maris-navigaris

1.4.2006

Venezuela die Atolle

Abgelegt unter: 016 Venezuela die Atolle — admin @ 11:28

Geschichten aus der Karibik

Weiter gehts auf die Inseln

 

Norbert und ich verbringen noch einige Tage auf Coche und segeln dann zurueck nach Margarita. Und der Einkaufsstress geht wieder los. Wir organisieren Spiritus, fuellen die Vorraete auf, besorgen Benzin und Antifouling und machen einen Werfttermin in Chacachacare aus. Dort wollen wir fuer eine Woche aus dem Wasser, um unser Unterwasserschiff mit neuem Antifouling zu versehen. Am Montag den 19.2. sind wir dann auch puenktlich am Werftsteg, aber da es die letzten beiden Tage stark geregnet hat, ist es nicht moeglich zu kranen und wir muessen uns gedulden, bis der Boden wieder getrocknet ist, sodass der Travellift fahren kann. Aber wir nutzen die Tage am Steg um unseren Motor zu spuelen und einige Lakierarbeiten im Boot zu machen. Viele Leisten sind durch die taegliche Beanspruchung nicht mehr schoen anzusehen und so schleifen und streichen wir fleissig, bis es dann am Mittwoch heisst, Schiff aufs Land.
In Rostock sind wir immer mit einem Kran aus dem Wasser gehoben worden, hier haengt die “Antje” das erstemal in einem Travellift. Alles geht ganz einfach und nach 30min stehen wir hoch und trocken. Die naechsten Tage sind wir ganz fleissig, wir saeubern das Unterwasserschiff und bringen eine neue Schicht Barrier auf, darauf folgen dann 2 Schichten Antifouling. Die Pinne wird abgeschliffen und neu lackiert, wir bauen neue Opferanoden an und Norbert schmiert die Hydraulik fuer den Motor. Ich mache mich am vorletzten Tag noch einmal auf zum Supermarkt, um die restlichen Einkaeufe zu erledigen, wollen wir doch die naechsten 6 Woche fernab der Zivilisation verbringen.
Wir muessen zwar noch einen Tag laenger an Land bleiben, bis die Ueberweisung der Rechnung ankommt, aber dann, um 230 Euro aermer, dafuer mit neuem Unterwasseranstrich, schwimmen wir wieder und loesen auch gleich die Leinen, um noch nach Cubaqua zu segeln. Dort angekommen, geniessen wir das tolle Gefuehl wieder auf dem Wasser zu sein, keine Mosquitos mehr, die Hitze ist vorbei und wir sind allein, herrlich.

Nach einem Tag Erholung starten wir am Samstag noch vor Sonnenaufgang nach Tortuga. Erst kommen wir mit kraeftigem Wind gut voran, durch das neue Antifouling sind wir auch 1 kn schneller als sonst, aber am Nachmittag schlaeft der Wind ein und wir muessen die letzten 20sm motoren, um noch im Hellen anzukommen. Denn ab jetzt stimmen die Seekarten nicht mehr genau und man muss mit den Augen navigieren, um den Korallenriffen auszuweichen.
Auf Tortuga bleiben wir 10 Tage, vom Boot aus koennen wir die Seesterne auf dem Grund sehen, wir ankern vor einem weissem Sandstrand und koennen uns an den unterschiedlichen Blautoenen des Wassers garnicht satt sehen. Wir baden, schorcheln, wandern und geniessen die Einsamkeit. Da ich in Porlamar Rinderfilet vakumverschweisst kaufen konnte, haben wir auch jeden Tag etwas zum Grillen am Strand. Wir tauschen unseren kleinen 12V Fernseher gegen zwei riesige Langusten und essen davon bis zum Abwinken. Es geht uns wirklich gut, nach dem Werftaufenthalt haben wir jetzt erstmal Urlaub.

