maris-navigaris

24.6.2007

Tahanea

Abgelegt unter: 025 Tahanea — admin @ 09:56

Tahanea, Tuamotus, Franz. Polynesien Juni-July 2007

Das Auslaufen aus der Lagune von Amanu kommt einem Alptraum von mir sehr nahe. Die ablaufende Stroemung schiebt uns mit 7kn durch den Pass der nur 15m breit ist, umdrehen oder anhalten geht nicht. Das Wasser ist spiegelglatt, ich kann jede Koralle, an der wir vorbeischiessen, unter Wasser sehen. Voraus brechen sich die Stroemungswellen, vor Angst schreie ich Norbert zu; “Anhalten, anhalten, wir sind falsch!” Aber wo richtig ist, weiss ich auch nicht. Ich bin total in Panik. Vor uns ist die Monja schon durch und auf dem offenen Meer. Und ehe wir ueberhaupt irgendetwas etwas machen koennen, schaukelt es in den Stroemungswellen einmal kraeftig und  wir werden aus der Lagune gespuckt. Ich kanns noch garnicht fassen und fange erstmal an zu heulen, Schreck lass nach.
Draussen erwartet uns  wenig Wind, der aber am zweiten Tag auffrischt und uns nach Tahanea, ein von den Bewohnern verlassenes Atoll, blaest.
Puenktlich zum Sonnenaufgang und bei Stillwasser sind wir 3 Tage spaeter am Passeingang, der gluecklicherweise um einiges breiter ist. Diesmal verpassen mir, ploetzlich mitten im Pass auftauchende Delphine, einen kraeftigen Schrecken. Aber nur kurz, es sieht wirklich zu lustig aus, wie sie  versuchen, direkt vor unserem Bug aus dem Wasser zu springen.

Am Ankerplatz muessen wir wieder nach einem geeigneten Sandflecken fuer unseren Anker suchen. Das ist garnicht so einfach, die Flecken sind nicht gross genug. Am Ende setzten wir unsere beiden Bojen ein, die wir in Amanu am Strand gefunden haben. Je nach Wassertiefe, in bestimmten Abstaenden an die Ankerkette geschaeckelt, verhindern die Bojen, das die Kette absinkt und sich um die reichlich vorhandenen Korallenkoepfe legt. So werden  die Korallen nicht beschaedigt und die Kette kann bei einem Windwechsel nicht kurzstag kommen. Diese Bojen begleiten uns durch den ganzen Pazifik und wir setzten sie an jeden korallengespickten Ankerplatz ein.
Im Wasser schwimmen viele Schwarzspitzenhaie um unser Boot herum, hier werde ich wohl nicht baden gehen, aber Norbert ist begeistert. Er muss gleich mal nach dem Anker gucken, bewaffnet sich aber doch sicherheitshalber mit einem Spiess.
Zwei Tage bleiben wir an diesem Platz, dann sagt der Wetterbericht wieder staerkere SO Winde vorraus und wir wollen ueber die Lagune auf die andere Seite segeln. Die Winddrehung in Amanu hat uns gereicht, auf Legerwall zu liegen ist auch in einer Lagune kein Spass. Julia und Simon verabschieden sich, sie wollen weiter noch Tahiti, wo Julia zur Schwangerschaftsvorsorge Untersuchung muss, denn ihr Bauch ist jetzt nicht mehr zu uebersehen. Das Baby soll dann in Neuseeland zur Welt kommen.
Monja und wir machen uns auf den Weg, 10sm ueber eine korallengespickte Lagune, mit von den Franzosen retruschierten Karten. Ich sitze in der Saling und halte Ausschau, die Korallenkoepfe sind schon lange im Voraus zu sehen und wir stellen auch fest, das sie in Lage und Form den weiss retuschierten Klecksen auf der elektronischen Seekarte entsprechen. Nach drei Stunden in der Saling tut mir der Hintern weh und wir sind froh als der Anker vor einem paradiesischen Strand, ins 3m tiefe Wasser faellt.
Klar ist es wieder glasklar, sodass wir die Korallenfische von Bord aus sehen koennen und nach dem Anker braucht auch niemand zu tauchen. Wir koennen die Schleifspur vom Eingraben sehen.

Und nun haben wir wirklich das Gefuehl im Pazifik angekommen zu sein. Strahlende Sonnentage, leichter Wind der ueber die Kokospalmen streicht. Korallengaerten, durch die man mit Schnorchel und Taucherbrille wandern kann. Vollmondnaechte, in denen die Fische ums Boot herum springen und eine leuchtende Spur hinterlassen. Austernschluerfen am Strand. Kokosnussernten wenn man durstig ist(aber das Oeffnen will erstmal gelerntsein) und Hefespezialitaeten , direkt aus Monikas Bordofen.

