maris-navigaris

1.11.2006

Panama Las Perlas

Abgelegt unter: 020.1 Panama Las Perlas — admin @ 20:36

Am 30. Oktober erreichen wir, nach einem wunderschoenen Segeltag, Contadora, eine der Perleninseln. Ca. 33sm von Panama City entfernt, erwartet uns ein Inselparadies, welches nur auf Contadora von Touristen erobert wird. Alle anderen Inseln sind noch urspruenglich, es leben nur wenige Menschen in kleinen
Doerfern dort, die kleineren Inseln sind unbewohnt. In Contadora gibt es einige grosse Hotels, aber da zur Zeit keine Saison ist, sind wir fast allein auf der Insel. Wir geniessen die Ruhe, machen mit dem Dinghi Ausfluege zu kleinen Inseln, die nur bei Niedrigwasser zu betreten sind und vorallem begeistert uns das klare Wasser,
baden und schnorcheln ist wieder angesagt. Aber wir wollen die totale Einsamkeit, also machen wir uns nach drei Tagen auf den Weg, um andere Perleninseln zu erkunden. Auf Perdo Gonzales sind wir dann fast allein, nach zwei Tagen velassen auch die
beiden anderen Yachten den Ankerplatz, aber vorher machen wir noch eine Grillparty am Strand, denn Norbert hat eine grossen Hornhecht geangelt. Wir verbringen die Tage mit Strandwanderungen, Muscheln und Austern sammeln, angeln, baden und schnorcheln. Wir besuchen das Dorf, die Einheimischen sehen, nach den doch eher kleinen Panamesen, etwas furchteinfloessend aus. Sie sind ziemlich gross, kraeftig gebaut und sehr dunkel. Sie erinnern uns ein wenig an die Menschen in den Kapverden, sind wie diese auch sehr freundlich und da unser Spanisch mittlerweile ganz passabel ist, gibt es auch kaum
Verstaendigungsschwierigkeiten. So erfahren wir, das die Menschen hier groesstenteils vom Fischfang leben, ein einfaches, aber gesichertes Leben fuehren und das einzige, kriminelle Problem, die Kolumbianer darstellen, die ihre Drogen von Kolumbien nach Panama ueber die Las Perlasinseln, transportieren. Nun ja, mit Marihuana scheint es hier kein Problem zu geben, fast jeder Einheimische hat seine eigene Farm im Dschungel und sie waeren sogar bereit, uns etwas zu verkaufen. Aber wir lehnen dankend ab, das ist auch kein Problem, als sie hoeren das ich Krankenschwester bin. Nun soll ich mir gleich mal die Augenentzuendung der kleinen Tochter ansehen, in der Apotheke kann ich dann auch die richtige Antibiotikasalbe erstehen und alle sind zufrieden. Wir bekommen
im Dorf Limetten, Orangen, Bananen und riesige Gurken, die komischerweise am Baum wachsen, teils geschenkt, teils fuer wenige Dollar. Zwei Tage haelt uns ein Dauerregen auf dem
Schiff fest, genug Wasser um Waesche zu waschen und den Tank zu fuellen kommt vom Himmel, und noch viel mehr. Wir sind froh als die Sonne wieder scheint. Leider dreht nun der Wind und wir muessen uns auf die Suche, nach einem neuen Ankerplatz machen. Fuer eine Nacht verlegen wir uns nach San Jose, dann geht es weiter nach Isla del Rey. Hier machen wir unsere erste Flussexpedition, was danach zu unserem Hobby wird.
Es gibt auf jedem Ankerplatz immer einen oder mehrere Fluesse zu erkunden. Manche sind bei Hochwasser mit dem Dinghi zu befahren, mache kann man nur zu Fuss erkunden. Machmal
finden wir einen Wasserfall, oder muessen ueber Felsen bergauf klettern, was nicht ganz ungefaehrlich ist. Aber immer ist es aufregend im Urwald, die fremden Geraeusche, Urwaldriesen spenden Schatten, es ist kuehl und dunkel, wir sehen grosse und kleine Schlangen, viele Voegel und sind immer auf der Suche nach was Essbarem, finden aber nie was. Als die Trockenzeit beginnt und es nicht mehr regnet, werden die Fluesse immer wichtiger fuer uns, wir holen dort Wasser, waschen Waesche oeder fahren einfach nur zum Duschen hin. Als ein Tief angesagt ist, suchen wir uns einen rundherum geschuetzten Ankerplatz, was auf Isla del Rey nicht so schwer ist. Das Tief kommt, es blaest mit 25-30kn aus NW, wir bekommen nicht viel davon mit, aber spaeter hoeren wir, das einige San Blas Inseln ueberflutet worden sind, hoffentlich ist unserer Freunden in Yansaladup auf ihrem Riff nichts passiert.
