Auf Tobago und Trinidad
Geschichten aus der Karibik
Auf Tobago und Trinidad
Das Wetter zeigt sich wechselhaft auf unser ersten Karibikinsel. Wie schon auf der Fahrt hierher, immer mal ein kraeftiger Regenschaeuer, dann wieder Sonnenschein, sodass die Erde dampft. Aber bei 30°C kann der Himmel auch mal bewoelkt sein. Hier in der Store Bay haben wir nun endlich sauberes Wasser, gleich nach dem Aufstehen, erstmal ein Sprung hinein. Wir erkunden die Unterwasserwelt mit Schorchel und Taucherbrille. Am Hausriff gibt es nicht soviel zu sehen, aber als wir mit dem Dinghy zu Buccooriff fahren, sind wir begeistert. Jede Menge verschiedener Korallen, bieten vielen bunten Fischen ein zuhause. Wir fuehlen uns wie im Aquarium. Wir koennen unter Wasser Schildkroeten beobachten, die unglaublich schnell schwimmen. Sieht man sie vom Boot aus, denkt man immer sie kommen nur langsam voran, aber am Meeresboden flitzen sie nur so davon. Einige Korallenstoecke sind tot, sie sind mit einer weissen Schicht ueberzogen, Kalk. Aber von einem Tauchlehrer erfahren wir, das ein gewisser Prozentsatz an Korallenbleiche normal ist und kein Zeichen dafuer, das das Riff stirbt.
Die Umgebung der Store Bay ist durch den Tourismus gekennzeichnet, in unmittelbarer Naehe des Flughafens, ist ein Hotel am anderen. Aber gluecklicherweise gibt es keine Hochhaeuser und alle Hotels sind von einem bluehenden Garten umgeben. Aber Urlaub wuerden wir hier wahrscheinlich nicht machen, denn die Straende sind nur sehr klein und meistens mit Liegestuehlen gepflastert. An manchen Stellen muss man sogar Eintritt bezahlen, um an den Strand zu kommen.
Wir besuchen Katherina, die mit ihrer Tochter Raphaela seit 10 Jahren hier auf Tobago lebt. Katherina ist die grosse Schwester von Norberts Schulfreund Alexander, von dem wir auch ihre Telefonnummer bekommen haben. Als wir dann endlich die Tuecken der oeffentlichen Telefone gemeistert haben, werden wir von Katherina sogleich herzlich eingeladen sie zu besuchen. So kommt es das wir uns kennenlernen und eine schoene Zeit zusammen verbringen. Sie besuchen uns zweimal auf dem Boot, wir gehen gemeinsam schwimmen und Norbert macht mit Raphaela einen Schnorchelausflug. Und ich fahre mit Katherina nach Scarbourough zum Zahnarzt, ein Glueck nichts schlimmes und lasse auch endlich die Kebsvorsorgeuntersuchung machen, fuer 9 Euro, das haette in Deutschland 120 Euro gekostet. Tja so ist das manchmal, wir treffen Menschen, mit denen wir uns auf Anhieb gut verstehen und mit denen man eine kurze Zeit sehr intensiven Kontakt hat. Katherina und Raphaela, habt an dieser Stelle nochmal vielen Dank fuer eure Hilfe und Gastfreundchaft.
Beim ersten Besuch im Supermarkt sind wir ja noch ganz gefasst, wir wussten schon, das die Preise hoeher sind als in Brasilien, aber je laenger wir hier sind umso haeufiger denken wir an das billige Leben dort zurueck. Obst und Gemuese sind hier sehr teuer und auch nicht von guter Qualitaet, ein Kilo Tomaten kostet zb. 4 Euro. Auch der vielgepriesene Rum ist mit 8 Euro pro Flasche nicht gerade guenstig. Wenn man nur fuer 3 Wochen im Urlaub hier ist, ist es wahrscheinlich egal, aber wir ueberlegen uns genau was wir einkaufen und ob ein Strandbarbesuch drin ist. Das faellt uns nach unserem guten Leben in Brasilien natuerlich schwer und dabei soll es hier noch billig sein, im Gegensatz zur uebrigen Karibik.
Mit Sascha und Amrei von der “Sarei” und deren Mutti, die gerade hier zu Besuch ist, mieten wir uns ein Auto und machen eine Inselrundfahrt. Norbert ist unser Fahren, kein anderer traut sich, denn auf Tobago herrscht Linksverkehr. Aber nach anfaenglichen Schwierigkeiten, wir sind die ersten 20km nur mit 5km/h vorangekrochen, hat Norbert sich gut eingefahren und bringt uns sicher ueber die ganze Insel. Wir fahren an der Westkueste hinauf nach Norden, es geht durchs Landesinnere. Wir wollen zu einem der zahlreichen Wasserfaelle, aber der, den wir uns ausgesucht haben ist nur nach 2 stuendigem Fussmarsch zu erreichen. Aber wir haben ja extra das Auto gemietet und so fahren wir zu einem anderen Wasserfall. Es sieht wirklich toll aus, wir sich direkt aus dem Felsen ein Sturzbach in einen natuerlichen Felspool ergiesst. Aber da wir ja in Tobago sind, ist Baden natuerlich verboten, aber wir stecken trotzdem die Fuesse rein, so!