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Riffwanderungen, bei denen man immer etwas neues Entdecken kann, herrliche Stunden im warmen Wasser direkt am Strand. Und als Norbert und Herwig dann auch noch erfolgreich auf Kokoskrabbenjagt gehen ist das Paradies perfekt. Was braucht man eigentlich noch?

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Wir traeumen in den Tag hinein, wie es waere auf solch einem Atoll zu leben. Das Boot einfach an den Strand setzten, eine Huette im Schatten der Kokospalmen zu bauen, versuchen Gemuese zu ziehen, zu fischen und zu jagen (vielleicht gibt es ja sogar noch wilde Schweine auf einer der anderen Motus).  Naja, vielleicht doch nicht das Boot an den Strand setzten, dann koennte man einmal im Jahr nach Tahiti segeln und Vorraete einkaufen.

warum-ist-es-immer-so-blau-unter-dem-boot.JPG

 wo-ist-der-supermarkt.JPG

Doch die Realitaet holt uns ein, ein Tiefdruckgebiet wird vorhergesagt und damit ist es erstmal vorbei mit dem SO Wind.  Wir muessen wieder ueber die Lagune auf die NO Seite. Dort treffen wir die La Gitana mit Michaela und Volker, die wir schon von Guenthers Pazific Island Funknetz kennen.
Nun sind wir also drei Schiffe, die je nach Wetterlage die Ankerplaetze wechseln. Insgesamt muessen wir uns 12mal verlegen, da soll noch einer sagen, das Wetter im Suedpazifik ist bestaendig.

 ich-sag-nur-11-mal-umziehen.JPG

Aber es hat auch seine Vorteile, so geniessen wir immer wieder neue Motus und Ankerplaetze und die Kokoskrabbenpopulation wird nicht zu stark dezimiert. Denn mittlerweile ist Volker auch Teil der Jagtgemeinschaft. Gegen 21 Uhr ziehen die Jungs in Gummistiefeln und langen Hosen (es ist doch sehr kratzig im Busch), bewafftnet mit Machete, Taschelampe und Kabelbindern, los. Die Krabben kommen nachts aus ihren Hoehlen um Kokosnuesse zu knacken. Daran kann man sehen, das sie kraeftige Scheren haben. Man sollte seinen Finger nicht dazwischen stecken, der waere dann ab.
Wenn jeder eine Krabbe gefangen hat, treffen sich die Jungs und binden ihren Krabben mit den Kabelbindern die Scheren zusammen und haengen sie dann an einen Baum. So koennen wir sie am naechsten Tag holen und dann gleich mal am Strand kochen und verspeisen. Denn wenn man die Kokoskrabbe erstmal getoetet hat, ist sie nicht lange haltbar und wir wollten nicht immer um Mitternacht zu Abend essen.
Herwig mag sogar den hinteren Teil der Krabbe, der eine Art Fett enthaelt, das auch bei den Polynesiern sehr beliebt ist. Wir anderen halten uns lieber an das leckere, zarte Fleisch der Scheren und Beine. Dazu gibt es was die Bordkuechen her geben.

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 Da die Jungs immer nur die ausgewachsenen maennlichen Krabben nehmen, sollte es kein Problem sein, zumal es auf den Motus hier nur so von Kokoskrabben wimmelt. Wahrscheinlich macht es sich schon bemerkbar, das Tahanea vor 2 Jahren verlassen wurde, denn auf den bewohnten Atollen gibt es keine Kokoskrabben mehr - alle aufgegessen.
Zu Fischen trauen wir uns hier nicht, wir koennen niemanden fragen wegen dem Ciquatera und Herwig hat seit Amanu Vergiftungssymptome,  dort hat er sich einen dicken Snapper gegoennt. Jetzt jucken ihm  Fuesse und Kopf und sein Temperaturempfinden ist umgekehrt.

Nach 4 Wochen heisst es dann aber doch wieder Abschied nehmen, die Vorraete gehen zur Neige, die Hurrikanzeit rueckt naeher, wir haben noch einen weiten Weg vor uns, und, und, und.
Aber unseren Traum werden wir nicht vergessen, wer weiss, vielleicht kommen wir nochmal zurueck nach Tahanea und dann setzten wir das Boot an den Strand …..
Antje an Bord der “ANTJE” in Bundaberg, Queensland, Australien

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