10. Franzoesisch Guyana
Bonjour Franzoesisch Guyana, wir segeln zu den Iles du Salut
Am Montag den 10.10.05 verlassen wir die Ilha dos Lencois und damit Brasilien, wir sind auf dem Weg nach Franz. Guyana, zu den Iles du Salut, die aus drei Insel bestehen, der Ile Royale, der Ile du Saint-Joseph und der wohl bekanntesten Ile du Diable, der Teufelsinseln, bekannt durch den Roman “Papillon”.
Hier einige Auszuege aus unserem Logbuch:
Montag 10.10.05
600sm liegen vor uns, nachdem wir die vorgelagerten Flachs von Lencois verlassen haben, wir mussten kreuzen, nehmen wir Kurs auf die Iles du Salut. Es ist ziemlich ruppig, so dauert es dann auch nicht lange bis ich wieder mit der Seekrankheit zu kaempfen hatte. Die ersten Tage auf See sind immer schrecklich, wir muessen uns erst wieder an die Schiffsbewegungen gewoehnen, sind aufgeregt und angespannt. Nach zwei Tagen, geht es dann besser, wir haben unseren Rhytmus gefunden.
Nachts um 1.22 Uhr ueberqueren wir den Aequator und sind somit wieder auf der Nordhalbkugel, nahe der Heimat. 8 Monate und 3 Tage haben wir uns unten im Sueden aufgehalten, es war wirklich eine tolle Zeit, jetzt geht das Meilenfressen wieder los.
Dienstag 11.10.05 Etmal 133sm
Den ganzen Tag ueber haben wir guten Wind, wir segeln auf angenehmen Halbwindkurs. Ein schoener Tag, aber Norbi hat trotzdem einen schwarzen Moment, als naemlich der Blue Marlin, den er schon an der Bordwand hatte, sich wieder befreit. Er hinterlaesst uns eine schoen Schramme an der Bordwand, aber zum Trost faengt Norbert noch eine Golddorade zum Abendbrot. Die Nacht verbringen wir mit der Fischverarbeitung und Segelwechsel.
Mittwoch 12.10.05 Etmal 165sm
Mit dem tollen Halbwindkurs ist es nun vorbei, wir wackeln wieder vor dem Wind. Aber die See ist ruhiger geworden und trotz des schwachen Windes, kommen wir gut voran. Es ist schon am Morgen sehr heiss, wir verbringen den Tag mit Eimerduschen. Einen Teil der Dorade haben wir mariniert, heute abend gibt es paniertes Fischfilet und wir haben 6 Glaeser eingeweckt. Hoffentlich bleiben die zu. Wir haben die Winsch am Mast ausgebaut, gesaeubert und gefettet. Tat auch wirklich not, jetzt winscht sie wieder wie geschmiert. Heute hat Norbert kein Anglerglueck, aber wir haben ja noch genug Fisch von gestern.
Donnerstag 13.10.05 Etmal 140sm
Die Nacht war ruhig, Delfine haben uns zeitweise begleitet und auch einige Frachter waren zu sehen. Wir hatten wieder ein gutes Etmal, obwohl der Wind immer noch schwach ist. Eine angenehme Fahrt, sogar die Wackelei haelt sich in Grenzen. Heute ist Brotbacktag, Norberts Job, es gelingt auch super, er backt uns ein tolles Brot. Ansonsten verbringen wir den Tag mit Eimerduschen, baden und Schattenplatz suchen. Es ist sehr heiss, zumal der Wind immer mehr nachlaesst und wir eigentlich nur noch durch die Stroemung geschoben werden.
Abends um 20 Uhr wird von Kourou aus eine Ariane Rakete ins All geschossen, aber da wir noch 180sm entfernt sind, koennen wir nichts sehen, hoeren nur den Knall, als die Rakete die Schallmauer durchbricht. Aber Micha von der “Tanoa”, der extra zu diesem Anlass nach Franz. Guyana gefahren ist, kommt voll auf seine Kosten und macht tolle Fotos.
Freitag 14.10.05 Etmal 115sm
In der Nacht kommen wir nur schleppend voran, Zwar koennen wir unseren Kurs auf die Ansteuerung absetzen, aber auch mit Halbwind geht es nicht schneller. Hoffentlich koennen wir morgen Landfall machen, bis jetzt sieht es gut aus, aber unser Etmal geht runter! Naja fuer sowenig Wind, sind 115sm garnicht mal so schlecht. Am Mittag setzten wir den Blister, aber das bringt uns auch nicht viel mehr Speed. Da die Stroemung so stark ist und der Wind so schwach, koennten wir an den Inseln vorbeitreiben. Also entweder kommt mehr Wind, oder wir starten den Motor, oder fahren durch bis Tobago. Letzteres wohl eher nicht, erstens sind wir mit “Tanoa” verabredet, die uns lecker franz.Kaese aus Kourou mitbringen und zweitens wollen wir auch mal wieder schlafen. Wir werdern sehen, was die Nacht bringt.
