maris-navigaris

1.12.2006

11.1. Kolumbien

Abgelegt unter: 017 Kolumbien — admin @ 20:25

Geschichten aus der Karibik

Cartagena Kolumbien

Nach nur 4 Tagen angenehmen Segelns, kommen wir am 1.5.2006 abends in Cartagena an. Die etwas aufregende Einfahrt, welche nur 60m breit und durch eine Unterwassermauer!!! begrenzt ist, passieren wir im letzten Buechsenlicht und dann empfaengt uns das Lichtermeer der Stadt. Wir werden an unsere Ankunft in Salvador erinnert. Der gleiche Geruch, die Lichter der Hochhaeuser, der Containerhafen gleich um die Ecke, Musik von der Strasse reicht bis zum Ankerplatz. Wir sind gluecklich, diese Passage bei guten Wetterbedingungen geschafft zu haben, denn spaeter hoeren wir immer wieder, das andere nicht so ein Glueck hatten. Die riesigen Wellen, die bei etwas mehr Wind an die Kueste Kolumbiens rollen, haben schon vielen Seglern zu schaffen gemacht, Mastbruch und andere Schaeden am Schiff mit eingeschlossen. Da haben wir wirklich Glueck gehabt, auch das wir die Stroemungsgrenze bei Tageslicht passiert haben. Denn dort schwimmen auf ca. 20sm Laenge und 5sm Breite wahre Urwaldriesen im Wasser. Treibholz wohin man auch schaut, von klein und ungefaehrlich bis zu richtigen Baeumen, die schon halb Umterwasser schwimmen und so eine echte Gefahr fuer den Schiffsrumpf darstellen. Wir haben aber gute Sicht und ruhige Bedingungen und koennen uns slalomfahrend durchschlengeln. Besser nicht dran denken, was haette passieren koennen, wenn es dunkel gewesen waere.

Egal, es ist geschafft und wir ankern vorm Club Nautico, wo wir unser Dinghi sicher festmachen und alle Serviceeinrichtungen fuer 12 Euro die Woche nutzen koennen. Dort treffen wir Manfred, der fuer uns die Einklarierungsformalitaeten erledigt und uns auch bei der Beschaffung vieler Kleinigkeiten behilflich ist. Manfred lebt schon seid Jahren in Cartagena, ist hier verheiratet und da er als Schiffsausruester arbeitet, kennt er sich natuerlich aus und kann wirklich alles besorgen. Wir sind einen Tag mit ihm mit dem Taxi unterwegs und koennen so unsere Argonflasche auffuellen lassen, bekommen Spiritus und erledigen zahlreiche Punkte auf unsere “Liste”. Manfred ist wirklich sehr hilfsbereit, er schreibt uns sogar eine Bestellliste auf Spanisch, sodass wir unsere Zutaten fuer die Wurstherstellung beim Fleischer bestellen koennen.

Womit wir bei einem unserer Lieblingsthemen sind, Fleisch. Die Auswahl ist wirklich riesig, es gibt alles in ausgezeichneter Qualitaet und im Gegensatz zu Brasilien ist hier das Rindfleisch immer gut abgehangen und geschmacklich perfekt. Fuer die Wurstherstellung benoetigen wir Schweinefleisch, auch das gibt es hier und so koennen wir wieder 20 Glaeser Leberwurst, Suelze und Presskopf einkochen und die Wurstversorgung fuer die San Blas Inseln ist gesichert.
Der naechste Supermarkt ist nur eine Minute von Yachtclub entfernt, also holen wir uns schon zum Mittag mal schnell ein Steak, frischen Salat und kommen somit gut ueber den Nachmittag, bevor wir dann abends zum Essen in die Stadt gehen. Wir geniessen es sehr, mal wieder ohne Probleme abends auszugehen, die Preise sind niedrig, und besonders im El Bistro ist das Essen immer lecker. Das El Bistro gehoert zwei jungen Deutschen, Mirko ist Baecker und er betreibt neben der Baeckerei auch noch das Restaurant. In den drei Wochen, die wir in Cartagena sind, werden wir fast zu Stammgaesten und ueber Mirko bestellen wir auch 25 Kilo Mehl.