In einer Nachtfahrt geht es 90sm weiter nach Los Roques, die Fahrt ist sehr schaukelig, Wind und Welle passen nicht zusammen. Aber als die Sonne aufgeht, werden wir belohnt. Die Inselgruppe liegt vor uns, umgeben von einem riesigen Aussenriff, gibt es etliche Inseln. Die Farben des Wassers sind unglaublich, alle Blau und Gruentoene sind vorhanden und wir muessen uns wieder, vorsichtig Ausschau haltent, in die Ankerbucht schlaengeln. Das ist immer sehr aufregend, aber Uebung macht den Meister. Bald koennen wir anhand der Wasserfarbe erkennen, wie tief es ist. Dunkelblau ist tief, je heller es wird, umso flacher. Weiss ist ganz flach und auch wenn sich ein braeunlicher Schimmer zeigt, ist Vorsicht geboten. Dann sind naemlich Korallenkoepfe unter uns. Ich habe in den Buechern von Fahrtenseglern schon oft von der Eyeball Navigation gelesen, haette aber nicht gedacht, das es sogar Spass macht. Der beste Platz zum Gucken ist von Hoch oben, also klettern wir auf die Saling und geben von dort aus den Kurs vor.
Am naechsten Tag machen wir einen Dinghyausflug nach Grand Roque, die Hauptinsel, auf der sich auch die Pensionen und kleinen Hotels befinden. Der Tourismus boomt und in jeder Ankerbucht gibt es Powerboote, die die Touristen an den Strand bringen. Der Tourismus ist aber fuer uns garnicht schlecht, denn so koennen wir auf Grand Roque ins Internet und bekommen sogar frische Tomaten und Kartoffeln zu kaufen. Und da ich heute Geburtstag habe, gibt es sogar ein Eis.
Wir verholen uns nach Crasqui, hier finden wir beim Strandspaziergang eine kleine Lagune, die bei Niedrigwasser abgeschlossen ist und in ihr 5 markrelenartige Fische, die anscheinend die Tide verpennt haben und nun gefangen sind. Da erwacht natuerlich der Jagtinstinkt bei Norbert und er versucht 40min lang, einen Fisch mit der blossen Hand zu greifen und schafft es tatsaechlich. Ein lecker Abendessen ist gesichert. Die Touristen, die am Strand stehen und angeln, gucken nicht schlecht, als Norbert mit dem grossen Fisch in der Hand vorbeikommt. Und er hat nicht mal eine Angel dabei.
Einen Tag spaeter geht es gleich weiter nach Sarqui, wieder navigieren wir uns mit den Augen in die Bucht. In Sarqui haben wir nun unsere Trauminsel gefunden, eine Woche liegen wir hier vor Anker. Jeden Tag gehen wir schnorcheln und koennen uns an der Unterwasserwelt garnicht sattsehen, immer gibt es etwas neues zu entdecken. Oder Norbert faehrt mit dem Dinghy angeln und bringt viele kleine Snapper mit zurueck, die ich wie Brathering sauer einlege. Lecker, lecker.
Nach einen Tag in Carenero, wo es uns aber nicht so gut gefaellt, denn man liegt mitten in Mangroven, fahren wir zu unser letzten Insel auf den Los Roques, nach Cayo de Aqua. Hier gibt es sogar eine Kokospalme, die uns mit Trinknuessen versorgt und wir treffen die “Tanoa” mit Michael und Sylvia wieder. Gemeinsam verbringen wir noch eine Woche hinterm Riff, der Wind blaest kraeftig und wir koennen die Brecher sehen, die aufs Aussenriff preschen. Getruebt wird unsere Zeit ein wenig durch meinen Unfall, als wir auf den Klippen umherwandern, stuerze ich und schlage mit den Kopf auf. Die Wunde ist ziemlich tief und blutet stark. Zurueck an Bord, muss ich feststellen, das der Wundkleber, den ich extra fuer solche Gelegheiten habe, eingetrocknet ist und mein Klammerpflaster zu schwach ist, um die Wundraender zusammenzuhalten. Gluecklicherweise hat “Tanoa” noch staerkeres Klammerpflaster und so ist nach einer Woche dann auch alles wieder verheilt, aber eine Narbe darf ich als Andenken behalten.