Samstag 15.10.05 Etmal 98sm
Bis Mitternacht laeuft es bescheiden, wenig Wind, starker Seitenstrom, geringe Geschwindigkeit. Als der Wind etwas stetiger wird, koennen wir wieder auf Kurs gehen. Schon gestern abend hatten wir Funkkontakt mit einem Katamaran, der aus Suedafrika nach Belize ueberfuehrt wird. Heute morgen haben wir ihm dann den Tip gegeben zum Dieselbunkern nach Kourou zu gehen und ihm die Wegpunkte fuer die Ansteuerung gegeben. Denn sie haben keine Karten an Bord und auch kein C-MAP. Wir druecken ihnen die Daumen, das alles klappt. Und wir freuen uns auf die Ankunft.
Aber vorher wird es nochmal aufregend, wir haben mehrere Anbisse an der Angel. Ein Barrakuda befreit sich, bevor wir ihn an Bord hieven koennen, ein Glueck, der hat mir beim letztenmal sowieso nicht geschmeckt. Dann beisst eine Markrele , wir landen sie an, gibt es morgen abend geneinsam mit Micha und Sylvia, gegrillt. Und dann haben wir noch einen Hai am Haken, den wir aber wieder abschneiden. Norbert meint zwar, Hai schmeckt!, aber er sieht doch zu fies aus, mit den kleinen Augen und dem grossen Maul, den will ich nicht essen!
Um 13.30 Uhr faellt unser Anker vor der sagenhaft schoenen Kulisse der Ile Royale, wir haben es mal wieder geschafft. Der Ankerplatz sieht toll aus, um uns herum hohe Felsen in knallegruen. Aber ob ich baden gehe, weiss ich noch nicht, den Hai hatten wir nur 2sm entfernt von hier an der Angel.
6 Tage bleiben wir auf den Iles du Salut, wir treffen Micha und Sylvia von der “Tanoa” wieder, die uns aus Kourou einige franz. Leckereien mitbringen. Wir revanchieren uns mit unserer Makrele, gegrillt schmeckt es wirklich lecker. Wir besuchen die Ile Royale, hier befand sich frueher die Gefaengnissverwaltung. Es sind viele Gebaeude erhalten, einige beherbergen jetzt sogar ein Hotel. Wir durchstreifen die ganze Insel und Norbert und Micha versuchen immer wieder, eine der unzaehligen Kokospalmen zu erklimmen. Ohne Erfolg, wir muessen uns mit den runtergefallenen Nuessen begnuegen, aber auch davon gibt reichlich. An die Mangos kommen wir nicht ran, denn die Affen werfen nur die ueberreifen Fruechte runter, die dann als Matsch ankommen. Aber wir essen Acerolas direkt vom Stauch und finden spaeter auch noch Guaven. Verhungern muss man hier nicht, aber wie die Haeftlinge die Hitze ausgehalten haben, zumal sie noch schwer arbeiten mussten, koennen wir fast nicht begreifen. Aber es sind ja viele gestorben, obwohl man auf dem Friedhof nur die Graeber der Angestellten und ihrer Angehoerigen findet. Die Haeftlinge wurden einfach ins Meer, den Haien zum Frass vorgeworfen.
Als wir am naechsten Tag zur Ile du Saint-Joseph fahren, verschluckt uns kaum, das wir Land betreten, der Dschungel. Es ist angenehm kuehl im Schatten der Baeume und unheimlich feucht. Immer wieder lauschen wir auf dem Weg zum ehemaligen Zuchthaus, den Geraeuschen des Dschungels. Verfallene Gebaeude und Mauern werden sofort vom Gruen verschlungen, aber das unheimliche Labyrinth des Zuchthauses ist noch fast unversehrt. Die Zellen sind so klein, das man sich kaum vorstellen kann, das dort ein Mensch gelebt hat und manchmal sogar sein ganzes Leben lang. Es gruselt uns und so sind wir dann auch froh als das Zuchthaus hinter uns liegt und wir wieder das Meer sehen und die Voegel singen hoeren. Es war auch so unheimlich still dort, wir haben es kaum gewagt zu sprechen. Eigentlich ist es unfassbar, das es so ein Gefaengniss ueberhaupt gab, und das vor garnicht solange Zeit. Auf der Ile du Saint-Joseph gibt es jetzt einen Posten der Fremdenlegion, was irgendwie auch nicht beruhigend ist. Also verlassen wir die Insel wieder und machen unsere abendlichen Wanderungen lieber auf der Ile Royale. Da die Ile du Diable nicht betreten werden darf, machen wir nur einen Dinghyausflug dorthin und besehen uns alles von Wasser aus. Aber ausser undurchdringlichem Gruen und vielen Wasserschildkroeten gibt es nicht viel zu sehen.