In Colon ist ein Containerschiff, das dort vor Anker lag, gestrandet und zwei Yachten sind gesunken. Unser neu erstandenes Kurzwellenfunkgeraet gibt den Geist auf und wir muessen unseren tollen Ankerplatz verlassen und zurueck nach Panama City. Das ist zwar aergerlich, aber ohne Kurzwelle sind wir total abgeschitten von der Welt, denn das Handy funktioniert hier nicht. Wir segeln also zurueck nach PC und bleiben dort eine Woche, in der wir ausser Arbeit, auch viel Spass haben. Das Funkgeraet wird auf Garantiebasis repariert, wir gehen mal wieder einkaufen und erleben das Nachtleben von Panama. Ist zwar nicht mit Salvador/Brasilien zu vergleichen, macht aber trotzdem Spass. Und nach 6 Wochen Einsamkeit ist es wieder schoen Freunde zu treffen und lecker Sachen im Supermarkt zu kaufen. Jeden Tag gibts Steak und Salat, das haben wir in den Perlas am meisten vermisst. Nach einer Woche reichts uns dann trotzdem
mit Stadt und wir segeln zurueck in die Perlas. Diesmal segeln wir gleich durch zur Isla del Rey und suchen uns einen neuen Ankerplatz in Espirito Santo. Dieser Platz ist nun unsere zweite Heimat, immer wieder kommen wir spaeter hierher zurueck. Wir sind ganz allein, liegen gut geschuetz und in der Umgebung gibt es viel zu entdecken. Wir muessen uns jeden Tag entscheiden, an den Strand?, zum Wasserfall?, in den Fluss?, angeln?, Kochbananen ernten? Kokosnuesse pfluecken? schorcheln gehen? oder vielleicht auch mal nicht tun? Als Paul und Mayra mit der ‘Happydream’ ankommen, koennen wir ihnen schon
alles zeigen und gemeinsam gehen wir oft in den Urwald zum Fluss, Waesche waschen und Duschen, Mayra gruselt sich zwar vor den Schlangen, kommt aber trotzdem mit zu unseren Expeditonen. Gemeinsam besuchen wir das Dorf in der Naehe von Espirito Santo, wie auch in den anderen beiden Doerfern, gibt es hier viele Kinder. Sie sind sehr neugierig und aufgeschlossen, kommen doch nicht sooft Fremde vorbei und dann auch noch mit blonden Haaren. Wir unterhalten uns ein wenig, meist wird gekichert. Sie erzaehlen mir, das die Schule Spass macht, aber noch schoener ist es zu spielen. Und da Weihnachten vor der Tuer steht, gehts bald nur noch um die ersehnten Geschenke.
Als ich ihnen erzaehle, das wir soweit weg von zuhause, wohl keine Geschenke bekommen, sind die Kinder sichtlich erschuettert. Vielleicht helfen ja ein paar Limetten und Kokosnuesse, denn viel anderes ist jetzt im Dorf nicht mehr zu bekommen, die Trockenzeit hat eingesetzt und es ist keine Erntezeit.Aber wir koennen ein paar Kartoffeln und Eier erstehen und ausserdem sind wir ja noch gut versorgt vom letzten Einkauf.
Kurz vor Weihnachten wird es voll auf unserem Ankerplatz, nach und nach kommen andere Yachten und so verlegen wir die Weihnachtsparty an den Strand. Gemeinsam mit 8 andern Schiffen organisieren wir am 1. Feiertag ein Buefett, jeder steuert etwas bei, es gibt die leckersten Sachen zu essen. Ausser Truhthahn auch noch Fisch, Pizza, Pasta und jede Menge Salate.
