine Infektion zu vermeiden. Ich verordne dem Fuß Ruhe, das fällt Jeremoy schwer, aber schon nach 2 Tagen geht es ihm besser und beim täglichen Verbandwechsel ist auch eine Verbesserung in Sicht. Das ist nochmal gut gegangen, wenn sich die große Wundfläche infiziert hätte, hätte er große Probleme bekommen. Die beiden bedanken sich mit einem Grillabend bei uns. Für Norbert wurden extra Steak`s gemacht, aber er kann garnicht am Essen teilnehmen, denn nun ist er krank. Irgendwie hat ihn Montezumas Rache erwischt und nun liegt Norbert für 2 Tage flach. Wir hoffen das Jeremoys Wunde weiter heilt und “Tree Brother`s” eine schöne Zeit im Mittelmeer hat.
Wolfgang ist Norbert`s erster Arbeitgeber, als er mit seiner 15m langen Reinke in die Lagune kommt, sieht er unser Schild, das Norbert Schweißarbeiten anbietet und sitzt eine halbe Stunde später an Bord und erteilt den ersten Auftrag. Wolfgang kennt die Algarve wie seine Westentasche, denn er ist hier 8 Jahre Charter mit seinem Schiff gefahren. Nun hat er eine Orangenplantage am Rio Guardiana und segelt nur noch zum Spaß. Norbert soll die Reling schweißen, die Wolfgang sich abgefahren hat, da irgendwann der Anker mal nicht hielt. Das passiert dann einige Tage später wieder und bringt Wolfgang den Namen “The Anchor” ein, denn immer neue Ankermanöver scheinen sein Hobby zu sein. Norbert repariert die Reling, und wird noch zusätzlich mit 10l Feigenschnaps im Plastekanister, entlohnt. Also Schnaps haben wir nun erstmal genug an Bord. Eines Tages holt Wolfgang den Anker freiwillig hoch, gibt noch einmal Signal und segelt aus der Lagune.