Die Altstadt von Cartagena ist wirklich wunderschoen, die alten Kolonialbauten sind in gutem Zustand, teilweise sehr aufwendig restauriert und durch die Praesenz der Militaerpolizei auch sicher. Das Gewusel auf den Strassen ist unglaublich. Ueberall Staende an denen es alles zu kaufen gibt, der Schuster neben dem Obststand, der Fleischer gleich gegenueber vom Schraubenladen. Es macht Spass in der Stadt Besorgungen zu machen. Nach einigem Suchen bekommt man fast alles, so kaufen wir z.B das Material aus dem Badelatschen gemacht werden und lassen es uns so zusammenkleben, das wir Sitzpolster fuers Cockpit bekommen. Norbert stoebert stundenlang in den Ferreterias, er findet zwar nicht immer das was er braucht, aber am Ende kauft er doch was, auch wenn er es nicht braucht, Spass machts auf jedenfall.
Wenn man eine Lieblingshose hat, kauft man einfach Stoff, geht in die Naeherei und nach einem Tag ist die genaue Kopie der Hose fertig. Das geht auch mit Lederschuhen so.
Vom Club aus kann man zu Fuss in die Stadt gehen, mit dem Taxi fahren, oder man nimmt ein Motortaxi. Das sind Motorraeder, die man als Taxi erkennt, weil der Fahrer einen zweiten Helm dabei hat. Als wir das erstmal rausbekommen haben, sind wir fast nur noch damit unterwegs, denn so kommt man am billigsten und schnellsten voran. Wir fahren auch mit den buntbemalten Bussen, die Kassierer schreien das Fahrziel um so Fahrgaeste zu bekommen, wir verstehen garnichts, kommen aber trotzdem immer ans Ziel.
Wir fuehlen uns seit langer Zeit wieder mal wohl in einer Stadt und gemeinsam mit Gina und Peter, die wir in Aves kennengelernt haben, ziehen wir auch abends durch die Kneipen und gehen tanzen. Die Musik begeistert uns zwar nicht so sehr wie in Brasilien, aber es ist ein tolles Gefuehl, wieder ausgehen zu koennen. Durch Zufall erfahren wir, das es ein Kino gibt, indem jeden Donnerstag deutsche Filme gezeigt werden und so gehen wir auch mal wieder ins Kino. Das Goetheinstitut stellt die Filme zur Verfuegung und die Vorfuehrung ist kostenlos.

Aber wir gehen nicht nur aus, sondern sind auch fleissig. Wir lassen uns ein Sonnendach naehen, welches gleichzeitig zum Regenwassersammeln dienen soll. Der Segelmacher naeht es zwar, aber wir haben mit dem Besorgen des Stoffs, dem Ausmessen und dann dem hinterhertelefonieren genug zu tun. Ausserdem naeht Peter uns einen Sonnenschutz fuer die Fenster im Salon. Wir haben eine lustigen Sonntag im Club, Peter sitzt an der Naehmaschine, ich fahre mit dem Dinghi hin und her, um die Teile, die Norbert an Bord ausgemessen und zugeschnitten hat, zu holen, versorge Peter mit Bier und bin auch sonst fuer alle Handlangerarbeiten zustaendig. Gina bringt was zu essen und haelt uns von der Arbeit ab. Wir haben jede Menge Spass und am abend ist dann alles fertig und sieht richtig gut aus. Zum Dank laden wir Peter und Gina zum Essen ein, natuerlich ins El Bistro.

Und dann das Einkaufen, fuer 4 Monate brauchen wir Vorraete an Bord und natuerlich sollen Jan und Simone auch wieder gut zu essen bekommen, wenn sie uns besuchen. Einkaufswagen fuer Einkaufswagen verschwindet im Schiff. Am Ende mag ich keinen Supermarkt mehr sehen und auch der Geldautomaten, den wir jeden Tag besuchen, nervt langsam.
Und da der Besuch von Jan und Simone immer naeher rueckt, heisst es Abschied nehmen von Cartagena. Drei schoene, heisse, aufregende, aber auch anstrengende Wochen liegen hinter uns und wir freuen uns auf die Inseln. Bei herrlichem Wetter segeln wir zu den 20sm entfernten Islas Rosario, verbringen dort zwei Tage und dann geht es weiter, 200sm zu den San Blas Inseln nach Panama.

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