Weiter geht es nach einem Badestop in der Englishman Bay, dort ist Baden erlaubt, quer durch den Regenwald auf die Atlantikseite. Im Regenwald geht dann auch, ganz klar, ein gewaltiger Schauer ueber uns hinweg. Und nach dem Regen trieft alles vor Feuchtigkeit und es rauscht, perlt und gluckert im Wald. Als die Voegel wieder anfangen zu Kreischen ist das Konzert perfekt. Wir sehen einige Papagaien, aber leider nur in der Luft und nicht aus der Naehe.
Wir fahren auch die gesamte Atlantikkueste ab und geniesse zwischendurch immer wieder den gigantischen Ausblick aufs Meer. Die vorgelagerte Insel Little Tobago sieht aus wie ein gewaltiger Haufen Gruen, mitten im Atlantikblau. Die Rueckfahrt ist dann nochmal etwas anstrengend, denn inzwischen ist es dunkel und die Serpentinenstrasse sehr eng. Und dann fahren alle auch noch auf der falschen Seite. Wir beschliessen den schoenen Tag mit einem Bier in Elkes Hotel, der Ausflug hat wirklich Spass gemacht.
Wir segeln ein Stueck weiter, genau 3sm in die Mt.Irving Bay, wir haben genau zwei schoene Sonnentage dort, an denen wir schnorcheln, baden und einen Ausflug in den Regenwald machen. Dort gibt es einen Bird Watching Way mit einer Futterstelle fuer die Voegel. Morgens und abends werden die Voegel dort gefuettert und finden sich natuerlich puenktlich zum Essen ein. Als wir dort waren, kam keiner zum Fuettern, aber das wussten ja die Voegel nicht und waren alle da. Ein Gekreische, Gezirpse und Gesang aus allen Baeumen, es ist wirklich toll. Tja und dann faengt es an zu regnen und hoert zwei Tage nicht mehr auf, wir bleiben an Bord, lesen, gucken Film und machen garnichts. So kommt es auch das wir unserer Venezuela Segelfuehrer rausholen und alles gruendlich studieren und zu dem Schluss kommen, das wir unsere Plaene aendern und gleich nach Venezuela segeln wollen. Zum einem ist es uns hier einfach schon zu touristisch, die Leute hauen uns nicht vom Hocker und wenn wir lesen, das z.B in den Tobago Keys schon vor 10 Jahren, 64 Yachten in einer Bucht lagen, dann wollen wir uns garnicht vorstellen, was jetzt dort los ist. Das Venezuelabuch verspricht uns ein tolles Sgelrevier, was zwar auch schon sehr frequentiert ist, aber laengst nicht so ueberlaufen wie die Karibik. Und dann ist es natuerlich das liebe Geld, in Venezuela ist es einfach billiger.
Als nach zwei Tagen die Sonne wieder rauskommt, ist es klar, wir segeln noch in die Englishman Bay hier auf Tobago, dann zurueck in die Store Bay zum Ausklarieren und danach runter nach Trinidad. Und von dort aus direkt nach Los Testigos, eine zu Venezuela gehoerende Inselgruppe.
Ja und jetzt sind wir in Trinidad, eigentlich nur um noch einige Segelfreunde hier zu treffen, bevor sie ueber Weihnachten nach Hause fliegen. Aber wie es sich manchmal ergibt, hat Norbert hier noch einen Job bekommen. Er hat den kompletten Fussboden auf der “Pelikan” von unseren niederlaendischen Freunden Rudi und Jackie, die z.Zt. zu Hause sind, abgeschliffen und neu gestrichen. Der Job ist jetzt fast fertig und wir sitzen in den Startloechern. Ende der Woche, wenn wir auch diesen Bericht abgeschickt haben, starten wir nach Venezuela, gemeinsam mit einem Boot aus Oestereich, denn der Sicherheit wegen ist es besser, zu zweit dorthin zu segeln, da das erste Stueck dicht am ven. Festland liegt und es dort zu Piratenueberfaellen kommen kann. Aber wir lassen uns nicht bange machen, die vorgelagerten Inseln gelten als sicher und wir freuen uns schon sehr darauf. Also drueckt uns die Daumen, das alles klappt und dann gibt es auch bald wieder einen neuen Reisebericht.
Vorher moechten wir euch allen ein froehliches Weihnachtsfest und einen guten Start ins Neue Jahr wuenschen, vielleicht sogar mit viel Schnee, geniesst die Feiertage ohne Stress, und denkt manchmal an uns.