Venezuela
Venezuela
Isla Margarita
In Porlamar, auf der Isla Margarita, empfaengt uns eine ganz eigene Welt. Es ankern ca. 80 Yachten aller Nationalitaeten hier, in der Hurrikansaison sollen es sogar 150 Boote sein. Aber die Bucht von Porlamar ist gross, sodass es kein Platzproblem gibt. Dafuer aber Sicherheitsprobleme, wie wir schon bald am eigenen Leib erfahren muessen. So gibt es zb. ein Funknetz, welches jeden Morgen ueber UKW stattfindet. Bezeichnenderweise ist die erste Rubrik, Meldungen ueber Diebstaehle oder aehnliche Katastrophen in den letzten 24 Stunden. Es wird taeglich darauf hingewiesen, Dinghis ueber nacht nicht im Wasser zu lassen, sondern hochzuziehen und zu sichern, genauso wie Aussenborder und an Deck liegende Dinge. So holen wir also auch, das erste Mal seit Beginn unserer Reise, das Beiboot am Abend an Deck, legen den kleinen Aussenborder gesichert ins Cockpit(den 15 PS Aussenborder haben wir auf anraten anderer Segler sowieso schon in der Backskiste versteckt), verschliessen alle Backskisten und sogar die Tuer zum Salon. Die Lucke ist mit Gitterstaeben gesichert und die Signalpistole liegt geladen neben dem Bett. Wir kommen uns vor wie im Knast und es gibt immer wieder Naechte in denen wir trotzdem nicht schlafen koennen und bei jedem Geraeusch aufschrecken.
Aber unsere schlechten Erfahrungen sammeln wir dann ganz wo anders. Und zwar auf dem Weg zum Yachtzubehoerhaendler, der als einziger Laden zu Fuss zu erreichen ist. Andrea und Heinz von der “YabYum” und auch Sascha und Amrei von der “Sarei”, die wir hier wiedertreffen, sind dort schon oft zu Fuss gewesen und meinen es sei kein Problem. So kommen wir dann auch mitten am Tag unbehellig fast bei Vemasca an, als ein entgegenkommender Venezuelaner ploetzlich sein Messer zieht und uns damit bedroht. Er zeigt auf meine Handtasche und fuchtelt dabei mit dem Messer umher. Jetzt geht alles ganz schnell, Norbert versucht den Typen von mir wegzustossen, aber er entreisst mir die Tasche und haut ab. Wir schreiend hinterher. Er verschwindet in einem Dornengebuesch, Norbert schmeisst ihm alles was er finden kann hinterher, ich laufe auf die Strasse, um ein Auto anzuhalten. Aber niemand haelt an, alle haben Angst. Dann kommen vom Vemasca Gelaende ein Angestellter und ein Waechter. Sie haetten den Raeuber auf der Flucht noch gesehen und der Waechter haette ihm sogar hinterher geschossen. Zum Beweis zeigt er uns eine leere Patronenhuelse. Wir koennen uns zwar nicht erinnern, einen Schuss gehoert zu haben, aber was solls. Sie fragen uns, was denn in der Tasche gewesen sei, gluecklicherweise hatten wir aber nicht viel Geld dabei, nur 50 000 Bolivares, das sind ca.18 Euro. Als ich 50 000 sage, bleibt den beiden der Mund offenstehen, sie denken, ich meine 50 000 Dollar. Als ich sie aufklaere, faellt die Klappe wieder. Aber leider waren in der Tasche auch unsere Schluessel fuers Boot, mein Spanisch-Deutsches Woerterbuch und mein Adressbuch. Na vielleicht lernt der Trottel, der uns beklaut hat, ja jetzt deutsch.
Der Angestellte von Vemasca und ich schlagen uns auch noch durchs Gebuesch, ich hoffe die Tasche zu finden, nachdem der Raeuber das Geld rausgenommen hat, aber nichts. Ein freundlicher Venezuelaner der nun doch noch angehalten hat, faehrt uns zurueck zur Marina, denn uns ist wirklich nicht wohl bei dem Gedanken, hier nochmal zu Fuss zu gehen.