Wir warten noch einen Tag ab, aber als es mir weiterhin gut geht und ich keine Kopfschmerzen bekomme, machen wir uns gemeinsam mit Micha und Sylvia auf den Weg zu den 30sm entfernten Los Aves. Die Fahrt ist wieder rollig und dann bricht uns auch noch der Schaekel an dem unser Parasail haengt. Wir holen ihn schnell runter und es geht alles gut, aber mit der Genua rollen wir noch mehr hin und her. Naja am Nachmittag ist es geschafft und wir liegen wieder gut geschuetzt vor Anker. Die Wellen in der Karibik sind genau so kurz und steil wie auf der Ostsee. Wir vermissen die grosse, lange Atlantikwelle.
In unser ersten Ankerbucht sind wir umgeben von tausenden von Voegeln. Pelikane, Fregattvoegel und Toelpel kommen ganz dicht am Schiff vorbei und als wir mit dem Dinghy in die Mangroven fahren, sehen wir die Jungen in den Nestern sitzten und auf Nahrung warten. Die jungen Toelpel sehen aus, wie Schneeflocken, sie haben weisse Federn, die ganz aufgeplustert sind und gucken neugierig, wer da wohl zu Besuch kommt. Alle Voegel sind sehr zutraulich, wir muessen aufpassen, das sie uns nicht auf den Kopf ka…..
Am naechsten Tag fahren wir in eine andere Bucht und errreichen damit unseren spektakulaersten Ankerplatz auf der bisherigen Reise. Wir ankern inmitten von Korallenriffen, um uns herum nur Wasser, keine Insel voraus und trotzdem liegt man geschuetzt. Das Wasser um uns herum ist flach, leuchtet in allen Farben, aber unterm Kiel haben wir 12m Wassertiefe. Das Wasser ist unheimlich klar, als Norbert beim Fischfilitieren das Messer reinfaellt, koennen wir es von oben sehen. Norbert und ich bleiben 10 Tage an diesem unglaublich schoenen Platz, wir machen Dinghyausfluege zu den anderen Inseln, und seitdem ich meinen ersten Fisch allein gefangen habe, muss dabei immer die Angel mit. Schnorcheln kann ich leider nicht, wegen der Kopfplatzwunde, aber Norbert macht mit Micha zusammen einige Tauchgaenge und Schorchelausfluege und sie sind begeistert. “Tanoa” faehrt ab nach Curacao und die “Antje” ist wieder allein auf dem Ankerplatz. Fast jeden Tag gibt es jetzt Fisch, Barrakuda, Markrele und Snapper. Eine finnische und eine amerikanische Yacht kommen auf unseren Platz und gemeinsam treffen wir uns abends am Strand zur Happy Hour. Jeder bringt eine Kleinigkeit zu essen mit, aber da wir alle nicht mehr viel haben, gibt es meistens Fisch. Aber so bekommen wir von den Finnen ein tolles Rezept fuer den Barrakuda und die Amerikaner geben uns Tips, wie man die Riesenfluegelschnecke(Conch) am besten zubereitet.
Fuer zwei Tage gehen wir noch in eine andere Bucht und treffen dort Gina und Peter. Gina ist Kolumbianerin und erzaehlt uns viel von ihrem Land und auch Peter meint, wir sollen unbedingt nach Cartagena segeln. Und da die Zeit nun doch draengt, denn Jan und Simone wollen uns Anfang Juni auf den San Blas Inseln besuchen, nehmen wir Abschied von den Los Aves und von Venezuela und machen uns auf den Weg nach Bonaire. Hinter uns liegen 6 herrliche Wochen auf den Offshore Inseln, wir haben die Zeit hier sehr genossen und unser Bild von Venezuela hat sich gebessert und wir werden sicherlich nur die schoenen Erlebnisse in Erinnerung behalten.

Die Fahrt nach Bonaire ist ruhig, keine Welle, dafuer aber auch wenig Wind und wir muessen die letzen Meilen wieder motoren. Bonaire sehen wir nur bei Nacht, wir ankern um 20 Uhr und fahren am naechsten Morgen ganz frueh weiter, nach Curacao. Leider unter Motor, denn es weht kein Lueftchen und Curacao kann man nur im Hellen anlaufen.
In Spaanse Water angekommen, werden wir gleich von Christ und Eliza in Empfang genommen, wir haben die beiden Niederlaender auf Testigos kennengelernt. Sie haben hier ein Auto und fahren mit uns umher, zeigen uns die Insel und sind uns bei den zahlreichen Erledigungen behilflich. So haben wir nun wieder ausreichend Spiritus an Bord, konnten ein wichtiges Teil fuer unseren Wassermacher besorgen und auch alle anderen Sachen erledigen.

Ja und nun werden wir noch diesen Reisebericht auf den Weg bringen und dann geht es auch bald weiter, immer Richtung Westen. Wir planen den Besuch von Cartagena und Ende Mai werden wir auf den San Blas Inseln sein, wo wir bis Oktober bleiben wollen. Danach dann der Panamakanal, aber vorher hoert ihr wieder von uns. Wir hoffen ihr hattet viel Spass beim Lesen und wir konnten euch alle ein wenig teilhaben lassen an unserer Reise. Wir denken oft an zuhause, aber wir haben kein Heimweh. Die Ferne lockt uns weiterhin und wir freuen uns schon auf unsere neuen Erlebnisse.

läuft stressfrei mit WordPress ( WordPress.de )