3 Von Daenemark nach England, Helford River
Reisebericht Nr.3
Hurra, wir sind dem Limfjord entkommen und nach 9 Tagen harter Segelei in Südwest-England, im Helford River, angekommen. 800sm liegen hinter uns, und die hatten es in sich. Aber der Reihe nach.
Am Freitag den 2.7. packt uns Aufbruchstimmung, denn in der 5-Tage Vorhersage, werden das erstemal moderate Winde aus NO für den Englischen Kanal und die Nordsee vorrausgesagt. Also ab in den Hafen von Lemvig, Wasser bunkern und Lebensmittel einkaufen. Abends grillen wir dann noch ein letztes mal in unserer Ankerbucht und machen unsere “ANTJE” abfahrbereit. Das heißt, unser Dinghi kommt auf`s Vordeck, der Aussenborder an`s Heck und alles wird wieder segelfest verstaut.
Am Samstag dann der Tiefschlag. Jetzt heisst es in der Vorhersage plötzlich nicht mehr NO 4-5Bft. sondern 7-9Bft. Norbert und ich sind total frustriert und sehen uns schon im Limfjord überwintern. Aber bei 8 Windstärken durch den Kanal?
Nachdem am Sonntag dann “nur” noch 48 Stunden Sturm vorhergesagt wird und die Richtung mit NO weiterhin gut ist, beschließen wir es zu wagen. Da müssen wir jetzt durch, wir halten das Warten nicht mehr aus. Uns so gehen wir am Sonntag den 4.7. um 14.00 Uhr Anker auf, verlassen den Limfjord und segeln in die Nacht. Vorher müssen wir uns von der Küste freikreuzen, denn der Wind kommt noch aus SW mit 5Bft.
Ich gehe, bzw. sitze die erste Wache von 22-02 Uhr, dann wechseln wir uns 4stündlich ab. Als am Montag morgen der Wind dann auf NW dreht, nimmt er auf 6-7Bft. zu und Norbert und ich haben beide mit der Seekrankheit zu tun. Norbi geht es etwas besser, er kann sich für einige Zeit auch im Schiff aufhalten, aber ich gehe nur zum schlafen runter.
Wir segeln mit 2 Reff`s im Groß und der kleinen Fock, können aber nun wenigstes unseren Kurs anliegen. Am Dienstag früh lässt der Wind dann etwas nach, kommt nun aber wieder von vorn, so daß wir kreuzen müssen, aber dafür scheint die Sonne. So richtig Meilen schaffen wir an diesem Tag nicht und außerdem sind wir angespannt, weil für morgen der NO Sturm angesagt ist. Aber heute nacht liegen wir erstmal in einer Flaute und werden in der Dünung umhergeschlagen.
Als am Mittwoch um 4 Uhr die Sonne aufgeht, kommt ein leichter Wind aus Nord und wir segeln unter Blister nach SW. Und dann gehts langsam los, um 10 Uhr Genua hoch, um 12 Uhr die Fock und ab 14 Uhr segeln wir unter Sturmfock und 3 Reff`s im Großsegel vor dem Wind, der jetzt 7-8 Bft. hat.
Wir müssen per Hand steuern, denn unsere Selbststeueranlage, die Aries, hat auf Vorwindkursen Probleme die Wellen auszusteuern, zumal wenn sie so hoch und konfus laufen. Als Norbert mich um 18 Uhr ablöst, hat der Wind mittlerweile 9 Bft. und die Wellen sind beeindruckend, im Mittel 4m, im Höhepunkt des Sturm`s, nach dem Monsterboen schätzen wir 10m, und nass wenn sie über`s Deck ins Cockpit waschen. Wir nehmen das Groß ganz runter und nun steuert Norbert uns die ganze Nacht durch den Sturm, der Monsterboen von 11 Bft. hat. Ich bin unten im Schiff, navigiere uns durch das Verkehrstrennungsgebiet und die Ölbohrfelder und versorge Norbert mit heißen Getränken. Die Seekrankheit scheint überwunden. Norbert ist mittlerweile total nass, denn es kommt jetzt auch noch Wasser von oben. Das Boot springt wie wild in den Wellen umher und es ist total laut. Der Wind kreischt im Rigg, die Wellen schlagen an die Bordwand und irgendwo klappert immer etwas. Am schlimmsten sind die Geräusche, wenn der Windgenerator durchdreht und sich mit einem schrillen Pfeifen ausschaltet. Ich liege im Salon auf dem Boden, um Norbi draussen im Blick zu haben, aber als die See immer konfuser wird, verbannt er mich in die Sturmkoje, damit ich mich nicht verletze, falls wir querschlagen. Jetzt klopfe ich alle 5 min. gegen die Wand und wenn er zurückklopft, weiß ich das alles soweit i.o ist. Es ist wirklich gruselig.