Leider zwingt uns ein starker Regenguss nach dem Essen zur Rueckkehr, aber alle sind satt und hatten Spass. Nur das naechtliche Lagerfeuer, was Norbert schon entfacht hat,
fiel buchstaeblich ins Wasser. Vor dem Jahreswechsel verlegen wir uns nach Contadora, denn wir wollen Silvester in einem der Hotels feiern. Der Ankerplatz vor Contadora ist nicht wiederzuerkennen,
minds. 70 Motorboote und 10 Segelboote liegen hier. Die Insel ist bei den Panamesen anscheinend sehr beliebt. Da wir aber doch zu geizig sind, 65 USD pro Person auszugeben, beschliessen wir
einfach nur ins Restaurant Essen zu gehen und dann auf der ‘Tanoa’ weiter zufeiern. Das Essen ist teuer, wir muessen 3 Stunden darauf warten und werden nicht satt. Haetten wir mal gleich auf den Booten gekocht und gefeiert, das waere bestimmt lustiger geworden. Aber wie auch immer, wir haben den Jahreswechsel ueberstanden, 2007 und der suedliche Pazifik liegen vor uns. Am 3. Januar fahre ich mit der ‘Tanoa’ zurueck nach PC um meine Mutti vom Flughafen abzuholen, Norbert bleibt mit unserem Boot in Mogo Mogo, einer kleinen Inseln in der Naehe von Condarora. Am 5. Januar ist es dann soweit, ich kann meine Mutti in die Arme schliessen, obwohl sie Fliegen nicht mag, hat sie die lange Reise auf sich genommen und uns natuerlich auch all die gewuenschten Dinge aus Deutschland mitgebracht. Wir verleben drei schoene Tage in Panama City, Mutti geniesst
sie Sonne und die Hitze und wir erkunden sie Stadt, probieren die Koestlichkeiten von den Strassenstaenden, gehen auf den Markt, um mal wieder frische Sachen zu erstehen, schlendern durch die riesigen Einkaufszentren und freuen uns schon auf die Zeit in den Perlas. Am Montag gehts dann per Flugzeug nach Contadora, wo Norbert uns schon erwarten. Schnell zum Strand, ins Dinghi, zurueck auf“s Boot und schon zwei Stunden spaeter faellt wir in Mogo Mogo, vor einem weissen Sandstrand, der Anker. Mutti geht erstmal schwimmen, obwohl sie immer ein bisschen Angst
vor den Rochen hat, die hier auf dem Boden sieht. Den Abend verbringen wir am Strand, wir grillen das mitgebrachte Fleisch, essen frischen Salat und trinken Wein, bis die Sonne im Meer versinkt und uns die Nonos auffressen.Die Tage mit meiner Mutti vergehen wie im Flug, wir segeln nach Espirito Santo und weiter nach Cana Sul, gehen baden, erkunden die Fluesse, wobei Mutti immer tapfer mithaelt, finden im Rio Mosquito einen grossen Wasserfall, besuchen das Dorf, und fallen einen Tag auf der Sandbank trocken, und schrubben und streichen gemeinsam das Unterwasserschiff. Die Segeltrips geniesst meine Mutti nicht, aber sie jammert nicht und will auch mit uns zurueck nach Panama City segeln. An ihrem Geburtstag machen wir uns auf den Weg, ein kurzer Zwischenstop in Contadora und am naechsten Morgen geht es frueh los nach PC. Die ersten 15sm koennen wir hart
am Wind segeln, dann zu Muttis Freude Flaute und wir motoren bei spiegelglatter See zum Ankerplatz in PC. Wir verbringen noch 2 gemeinsame Tage in PC, gehen gut essen und besuchen das
Panamakanalmuseum, kaufen fuer Papa einen echten Panamahut und dann heisst es wieder Abschiednehmen. Meine Mutti steigt ins Flugzeug, mit Traenen in den Augen, die auch mir nicht
erspart bleiben. Wir hoffen der Urlaub hat Mutti gefallen, wir wissen noch nicht, wann wir uns das naechstemal sehen, denn wir muessen uns nun langsam aber sicher auf den Weg in den Pazifik machen. Das heisst fuer uns mal wieder verproviantieren, diesmal richtig, denn ab jetzt wirds nur noch teurer. Wir packen unser Boot bis an die Grenze voll, gehen sogar auf dem Grossmarkt um Obst und Gemuese saeckeweise zu kaufen. Am Ende passt wirklich nicht mehr rein und wir haben auch die Nase voll, von dem ewigen einkaufen. Beim Ausklarieren muessen wir dann Strafe zahlen,
denn wir waren zulange in Panama, da wir keine Verlaengerung beantragt haben. Die Strafe betraegt 190 USD, genauso viel, wie die offizielle Verlaengerung, also nicht aufregen und nach einem
anstrengenden Tag, haben wir endlich unseren Ausreisestempel im Pass und eine Fahrterlaubniss nach Tahiti, via Las Perlas, sodass wir dort noch einige Tage bleiben koennen. Wieder zurueck in den Perleninseln, besuchen wir diesmal die Insel San Jose und damit Dieter und Gerda. Die Beiden leben seid 25 Jahren hier, angekommen sind sie mit ihrem Stahlschiff ‘Seepferdchen’, von dem heute nur noch einige Reste am Strand zu finden sind. Dieters Traum war ein Robinsonleben auf einer einsamen Insel, da diese aber auch schon damals knapp waren, ist er umso gluecklicher hier in San Jose, was sicherlich fuer Gerda nicht immer einfach war. Sie erzaehlen uns, das sie die ersten 5 Jahre wirklich gehungert haben, denn wenn man im Urwald nichts Essbares anpflanzt, waechst auch nichts. Pflanzen bedeutet nicht gleich ernten, denn erstmal heisst es roden, duengen und vorallem die jungen Pflanzen vor allen moeglichen Tieren (Ratten, frueher auch Affen, Voegeln, Kaninchen und Wildschweinen) schuetzen.