Zurueck an Bord, brechen wir bei uns selber ein, geht ganz leicht( haben wir danach geaendert, jetzt kommen wir selbst nicht mehr rein) und bauen gleich ein neues Schloss in die Tuer. Wir sind beide fix und fertig, wir koennen es noch garnicht fassen, das uns das passiert ist und so haben wir verstaendlicherweise auch keine grosse Lust auf eine Silvesterparty, denn heute ist der 31.12.2005, der letzte Tag des Jahres, es kann also nur noch besser werden. Um 22Uhr schliessen wir uns ein und warten auf das neue Jahr.
Obwohl wir von unserem Ueberfall nicht auf dem Funknetz berichtet haben, spricht es sich doch herum und so muessen wir uns neben troestenden Worten auch so manchen dummen Spruch anhoeren. Die Palette reicht von “aber das weiss doch jeder, das man dort nicht zu Fuss langgehen darf” (na wir wusstens halt nicht) bis zu “selber schuld” und “die Menschen sind hier ja sooo arm”. All diese Sprueche machen uns wuetend, wer ist denn hier schuld, wir bestimmt nicht und das die Menschen arm sind, ist auch kein Freibrief fuer Verbrechen. Irgendwie haben wir den Eindruck, das die Segler die hier schon fast festgewachsen sind, den Blick fuer die Realitaet verloren haben. Sie suchen nach Vorwaenden, um nicht weiter fahren zu muessen, entschuldigen sich fast fuer ihre Dummheit, wenn ihnen etwas passiert und versuchen einfach sich an die Gefahren anzupassen. Diese “Kopf in den Sand” Mentalitaet koennen und wollen wir nicht verstehen, dafuer sind wir ja auch mit einem Boot unterwegs, wenn es uns nicht gefaellt, koennen wir weiterfahren. Denn ein Ende dieser negativen Entwicklung in Venezuela ist nicht abzusehen, Chaves will keine Touristen in seinem Land und tut auch nichts, um deren Sicherheit zu verbessern, im Gegenteil, er hat oeffentlich im venz. Fernsehen, die Menschen dazu aufgerufen, es sich von den Reichen zu nehmen. Und dazu gehoeren wir Yachties nun mal, auch wenn wir nicht reich sind.
Aber wir erleben auch angenehme Dinge in Margarita, zb. Austern schluerfen am Strand, Treffen mit netten Seglern und natuerlich ausgedehnte Einkaufsbummel. Nach den hohen Preisen in Tobago und Trinidad, koennen wir hier wieder guenstig bunkern und auch mal im Restaurant essen gehen. Die Preise sind nur etwas hoeher als in Brasilien und das Angebot an Obst und Gemuese ist wieder umwerfend. So fuellen wir dann auch unsere Vorratsschapps bis zum Rand und erstehen auf dem Markt sogar einen Schweinekopf um Wurst zu machen. Ich will die ganze Schweinerei hier nicht beschreiben, aber am Ende haben wir etliche Glaeser mit selbstgemachter Leberwurst, Presskopf und Hausmachersuelze gefuellt. Da lacht Norberts Herz, trotz der vielen Arbeit. Wir wecken auch Gulasch, Koenigsberger Klopse, Hack und Gefluegel ein, davon koennen wir dann wieder lange zerren.
Als die Glaeser alle verbraucht sind und wir die Wackelei am Ankerplatz ueber haben, verziehen wir uns fuer ein paar Tage zur Isla Coche an den Strand und verbringen dort eine schoene Zeit mit anderen Yachten. Wir treffen uns zur Grillparty, Kuchenverkostung oder zum Volleyballspiel am Strand
Helmut, Birgit und die Kinder von der “Amazone” sind auch hier. Helmut ist Chirurg und hat mir den Abzess, der sich nach meiner Ohrenentzuendung gebildet hat, aufgeschnitten und haelt nun jeden Tag seine Visite am Strand ab. Alles heilt prima.
Wir haben eine schoene Zeit nach dem stressigen Porlamar, aber dann heisst es zurueck nach Margarita , denn wir erwarten Besuch. Am 20.1.06 kommen Maret und Iko zu uns. Wir haben die beiden im letzten Jahr auf La Graciosa, siehe Reisebericht “Ankern in der Bahia Francesca”, kennengelernt und waren seit dem in Kontakt per E-Mail und nun kommen sie uns wirklich besuchen, wir freuen uns sehr.