Donnerstag 4 Uhr ist es geschafft, der Wind lässt nach und glücklicherweise werden auch die Wellen kleiner. Als der Wind dann ganz einschläft, starten wir für eine Stunde den Motor um der Restwelle zu entkommen. Als wir die Segel wieder setzen können, fahren wir immer auf einer Linie auf und ab, denn jetzt haben wir nicht nur den Wind von vorn, sondern auch noch die Strömung.
Aber glücklicherweise haben wir vor Harwich freien Seeraum, keine Schifffahrtslinie und keine Ölfelder. Um 12 Uhr kippt der Strom, wir gehen auf Kurs und segeln im Sonnenschein in Rauschefahrt auf die Straße von Dover zu. Ich sehe einen weißen Delphin kurz neben unserem Schiff schwimmen und wir finden Segeln im Moment mal wieder schön. Kaum gedacht und im Cockpit gemütlich gemacht, frischt der Wind auf und eine Gewitterwand naht. Also wieder Vorsegelwechsel und ein Reff ins Groß. Das können wir mittlerweile perfekt.
Nachdem das Gewitter vorbei gezogen ist, dreht der Wind wie versprochen auf Nord und wir segeln nur mit der Fock vorm Wind in die schwarze Nacht. Es regnet wie aus Kannen und nachdem wir beide einmal klitschnaß geworden sind und wir uns überzeugt haben, das unser elektrischer Pinnenpilot auch ohne uns da draussen zurechtkommt, verkriechen wir uns beide in den trockenen Salon und eröffnen hier unsere Kommandozentrale. Als wir in das Verkehrstrennungsgebiet fahren, melden wir uns per UKW bei Dover Coastguard an und haben nun das beruhigende Gefühl, von denen auf dem Radar verfolgt zu werden, denn neben uns zieht ein Dampfer nach dem anderen vorbei und wir sehen absolut nichts. Es ist stockdunkel und regnet. Der Wind frischt weiter auf und da haben wir es dann wieder. 8Bft. und unsere geliebte rote Sturmfock zieht uns Südwärts. Vom trockenen Salon aus, lenken wir per Fernbedienung, navigieren mittels Laptop und C-Map und gucken durch´s Radar, hören über UKW. Da soll noch einer sagen, die Reinke hätte keinen geschützen Steuerstand. Nachdem wir doch nochmal ins Nasse hinaus mußten, um uns mit dem Motor von einer Untiefenheultonne freizuhalten, gibts drinnen bei Sturm und Regen in der Dover Strait erstmal gemütlich Frühstück. Da es uns schmeckt, sind wir wohl mittlerweile Seefest und sicher auch ein bißchen abgestumpft.
Als am Freitag die Sonne aufgeht haben wir das Schlimmste hinter uns, die Kreidefelsen vor Dover leuchten und wir sind “Drinnen, in the Engl. Channel”!!!