Ausserdem giessen und hegen und pflegen. Dieter und Gerda kennen alle Pflanzen des Urwald`s, sie wissen welche Pflanze man wie nutzen kann, was sie nicht kannten, wurde folgendermassen
getestet. Erstmal ein kleines Stueck an die Zunge halten, passiert nichts, ein Stueck essen, 24 Stunden warten, etwas mehr essen, wenn dann immer noch alles ok ist, ist die Pflanze wohl essbar und nun musste Gerda sich Gedanken machen, wie man das am besten zubereitet. Per Handschlag wurde mit dem Eigner der Insel besiegelt, das Dieter und Gerda bleiben und das, von ihnen gerodete Land, bepflanzen duerfen. Nur ein Haus koennen sie nicht bauen und so hausen sie sehr einfach mit tollem Blick aufs Meer. Eine Pumpe foerdert das Wasser vom Fluss hoch,
Trinkwasser wird durch ein Filtersystem, das besteht aus einer sandgefuellten Tonne, gewonnen. Aber nicht der Sand filtert das Wasser, sondern die Algen die sich darin gebildet haben. Fuer uns ist alles hier ein Abenteuer, fuer Dieter und Gerda harte Realitaet. Dieter zeigt uns seine Plantage. Mangos, Orangen, Pampelmusen, Limetten, Bananen, alles hat er selber gepflanzt. Der Gemuesegarten ist das Sorgenkind, es waechst und gedeiht nur spaerlich und so gehoert es bald zu unseren festen Aufgaben, am Nachmittag zu giessen und Gerda bei der Versorgung der Ziegen, die aussehen wie Schafe, zu helfen. Ansonsten verbringen wir die
Tage hier mit Dieter und Gerda, und der Besatzung von zwei anderen Yachten, mit gemeinsamen kochen, etwas reparieren, Fruechte ernten und einfach nur rumsitzten und Dieters Geschichten lauschen. Rum fuer Dieter darf dabei nicht fehlen, wir begnuegen uns oft mit frisch gepressten Saeften.  Der Hoehepunkt unseres Aufenthalts, den ich als Besuch bei Oma und Opa auf dem Bauernhof bezeichne, ist das Schlachten und Verspeisen eines Ziegenschafs( es ist wirklich so eine Art Mischung). Norbert und Micha muessen das Tier packen, auf den Boden werfen und dann wird es von Dieter erschossen. Nun noch Kehle aufschneiden und ausbluten lassen. Helmut macht sich an`s haeuten und zeigt auch Norbert wie es geht. Die Frauen sind eher fuer die Zubereitung
zustaendig und am Nachmittag lassen wir es uns dann alle schmecken. Ich haette wirklich nicht gedacht, das es so gut schmeckt, wenn man das Fleisch grillt, ist es eher zaeh,
aber diesmal haben wir es geschmort, in einer lecker Rotweinsauce, mit vielen Gewuerzen. Da Rotwein dabei ist, schmeckt es Dieter auch. Und dann verspricht der Wetterbericht einigermassen stabile Winde fuer den Weg nach Galapagos
und wir wollen nun endgueltig aufbrechen. Vorher versorgen wir uns noch mit sovielen Pampelmusen und Orangen von Dieters Plantage, das wirklich bis zu den Gambierinseln reicht.
Beim Abschied fliessen wieder Traenen, wir haben die Zeit bei Dieter und Gerda sehr genossen und wuenschen den beiden noch einige schoene Jahre in ihrem Paradies und der Villa Hamlin
(setzt sich zusammen aus Hamburg und Berlin, ihren Heimatstaedten) Am 13.3, kein Freitag, sondern Dienstag, geht es los in Richtung Galapagos. 900sm liegen vor uns und erstmal
gehts es unter Parasail hinaus aus der Bucht von San Jose und schon bald liegen die Perleninseln hinter uns. Ueber 4 Monate haben wir hier verbracht und es hat uns sehr gut gefallen, wir koennen garnicht verstehen, das diese schoenen Inseln von vielen
Yachten nur fuer 2 Tagen, auf ihrem Weg nach Galapagos besucht werden, aber vielleicht ist es deswegen noch so schoen hier, man ist einfach noch allein.

läuft stressfrei mit WordPress ( WordPress.de )