Und nun heißt es West machen, immer an der englischen Küste entlang. Aber nicht etwa einfach so gerade aus, nein, natürlich immer auf Kreuzkurs, denn der Wind kommt mal wieder von vorn und alle 6 Stunden auch der Strom. Norbert und ich sind mittlerweile ziemlich müde, die Stürme, das ewige Segelwechseln, denn auch jetzt haben wir zeitweise Starkwind mit 6-7Bft. und die Wenden, die wir immer zu zweit fahren müssen. Wir versuchen unseren 4 stdl. Wachrhytmus einzuhalten, aber wirklich 4 Stunden Ruhe hat keiner von uns beiden und langsam macht sich der Schlafmangel bemerkbar. Aber ob wir deswegen beide Stimmen hören ist fraglich. Norbi hört Gespräche in Englisch und ich wollte gestern fast auf eine Frage von Kati antworten.
Wir warten ab, wie sich dieses Phänomen entwickelt, sollten die Stimmen lauter werden, teilen wir die auch zur Wache ein.
Tja und so gehts dann auch am Samstag und Sonntag bei Starkwind aus SW-W immer im Schneckentempo Richtung Kanalausgang und wir sind zeitweise sehr frustriert, besonders wenn der Strom uns die hart ersegelten Meilen wieder wegnimmt. Am Sonntag gegen 17 Uhr schläft der Wind dann plötzlich ein, damit uns der Strom nicht wieder total zurücksetzt, starten wir für 3 Stunden den Motor und ruhen uns aus. Nachdem Abendbrot und etwas Schlaf geht es uns besser und wir haben uns damit abgefunden noch einige Tage unterwegs zu sein, obwohl es nur noch 139sm bis Falmouth sind.
Und als wenn wir für unsere Geduld belohnt werden sollen, setzt gegen 22 Uhr der RICHTIGE Wind aus NW mit 3-4Bft. ein. Wir können unser Glück kaum fassen. Das erstemal im Kanal geht es direkt auf Kurs voran. Wir rauschen mit 7kn durch die Nacht. Bis Montag morgen um 10 Uhr hält der Wind durch, wir haben 70sm geschafft und konnten mal richtig 4 Stunden in unserer Freiwache schlafen. Was für ein tolles Gefühl. Danach begeben wir uns wieder auf die Kreuztour. Aber nach den 12 Stunden Rauschefahrt nehmen wir es gelassen, zumal die Sonne scheint. Norbert hat inzwischen die Aries repariert, so daß jetzt auch einer allein die Wenden fahren kann.
Am Dienstag früh sind wir noch 10sm von Falmouth entfernt, der Wind ist weg und wir starten den Motor. Kurs auf den Helford River. Am 13.7. um 14 Uhr fällt der Anker und wir sind angekommen.
So richtig glauben können wir es noch nicht, und so vergammeln wir den Tag. Wir gönnen uns eine Süßwasserdusche im Cockpit und genießen die Ruhe. Nachdem wir das Schiff nochmal umgelegt haben, da wir verbotener Weise auf dem Austernbänken geankert haben, fallen wir um 22 Uhr totmüde ins Bett, mal wieder beide zur gleichen Zeit, ins gleiche Bett.
Unsere Vorderkoje haben wir die ganze Zeit nicht genutzt, es ist die einzige Salzfreie Zone auf dem ganzen Schiff. Wir schlafen tief und fest. Den heutigen Mittwoch haben wir genutzt um unser Schiff nochmal umzulegen, scheint ein neues Hobby zu werden, und per Schlauchboot die Umgebung zu erkunden. Wir haben rausgefunden wo man duschen und Wäsche waschen kann, haben Geld geholt und uns nach den Busverbindungen nach Falmouth erkundigt. Dorthin wollen wir am Freitag fahren, in ein Internet Cafe gehen und den Reisebericht abschicken. Und nun könnt ihr lesen wie es uns geht und was wir erlebt haben. Wir sind glücklich, dem Limfjord entkommen zu sein, diese anstrengende Strecke gemeistert zu haben und freuen uns auf die Weiterfahrt nach Süden, denn heute regnet es hier, obwohl die Temperatur schon bei 20 Grad liegt. Also dann drückt uns weiterhin die Daumen, bisher war es schon ganz gut, aber es kann besser werden!